Wenn der Bundestag morgen über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr abstimmt, wird die überwiegende Mehrheit der SPD-Abgeordneten mit Ja votieren.
Soldaten der Bundeswehr kommen im Feldlager Marmal bei Masar-i-Scharif an (Archivbild von 2008). Foto: dpa
Berlin –
Das massive Werben von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier trägt Früchte: Wenn der Bundestag morgen über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr abstimmt, wird die überwiegende Mehrheit der SPD-Abgeordneten mit Ja votieren. „Wir gehen mit großer Geschlossenheit in die Abstimmung“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann am Mittwoch.
Bei einer Probeabstimmung in der Fraktion hatten am Dienstag 90 Abgeordnete für das Mandat gestimmt, 18 votierten mit Nein, neun enthielten sich. Dies entspricht etwa der Stimmungslage bei der vorigen Mandatsverlängerung im Februar 2010, als 16 SPD-Abgeordnete mit Nein stimmten und sich acht der Stimme enthielten. Zwischenzeitlich war in der Fraktionsspitze befürchtet worden, die Ablehnung könne dieses Mal wesentlich stärker ausfallen.
Nicht nur Oppermann lobte die „sehr gute, sehr ernsthafte Debatte“ in der SPD-Fraktion. Auch Vertreter der Parteilinken bezeichneten die Diskussion als angemessen. Gabriel, der Afghanistan kürzlich besucht hatte, argumentierte vor den Abgeordneten, wer dem Mandat vor einem Jahr zugestimmt habe, könne angesichts der klar formulierten Rückzugsperspektive jetzt erst recht mit Ja votieren.
In einem Brief an alle Mandatsträger hatte Gabriel zuvor schon erklärt, der Beginn des Bundeswehr-Abzugs 2011 gehe auf eine SPD-Forderung zurück. Der damit verbundene Strategiewechsel zeige erste Erfolge: „Erstmals in der mehr als zehnjährigen Geschichte dieses Einsatzes gibt es eine realistische Chance auf eine Trendwende zum Besseren in Afghanistan.“ Daher sei eine Zustimmung „auch dann richtig, wenn die Bundesregierung sich nur halbherzig und innerlich zerstritten zu den Konsequenzen des Strategiewechsels bekennt“. Die letzte Bemerkung zielt auf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der das Abzugsdatum relativiert hatte. Guttenberg erschwere manchen Abgeordneten die Zustimmung, erklärte Oppermann.
Einsatz in Afghanistan
Bildergalerie ( 26 Bilder )
Ein deutscher Marder-Schützenpanzer der schnellen Eingreiftruppe pflügt im Marmal-Gebirge bei Masar-i-Scharif während einer Übung durch den Sand.
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Deutsche Soldaten während einer Schießübung in Kunduz. Seit 2009 mehren sich die Feuergefechte zwischen der Bundeswehr und afghanischen Terroristen.
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Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) bergen in Mazar-i-Sharif in Afghanistan während einer Gefechtsübung einen "Verwundeten".
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Einsatz bei Tag und Nacht. Soldaten der QRF proben in den Marmal Bergen nahe Mazar-e-Sharif in Afghanistan in totaler Dunkelheit den Ernstfall.
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Ein deutscher CH-53 Hubschrauber der ISAF landet in Feyzabad, nördlich von Kabul.
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Gefährlicher Einsatz. Bundeswehrsoldaten sichern in Kundus die Hauptstrasse nach Kabul. Immer wieder kommt es dabei zu Angriffen von Taliban-Kämpfern.
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Ein Soldat der Bundeswehr steht in Kundus an einer Strassensprerre. In der Nacht zuvor waren erneut zwei Raketen auf das Feldlager abgeschossen worden.
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Alltag für die Soldaten. Einsatz für die Bundeswehr an einer Straßensperre in Kundus.
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Patrouillenfahrt. Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) fahren in Masar-i-Sharif in Fahrzeugen vom Typ "Fuchs" und "Dingo".
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Ruhephase. Ein Bundeswehrsoldat der QRF lehnt in den Marmal Bergen nahe Masar-I-Sharif in Afghanistan während einer Übungspause an einem Bundeswehr-Fahrzeug des Tys "Dingo".
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Deutsche Soldaten observieren die Gegend während einer Mission in der Region von Kunduz.
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Deutscher Bundeswehrsoldat trifft afghanisches Kind - aufgenommen in einem Dorf in der Region von Kunduz.
