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Gastbeiträge

24. September 2015

Fliegerhorst Büchel: Bombengeschäft mit US-Atomwaffen

 Von Xanthe Hall
Das Fliegerhorst Büchel bekommt eine moderne Landebahn - alles für die neuen US-Atomwaffen.  Foto: imago

Die USA beginnen mit der Modernisierung ihrer Bundeswehr-Stützpunkte für die Stationierung neuer Atomwaffen. Das sollte die deutsche Bundesregierung mit allen Mitteln verhindern, doch die ist äußerst passiv. Der Gastbeitrag.

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Lange war die Modernisierung der US-Atomwaffen in Deutschland angekündigt. Nun beginnen die USA am Atomwaffenstandort Büchel in der Eifel Nägel mit Köpfen zu machen: Sie verbessern den Bundeswehr-Stützpunkt, um einen Einsatz ihrer Atomwaffen auch künftig weiter zu ermöglichen. Die Landebahn wird mit einem modernen Instrumentenanflugsystem ausgestattet, die Zäune verstärkt, für die Wartung der Atomwaffen werden neue Lastwagen angeschafft und die Trägerflugzeuge erhalten eine spezielle neue Software. Denn in Europa werden neue US-Atomwaffen stationiert.

Die neue B61-Bombe soll eine lenkbare Präzisionswaffe werden. Die höhere Zielgenauigkeit könnte die Hemmschwelle eines Einsatzes senken. Dass Atomwaffen nicht nur der Abschreckung dienen, wie immer behauptet, zeigen kürzlich bekannt gewordene Planspiele der US-Regierung nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Laut Michael Steiner, dem damaligen außenpolitischen Berater von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, zog die damalige US-Regierung einen Atomschlag gegen Afghanistan in Betracht.

Bisher gibt es sie noch nicht die atomare „Smartbombe“. Sie steckt noch immer in der Entwicklung, die Stationierung beginnt erst in fünf Jahren. Die Modernisierung der B61-Atombombe (euphemistisch „Lebensverlängerungsprogramm“ genannt) geht glücklicherweise schleppend voran. Damit gewinnen wir in Europa Zeit, die wir brauchen, um die Politiker davon zu überzeugen, dass eine Modernisierung der im Atomwaffensperrvertrag enthaltenen Abrüstungsverpflichtung widerspricht. Daher sollten sich die europäischen Länder Belgien, Niederlande, Italien und die Türkei gegen die Stationierung der neuen US-Atombomben in Europa wehren.

In den Niederlanden läuft diese Diskussion bereits. Dort hat das Parlament die Regierung aufgefordert, sich gegen die Stationierung der modernisierten Atomwaffen zu entscheiden. Die Bundesregierung muss endlich handeln und den parteiübergreifenden Beschluss des Bundestages von 2010 nach einem Abzug der US-Atomwaffen aus Büchel umsetzen. Stattdessen erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier dem Bundestag Anfang 2015, der Beschluss werde bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Aufgrund der Konfrontation zwischen der Nato und Russland verhält sich Deutschland in der atomaren Frage ausgesprochen passiv. Die Nato-Bündnispartner sollen in dieser Lage gemeinsam Front zeigen und keinen Staub aufwirbeln. Man fühlt sich an die Worte des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder erinnert, der angeblich gesagt hat: „Wegen der 20 Dinger verkrache ich mich doch nicht mit den Amis!“. Eine Verbesserung der Atomwaffenstützpunkte oder die Stationierung von neuen Atombomben in Europa ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Sie bergen weiteres Konfliktpotential mit Russland und eskalieren dort, wo Deeskalation und Abrüstung dringend notwendig wären. So hat Russland prompt reagiert und damit gedroht, den Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme (INF-Vertrag) zu kündigen. Dies könnte wiederum eine Gegenreaktion der Nato provozieren und eine neue Rüstungsspirale anheizen.

Alleine die US-Regierung entscheidet

Die Zivilgesellschaft wehrt sich bereits seit Jahren gegen die „Atomwaffenmodernisierung“. Schon bevor die Nato auf dem Chicago-Gipfel im Jahr 2012 beschloss, neue Atombomben zu entwicklen, erklärten Hans Kristensen und andere Experten den Bundestagsabgeordneten minutiös, mit welchen neuen Fähigkeiten diese modernisierten Atomwaffen ausgestattet werden. Die Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“, unterstützt von 50 Organisationen bundesweit, lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit 2013 mit einer 24-stündigen Musikblockade in Büchel auf die hier stationierten US-Atomwaffen. In diesem Jahr blockierten Aktivisten den Atomwaffenstützpunkt 65 Tage lang. Gestern stand der Atomwaffengegner Hermann Theisen wegen Geheimnisverrats vor Gericht, weil er Bundewehrsoldaten dazu aufgerufen hat, die Öffentlichkeit über die Atomwaffenmodernisierung aufzuklären.


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Die Bundesregierung behauptet nach wie vor, die neuen Atombomben seien ein harmloser Ersatz für die alten. Es sei allein Sache der US-Regierung zu entscheiden, was in Deutschland stationiert werde, so das Auswärtige Amt. Kanzlerin Angela Merkel behauptet sogar, die Atombomben seien doch besser in Deutschland aufgehoben als „an anderer Stelle“. Sie erklärte bei einer Pressekonferenz, dass sie sich über den Stand der Modernisierung erkundigen wolle und diese Information „zum gegebenen Zeitpunkt“ weitergeben werde. Wann ist dieser Zeitpunkt, wenn nicht jetzt? Sollen wir noch fünf Jahre warten bis US-Flugzeuge auf der neuen Landebahn von Büchel die B61-12-Bomben anliefern?

Hintergrund der Modernisierungswelle in den Atomwaffenstaaten sind neben politischen auch ökonomische Interessen. Der Bau der neuen Atomwaffen liegt in den Händen von Firmen wie Babcock & Wilcox, Bechtel Corporation, Honeywell, Lockheed Martin, Boeing. Das Beziehungsgeflecht zwischen diesen Firmen und den Entscheidungsträgern in US-Kongress und -Senat ist eng. Auch in Deutschland sind Airbus und Thyssen Krupp durch den Bau von Trägersystemen in das atomaren Geschäft verwickelt. Deutsche Finanzinstitute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz leihen diesen Firmen Geld oder investieren in sie. Die Renditen des Geschäfts mit der Massenvernichtung sind groß. Atomwaffen sind eben ein Bombengeschäft.

Xanthe Hall ist Abrüstungsreferentin der deutschen IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges.

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