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Wider die "Kaltreserve": Gas statt Atom für den Notfall

Die Opposition macht Front gegen das Bereithalten eines Alt-AKW als „Kaltreserve“ - das sei „technischer, wirtschaftlicher und politischer Unsinn". Nach den Regierungsplänen könnte Biblis B in Hessen als "Blackout-Verhinderer" in Gang gehalten werden.

Gaskraftwerke sollen die Versorgung sichern, sagt die SPD.  Foto: ddp

Die Opposition macht gegen den Plan der Bundesregierung Front, eines der Alt-Atomkraftwerke für die nächsten beiden Winter als „Kaltreserve“ vorzuhalten. Der SPD-Vizefraktionschef Ulrich Kelber kündigte im Gespräch mit der FR einen Änderungsantrag zum neuen Atomgesetz an, das im Bundestag beraten wird und Mitte Juli in Kraft treten soll. Die Idee einer nuklearen Kaltreserve sei „technischer, wirtschaftlicher und politischer Unsinn“, sagte Kelber.

Das Merkel-Kabinett hatte vorige Woche seinen Ausstiegsfahrplan unter dem Titel „Weg zur Energie der Zukunft“ verabschiedet. Danach ist die dauerhafte Abschaltung von acht AKW vorgesehen. Eines davon solle jedoch „bis Frühjahr 2013 als Reservekraftwerk zur Verfügung stehen“, um „Gefahren für Sicherheit und Stabilität der Energieversorgung“ abzuwehren. Im Gespräch als „Blackout-Verhinderer“ sind Biblis B in Hessen und Philippsburg 1 in Baden-Württemberg.

Kelber plädierte dafür, statt eines Atomkraftwerks derzeit nicht genutzte Kohle-, Öl- oder Erdgas-Kraftwerke als Reserve zu nutzen, die teils deutlich schneller ans Netz genommen werden könnten als ein Reaktor. Dafür seien ausreichende Kapazitäten vorhanden. Um ein komplett abgeschaltetes AKW wieder in Betrieb zu bringen, braucht es nach Angaben aus der Branche mindestens zwei bis drei Tage. Bei Gaskraftwerken reichen dafür Stunden aus.

Der SPD-Politiker warnte auch vor den hohen Kosten einer Atom-Kaltreserve. Diese werden in Branchenkreisen für die Zeit bis Frühjahr 2013 auf 50 bis 100 Millionen Euro geschätzt, die auf die Stromkunden umgelegt werden müssten. Kelber zufolge wäre die fossile Alternative deutlich billiger. Zudem sei es sinnvoller, Mittel einzusetzen, um ein „besseres Lastmanagement“ zu betreiben. Das heißt: Strom-Großverbraucher in der Industrie würden bei sich abzeichnenden Versorgungsengpässen ihre Produktion drosseln. Kelber fordert, dies dann auch angemessen zu vergüten.

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Tatsächlich haben sich mehrere energieintensive Branchen bereits bereiterklärt, sich beim intelligenten Lastmanagement stärker zu engagieren. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) zum Beispiel sieht „großes Potenzial für solche Maßnahmen“, wie es in einem Positionspapier heißt. Um die Netzstabilität zu erhöhen, könnten Großanlagen je nach Versorgungslage herunter-, aber auch hochgefahren werden, Letzteres etwa bei hohem Aufkommen von Sonnen- und Windstrom. Ähnlich argumentierte die Wirtschaftsvereinigung Metalle (WVM), in der etwa Aluminium-, Kupfer- und Zinkhersteller zusammengeschlossen sind. Sie arbeiten mit Elektrolyseverfahren, die viel Strom verbrauchen.

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Zwangsabschaltungen der Anlagen, wie sie die Bundesnetzagentur ins Gespräch brachte, lehnen die Industrieverbände indes strikt ab. Zudem fordern sie „Anreize“ für die Leistungen zur Netzstabilisierung, also Vergütungen oder niedrigere Netzgebühren.

Der Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler, hält ein besseres kurzfristige Lastmanagement ebenfalls für dringend geboten. Jedoch reiche dies nicht aus, um Engpässe auszugleichen, die möglicherweise über mehrere Monate im Winter aufträten. „Stellt sich heraus, dass eine Kaltreserve notwendig ist, sind jedoch fossile Kraftwerke deutlich besser geeignet als ein Atomkraftwerk“, sagte Kohler der FR. Die Netzagentur klärt derzeit mit Kraftwerks- und Netzbetreibern, ob und in welchem Umfang die „Anti-Blackout“-Reserve nötig ist. Das Ergebnis soll Mitte August vorliegen.

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Autor:  Joachim Wille
Datum:  16 | 6 | 2011
Kommentare:  3
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