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Feldjäger der Bundeswehr patrouillieren in Mazar-i-Sharif. Der Kontakt zu den Einheimischen gilt als ebenso notwendig wie gefährlich, da es gerade während der Patrouillen immer wieder zu Anschlägen kommt..
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Ohne Übersetzer ist die Kommunikation mit den Bewohnern eines Dorfes in der Region von Kunduz für die deutschen Soldaten nur schwer möglich.
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Soldaten der Bundeswehr laufen über einen Markt in der Stadt Kundus im afghanischen Kundus Patrouille.
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Bundeswehrsoldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan rauchen nach dem Einsatz an einer Straßensperre der Bundeswehr in Kundus in Afghanistan im Feldlager. An ihrem Checkpoint hatten die Soldaten Schüsse auf einen herannahenden Wagen abgeben müssen, um diesen zum Anhalten zu zwingen. Verletzt wurde niemand.
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Ärzte der Bundeswehr versorgen einen verletzten Afghanen im deutschen Camp in Kunduz.
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Der Mann war von einer Kugel getroffen worden.
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Auch die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte gehört zu den Aufgaben der Bundeswehr. Hier werden bei Masar-i-Scharif im Camp Mike Spann Soldaten der Afghanischen Nationalarmee ANA trainiert.
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Auch Waffenkunde gehört zu den Ausbildungseinheiten der Bundeswehr für das afghanische Militär.
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Ein Bundeswehrsoldat bildet im Feldlager der Bundeswehr in Feyzabad in Afghanistan afghanische Polizisten aus. Bei der Übung kommen allerdings nur Waffenattrappen zum Einsatz.
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Ein Polizist der Afghan National Police (ANP) führt in Aibak in der Provinz Samangan in Afghanistan im Rahmen der Ausbildung duch Feldjäger der Bundeswehr eine Durchsuchung durch. Feldjäger der Bundeswehr trainieren in den nördlichen Provinzen Afghanistans Polizisten der ANP.
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Wachsoldat vor dem deutschen Feldlager in Masar-i-Sharif.
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Der deutsche Oberst Georg Klein geriet in die Kritik, weil er US-Luftunterstützung im Kampf gegen zwei Tanklaster bei Kundus angefordert hatte.
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Bei dem von einem deutsche Oberst angeforderten US-Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kundus sterben mindestens 135 Menschen, unter ihnen viele Zivilisten, auch Kinder.
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Was macht die Bundeswehr in Afghanistan? Welche Aufgaben haben die deutschen Soldaten? Die Bilder internationaler Fotografen dokumentieren den Einsatz im Hindukusch. Hier trainieren Soldaten der Quick Reaction Force (QRF) in Mazar-i-Sharif für den Ernstfall.
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Fotostrecken Politik
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Linkspartei in der Krise
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Tatsächlich beklagte der Sprecher der Parlamentarischen Linken, Ernst-Dieter Rossmann, die „Wurschtigkeit“ des Ministers. „Für ein schludriges Mandat muss sich die Regierung die Mehrheit in den eigenen Reihen suchen“, sagte Rossmann der FR. Er kündigte an, sich bei der Abstimmung zu enthalten. Hingegen erklärte der ebenfalls zum linken Flügel zählende Abgeordnete Karl Lauterbach, er werde zustimmen, weil das Mandat eine „realistische Abzugsperspektive“ enthalte. Außerdem müsse die SPD „ein verlässlicher Partner für die Soldaten und die Menschen in Afghanistan sein“, sagte er der FR.
Anders als bei der SPD wird sich bei den Grünen der überwiegende Teil der Abgeordneten enthalten. Man rechne mit einigen Neinstimmen und sehr wenigen Jastimmen, hieß es in der Fraktionsspitze. Die Linke lehnt das Mandat geschlossen ab.
Für eine erneute Verlängerung des Mandats im nächsten Jahr hat die SPD freilich Bedingungen formuliert. Ein Entschließungsantrag der Fraktion fordert, bis spätestens zur Bonner Afghanistan-Konferenz im November müsse die Bundesregierung „einen konkreten Fahrplan“ zur Beendigung der Bundeswehr-Beteiligung an Kampfeinsätzen 2014 vorlegen. Dies sei „die Geschäftsgrundlage“ für eine weitere Unterstützung, warnte Oppermann.