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Gastbeiträge

27. Dezember 2015

Energie: Am besten jetzt elektrifizieren

 Von Robert Busch
Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch.  Foto: Imago/Symbolfoto

Die Zukunft des Energiesystems ist erneuerbar, digital und elektrisch. Dafür muss sich noch viel ändern, meint Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft, in seinem Gastbeitrag.

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Was haben Kühlschrank, Heizung und das Auto gemeinsam? Sie werden in absehbarer Zeit alle mit Strom betrieben. Denn spätestens seit den Beschlüssen des internationalen Klimagipfels in Paris ist klar:   Kohle, Öl und Erdgas werden in der zweiten Jahrhunderthälfte keine Rolle mehr in der Energiegewinnung spielen. Als Industrieland wird Deutschland hier schneller voranschreiten müssen; auch das steht im Abkommen von Paris. Zeit also, die Energiewende zu Ende zu denken. Es geht um die Elektrifizierung des gesamten Energiesystems. Dafür müssen wir nun die Weichen richtig stellen.

Was mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung so erfolgreich verläuft, ist nur ein erster Schritt, weitere müssen folgen. Am gesamten Endenergieverbrauch hat Strom nur einen Anteil von circa 25 Prozent, Wärme und Verkehr müssen ebenfalls mit Erneuerbaren elektrifiziert werden, um die Gesamtemissionen wirksam zu senken. Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass wir mehr grünen Strom brauchen, eben für elektrische Heizungen oder Elektroautos, aber auch für industrielle Anwendungen. Positiv ist dabei, dass die Kosten für die Stromerzeugung in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken sind, bei der Solarenergie seit 1990 um satte 90 Prozent.

Die Anlagen werden zudem immer leistungsfähiger. In den Startlöchern stehen auch neue Technologien, wie etwa Power-to-Gas: Dabei wird in Zeiten eines hohen Angebots an Windstrom dieser zur Produktion von Wasserstoff genutzt. Das grüne Gas kann ins vorhandene Erdgasnetz eingespeist werden. Auch in Städten sind viele Energie-Quellen noch nicht erschlossen: Dies gilt etwa für Dächer, die Platz für Solaranlagen bieten oder für neue Konzepte, wie die gebäudeintegrierte Photovoltaik.

Berücksichtigt werden muss der zusätzliche Bedarf an erneuerbaren Energien in den Ausbauplänen der Bundesregierung. Die sind bisher auf den konventionellen Stromsektor fokussiert. Auch die Planungen für die Stromnetze fußen auf Annahmen für den Stromverbrauch, die nicht zu halten sind, wenn Strom auch Wärme und Mobilität liefert. Studien, etwa des Fraunhofer-Instituts, prognostizieren bereits einen deutlich wachsenden Stromverbrauch bis zur Jahrhundertmitte. Aus Klimaschutzgründen ist das kein Problem, solange der Strom aus erneuerbaren Energien kommt.

Ein Update ist bei den Umlagen auf den Strompreis notwendig. Derzeit haben es etwa elektrische Wärmepumpen schwer gegen Ölheizungen, die einen neuen Boom erleben. Das liegt am günstigen Ölpreis, aber auch daran, dass der Stromverbrauch mit zahlreichen Abgaben belastet ist, fossile Energieträger dagegen nicht. Hier gilt es umzusteuern, damit klimaschützende Stromanwendungen auf Basis von Erneuerbaren Priorität im Wärmemarkt bekommen.

Intelligente Vernetzung

Ein Wesensmerkmal des kommenden Energiesystems wird die intelligente Vernetzung, die Digitalisierung sein. Aus einfachem Grund: Sorgten vor einigen Jahren noch wenige hundert Kraftwerke für die Energieversorgung, sind es heute schon knapp 1,5 Million Anlagen, Tendenz stark steigend. Hinzu kommt die stetig wachsende Zahl von Batteriespeichern, die wegen der ebenfalls rapide sinkenden Kosten immer attraktiver werden.


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Bis 2025 könnten sich die Preise auf rund 100 Euro pro Kilowattstunde mehr als halbieren, so eine aktuelle Studie der UBS-Bank. In naher Zukunft wird die überwiegende Zahl der installierten Solaranlagen über einen angeschlossenen Speicher verfügen. Bis 2025 könnten es bereits über zwei Millionen sein, hinzu kommt eine wachsende Zahl an Elektroautos, die ebenfalls als Speicher dienen können.

Die vielen dezentralen Erzeugungsanlagen und Speicher können nicht im Blindflug agieren. Sie müssen miteinander kommunizieren und effizient gelenkt werden, sonst droht Chaos im Stromnetz. Daher sind intelligente Mess- und Steuersysteme notwendig, wie sie nun Schritt für Schritt eingeführt werden sollen. Über sie lassen sich etwa Wind- oder Solaranlagen mit Speichern, Elektroautos oder Stromheizungen verbinden und dann in sogenannten virtuellen Kraftwerken zusammenführen.

Herrscht gerade ein großes Stromangebot an der Börse, kann etwa ein Betrieb eine Produktion vorziehen, ein Quartierspeicher auf Signal geladen werden. Die enge Vernetzung von Erzeugung und Verbrauch ist wichtig, weil erneuerbare Energien eben nicht rund um die Uhr im gleichen Maße zur Verfügung stehen. Dieses auch als Flexibilisierung bezeichnete Konzept ist ein zentraler Baustein des neuen Strommarktdesigns der Bundesregierung. Dahinter steht die bewusste Entscheidung, dass die Versorgungssicherheit durch das Zusammenspiel von Millionen von vernetzten flexiblen Erzeugern, Verbrauchern und Speichern gewährleistet wird. Moderne IT-Anwendungen spielen eine entscheidende Rolle.

Das Energiesystem der Zukunft ist also nicht nur erneuerbar sondern auch digital und es wirft ganz nebenbei das Verhältnis von Verbraucher und Energieversorger über den Haufen. Denn wenn mehr Haushalte Strom selber erzeugen und verbrauchen, sinkt der Bedarf an Restenergie, den sie noch von einem Lieferanten beziehen. Das Geschäftsmodell ändert sich: Der Energieversorger wird zu einem Dienstleister und bietet seinem Kunden nicht mehr nur Kilowattstunden an, sondern beispielsweise die notwendige IT und den Service, um dessen Anlagen daheim zu vernetzen und zu steuern. Es entsteht ein Art Internet der Energie.

Robert Busch ist Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft. 

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