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Länderspiel Deutschland-Frankreich: Zurück auf den Boden der Tatsachen

Deutsch-französische Krabbelgruppe: Torwart Tim Wiese und Abwehrspieler Benedikt Höwedes können nicht verhindern, dass Florent Malouda zum 2:0 für die Equipe Tricolore trifft.
Deutsch-französische Krabbelgruppe: Torwart Tim Wiese und Abwehrspieler Benedikt Höwedes können nicht verhindern, dass Florent Malouda zum 2:0 für die Equipe Tricolore trifft.
Foto: getty

Beim 1:2 gegen Frankreich zeigt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Schwächen aus vergangenen Tagen. Sie agiert unkonzentriert und desorganisiert.

Bremen –  

Im letzten Testspiel vor der EM-Nominierung Anfang Mai hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim 1:2 gegen Frankreich eine enttäuschende Leistung gezeigt. Das anfangs noch so erwartungsfrohe Bremer Publikum reagierte auf die Darbietung der Elf von Bundestrainer Joachim Löw entsprechend: erst mit Stille, dann mit Stöhnen und schließlich mit Pfiffen. Eine Stimmung, die nur durch den späten Anschlusstreffer durch Cacau etwas aufgehellt wurde.

Bei Länderspielen in Bremen ist in der Vergangenheit einiges passiert. Zum Beispiel hat Michael Ballack 1999 im Weserstadion sein Debüt gefeiert (unauffällig bei einem 0:1 gegen Schottland). Damals ist in der zweiten Spielhälfte plötzlich sogar das Flutlicht ausgefallen, die Stadionregie hat klug reagiert, „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens eingespielt und alle haben mitgesungen.

Länderspiel Deutschland-Frankreich

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Später hat in Bremen sogar Sebastian Kehl einmal ein Tor für Deutschland geschossen. Aber noch nie war das Stadion ausverkauft, und noch nie hat ein bedeutender Gegner der deutschen Elf in Bremen gegenübergestanden. Aber nun ist die Arena für 76 Millionen Euro fein ausgebaut worden, zur Belohnung für die Mühe gab es vom Deutschen Fußball-Bund am Mittwoch ein Länderspiel gegen Frankreich. Am Mittag schoss der große ehemalige Werderaner Johan Micoud auf einem Nebenplatz für eine französische Presseauswahl bereits ein Tor zum 3:3 gegen Deutschland, und Boris Becker coachte kleine Mädchen aus sozial benachteiligtem Milieu. Es war also schon vor dem Anstoß am Abend wieder was los dort, wo die Weser einen großen Bogen macht.

Franzosen stören Spielaufbau empfindlich

Frankreich hatte sich beim letzten Auftritt im Nachbarland noch als viel zu groß für die deutschen Fußballspieler erwiesen. Im November 2003 hatte es ein 0:3 in Gelsenkirchen gegeben. Nie zuvor und trotz der gestrigen Partie auch nie danach war eine deutsche Nationalmannschaft ihrem Gegner derart unterlegen gewesen wie an jenem Abend mit Jens Jeremies und Frank Baumann im defensiven Mittelfeld in Gelsenkirchen, als Zinédine Zidane großartig aufspielte.

Nur der unzerstörbare Miroslav Klose ist von damals noch übrig geblieben aus beiden Mannschaften, und die Gewichte haben sich verschoben. Eigentlich zumindest. Deutschland ist viel besser geworden, derweil Frankreich an Niveau verlor. Micouds Hoffnung, dass die Franzosen „irgendwie über die Runden kommen“, erfüllte sich dann gestern Abend in der norddeutschen Tiefebene aber dennoch. Die Gäste sorgten dafür, dass Tim Wiese im deutschen Tor bester Spieler seiner Mannschaft wurde.

Deutschland verliert 1:2

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Mit dem Pressing der beiden Innenverteidiger Holger Badstuber und Mats Hummels störten die Mannschaft von Trainer Laurent Blanc den deutschen Spielaufbau empfindlich – und gingen verdient mit 1:0 in Führung. Dennis Aogo hatte den Schiedsrichter-Assistenten gedeckt, nicht aber den innen durchstartenden Mathieu Debuchy, dessen Hereingabe Mittelstürmer Olivier Giroud durch Wieses Beine bugsierte (21.).

Fahriger Boateng, unkonzentrierter Müller

Bei den Deutschen − in den grün-weißen Auswärtstrikots angetreten, weshalb die Werder-Fans sich nicht umzustellen brauchten − ging vor allem dann mal gefährlich was, wenn Mesut Özil Tempo machte. Auch der Mönchengladbacher Marco Reus machte seine Sache in seinem ersten Länderspiel von Beginn an recht ordentlich, derweil Jérôme Boateng rechts, wie Aogo links, wieder mal zu fahrig wirkte. Ebenso wie der Leverkusener André Schürrle, der nach 39 uninspirierten Minuten mit einer Abscherung des Nasenknorpels vom Nasenknochen aufgeben musste und durch den fortan noch unkonzentrierter wirkenden Thomas Müller ersetzt wurde.

Klassenbuch GER-FRA

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Zur Pause kam Benedikt Höwedes für Badstuber, Boateng rückte in die von ihm bevorzugte Innenverteidigung, und Mario Gomez ersetzte Miroslav Klose. Besser wurde das mit halber Kraft angetriebene deutsche Spiel dadurch aber nicht. Joachim Löw brachte seinen Unmut darüber mehrfach in unschwer zu interpretierender Körpersprache zum Ausdruck. Der Bundestrainer hatte freilich mit seiner Ansage, das Spiel habe keine tiefere Bedeutung für die Entwicklung der Mannschaft, seinen Teil zu der ausdruckslosen Vorstellung beigetragen.

Frankreich blieb unbeeindruckt und erzielte nach 68 Minuten das 0:2 durch Florent Malouda – und brachte die Partie danach gegen eine paralysierte DFB-Elf problemlos über die Runden.

„Wir haben hinten zu offen gestanden. Wir hätten uns deshalb sicher nicht beklagen können, wenn wir noch zwei weitere Tore erwischt hätten. Wir waren einfach zu unkonzentriert, haben zu leichtfertig gespielt“, befand der Münchner .

Autor:  Jan Christian Müller
Datum:  29 | 2 | 2012
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