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Für Mich - Einfach besser leben

27. September 2011

Früh erkannt: Das starke Geschlecht?

Wenn es um die Gesundheitsvorsorge geht, haben Frauen die Nase vorn – jetzt sorgen sich Experten um die Männer und fordern eine Spezial-Behandlung für sie.

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Das starke Geschlecht hat es nicht leicht. Nach Jahrzehnten einer feministischen Emanzipationsbewegung scheinen die Herren der Schöpfung ins Hintertreffen zu geraten – zumindest aus medizinischer Sicht. Nach wie vor kümmert sich Mann zu wenig um die eigene Gesundheit, geht erst zum Arzt, wenn es fast zu spät ist, und frönt einem ungesunden Lebensstil. Um der speziellen „Männergesundheit“ auf die Sprünge zu helfen, hat die gleichnamige Stiftung nun einen ersten Gesundheitsbericht für den Mann aufgelegt – mit aussagekräftigen Ergebnissen: Es besteht Handlungsbedarf.

Gründe für das fehlende Bewusstsein für den eigenen Körper sieht Professor Weißbach, Urologe im Männergesundheitszentrum Berlin und wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung „Männergesundheit“, hauptsächlich in der medizinischen Praxis. „Die Männer wissen eigentlich, dass sie Vorsorgetermine wahrnehmen und auf ihren Körper achten müssen. Wir wissen hingegen nicht, wie wir die Männer ansprechen müssen oder wo wir sie erreichen können. Die Kommunikation zwischen Mediziner und Patient funktioniert noch nicht gut“, erklärt Weißbach. „Mit dem Aufruf ‚Tu etwas für deine Gesundheit‘ locken wir keinen Kerl hinterm Ofen hervor.“ Weißbach berichtet von einem speziellen Gesundheitsangebot am Flughafen Frankfurt. Warb der Arbeitgeber mit Kursen als „Rückenschule“, waren diese zu 75 Prozent mit Frauen besetzt. Wurde ein Kampfsport-Kurs angeboten, dann fanden sich zu 75 Prozent Männer ein. „Wahrscheinlich müssen wir die Ansprache eigens anpassen und sowohl Informationen über die Vorsorge wie auch die Untersuchungen selbst mehr in die Betriebe verlagern“, überlegt Weißbach. Bis dahin macht sich Unwissenheit breit. Vor dem Altern im Allgemeinen verschließen Herren gern die Augen. „Die wenigsten wissen, dass auch sie in die Wechseljahre kommen. Erst mit 46 bis 50 Jahren fällt der Groschen: Die Muskulatur wird weniger, die Knochenmasse nimmt ab. Psychische und emotionale Veränderungen, insbesondere Stimmungsschwankungen, treten auf“, erklärt Weißbach.

Mit dem Aufholen der Frauen in allen Gesellschaftsbereichen in den vergangenen Jahren „fühlen sich Männer überfordert“, so Weißbach. „Sie sehen das Ende des Alleskönners für sich eingeläutet. Für die meisten ist das schwer zu akzeptieren. Sie legen sich umso mehr ins Zeug und enden mit einem Burnout.“ Aus diesem Grund legt Weißbach seinen Patienten auch gern einen einfachen Fragebogen vor, den Well-being-Index der WHO. Er enthält fünf einfache Fragen, die den meisten Männern zu denken geben, weil sie deutlichen Aufschluss über das eigene Wohlbefinden bekommen.

berhaupt setzt der Mediziner in seiner interdisziplinären Praxis im Männergesundheitszentrum an der Meoclinic auf Kürze und Effektivität. „Die meisten Männer sind mit den vielen Vorsorgeterminen überfordert. Deswegen machen wir einen umfassenden Vorsorge-Check an einem halben Tag. Wenn alles in Ordnung ist, hat er die nächsten fünf Jahre Ruhe.“ Allerdings kostet der Rundum-
Gesundheitscheck 900 Euro. Wer das zahlt? „Oft die Frauen“, scherzt der Fachmann. 
 



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