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Gastwirtschaft
Andere Ansichten, andere Haltung - die Wirtschaftskolumne der Frankfurter Rundschau

05. Februar 2015

Arbeit: Gespaltene Gesellschaft

 Von 
Jeder vierte abhängig Beschäftigte findet sich heute unter prekären Verhältnissen wieder.  Foto: imago stock&people

Das neoliberale Paradigma, das seit Mitte der 70er Jahre in Deutschland wütet, hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen in den Niedriglohnsektor abrutschen. Und das in einem der reichsten Länder der Welt.

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Das seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend wütende neoliberale Paradigma wollte im Grunde nur eins: von den Arbeits- zu den Kapitaleinkommen (Gewinn, Zins und Grundrente) umverteilen. Dies ist den Herrschaftseliten in einer Allianz aus Wirtschaft und Politik auch gelungen. Die Einkommen der abhängig Beschäftigten wurden von der Produktivitäts- und Preisentwicklung abgehängt und in Folge war die Verteilung der von den Beschäftigten produzierten Wertschöpfung nicht einmal verteilungsneutral, sondern die Lohnquote sank.

Allein von 2000 bis 2014 haben die Lohn- und Gehaltsabhängigen in Deutschland fast 1,2 Billionen Euro an Einkommen eingebüßt und sich in gleicher Höhe die Empfänger der Kapitaleinkommen bereichert. Hinzu kommt noch eine Ungleichverteilung innerhalb der Arbeitseinkommen. Ursache ist die von rot-grün initiierte Agenda 2010 und damit ausgelöste Deregulierung und Spaltung der Arbeitsmärkte mit und ohne Tarifvertrag.

Zusätzlich wurden in den Unternehmen die Stellen in Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte sowie in Stamm- und Randbelegschaften segmentiert. Dadurch entstand ein gewollter gigantischer Niedriglohnsektor mit Armutslöhnen. Jeder vierte abhängig Beschäftigte findet sich heute unter prekären Verhältnissen wieder und ist von tiefer Angst besetzt.

Das Bruttoarbeitseinkommen liegt dabei unter 8,50 Euro die Stunde. Davon kann man in Deutschland kein menschenwürdiges Leben führen. Der jetzt eingeführte gesetzliche Mindestlohn bringt nur marginale Linderung. Es bleibt für Millionen Beschäftigte bei einem aufgezwungenen anormalen Arbeitsangebotsverhalten. Sie bieten nicht bei erst steigendem Lohn mehr von ihrer Arbeitskraft an, was selbst nach neoklassischer Sichtweise ein normales Verhalten wäre, sondern sie müssen auf Grund des Überschussangebots an den Arbeitsmärkten, und den damit verbundenen niedrigen Lohnsätzen, immer mehr von ihrer Arbeitskraft anbieten, um ein zumindest existenzsicherndes Einkommen auf niedrigstem Niveau zu realisieren. Dadurch fällt der Lohnsatz noch mehr. Ein Teufelskreis!

Und es kommt noch schlimmer: Denn wer heute als abhängig Beschäftigter und Arbeitsloser ein sozial schweres Leben fristen muss, den erwartet Altersarmut. Und dies alles in einem der reichsten Länder der Erde.

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