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Für Mich - Einfach besser leben

28. März 2011

Lachyoga: Lach dich gesund

 Von Peter Wolff
Weniger albern als vermutet: Organisierte Lachtreffs machen glücklich. Foto: ddp

Ist das Leben auch mal nicht zum
Schenkelklopfen – beim Lachyoga
lernt man Alltagshumor.

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Wer lacht, streitet nicht. Das kann er auch gar nicht, denn der Körper befindet sich beim Lachen gewissermaßen im Ausnahmezustand. Bis zu 80 Muskeln gleichzeitig bewegt der Mensch, wenn er so hemmungslos lacht, dass ihm die Tränen in die Augen schießen – die übrigens biochemisch ganz anders zusammengesetzt sind als Tränen der Trauer und des Schmerzes.

Was aber geschieht genau mit dem Körper beim Feixen, Kichern, Gickeln oder Gackern? Allein äußerlich schon mal recht viel: Die Schultern zucken, der Brustkorb bebt und das Zwerchfell hüpft. Ein Muskel mit dem schönen Namen Musculus zygomaticus major sorgt dafür, dass sich die Mundwinkel nach oben ziehen. Auch innerlich gerät der Organismus aus der Ruhe. Das Herz fängt an schneller zu schlagen, der Blutdruck steigt und über die Atmung werden die Lungen vermehrt mit Sauerstoff versorgt, so wie man es vom Joggen oder Walken kennt. Dies kommt der Stimmung zugute, denn Sauerstoff in den Lungen bedeutet Sauerstoff im Gehirn. Lacht ein Mensch, sind im Gesicht 17 und am ganzen Körper sogar 80 Muskeln aktiv. Die Augenbrauen heben und die Nasenlöcher weiten sich, der Jochbeinmuskel zieht die Mundwinkel nach oben und die Augen verengen sich zu Schlitzen. Mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde schießt Luft durch die Lunge und die Stimmbänder werden in Schwingung versetzt. Doch Lachen ist nicht nur Anstrengung: Die Muskeln in der Beinregion erschlaffen. Und auch die Blasenmuskulatur entspannt sich, das erklärt auch den schwer zu haltenden Harndrang. Nach dem Lachen beruhigt sich der Organismus ziemlich schnell wieder. Doch Stimmung und Nervensystem zehren noch weiter von der warmen Welle Fröhlichkeit. Grund ist die vermehrte Ausschüttung von jenen Botenstoffen im Zentralen Nervensystem, die auch für die Stimmungsstabilisierung verantwortlich sind, den sogenannten Glückshormonen.

Lachen ist also tatsächlich gesund. Studien belegten, dass fröhliche Menschen in der Regel über ein stabileres Immunsystem verfügen, als humorlose. Lachen entspannt, lindert chronische Schmerzen, senkt den erhöhten Blutdruck und sorgt für eine ruhige und tiefe Atmung. Es bringt den Kreislauf in Schwung, regt die Verdauung an und fördert den Schlaf. Sogar bei Krebs und AIDS, bei Herzerkrankungen und Kopfschmerzen, bei chronischer Angst und Depression hat sich das Lachen als wirksames Mittel bewährt, weshalb auch in zahlreichen Krankenhäusern Frankfurts Lachtherapien angeboten werden.

Lustig geht es aber nicht nur stationär zu: Lachyoga-Gruppen finden sich inzwischen in beinahe jeder deutschen Stadt. Ziel ist das Lachen ohne Grund. Die Yoga-Technik verbindet Atemübungen mit bestimmten Lachübungen. Erfunden hat diese fröhliche Disziplin des alten Körperkults vor zehn Jahren der indische Mediziner Madan Kataria. Sind Teilnehmer zunächst noch befangen, tauen sie dank der Übungen schnell auf. „Der Körper hält das gekünstelte Lachen für echt und aktiviert daraufhin Glückshormone“, erklärt der Buchautor und Humor-Trainer Heiner Uber. Ein paar Hundert Übungen wie etwa das Hühnerlachen sollten helfen: Spätestens wenn die Teilnehmer ihre Hände zu Fäusten ballen, sie unter die Achseln klemmen, tief einatmen, die Brust nach vorne wölben und mit den angewinkelten Armen beginnen, wie mit Flügeln zu flattern, gibt es kein Halten mehr. Doch, so versichert der Experte, gebe es auch dezentere Übungen, die sich nebenbei während des Rasierens praktizieren lassen, bei der Busfahrt zur Arbeit oder am Schreibtisch.

Gerade Arbeitgeber sollten sich denn auch schallendes Gelächter wünschen: Schon vor knapp zehn Jahren haben die kanadischen Psychologen Robert Sinclair und Carrie Lavis an der Universität Alberta nachgewiesen, dass schlecht gelaunte Menschen während der Arbeit doppelt so viele Fehler machen wie heiter gestimmte.
In Indien jedenfalls ist dieser gemeinschaftliche Frohsinn eine Massenbewegung geworden: Bis zu 200 Menschen versammeln sich frühmorgens zum Schlapplachen in Parks. Und auch im Rhein-Main-Gebiet finden sich Lachclubs mit dem gemeinsamen Ziel, das Leben nicht nur fröhlicher sondern damit auch gesünder zu verbringen.

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