Aktuell: US-Wahl | Türkei | Olympische Spiele | Brexit
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Gastwirtschaft
Andere Ansichten, andere Haltung - die Wirtschaftskolumne der Frankfurter Rundschau

15. April 2015

EZB: Geld drucken

 Von 

Zwei Anmerkungen zur Politik der Europäischen Zentralbank

Drucken per Mail

Bekanntlich hat EZB-Chef Mario Draghi im März entschieden, die in der Euro-Zone ausgegebene Bargeldmenge von rund 1,1 Billionen Euro bis zum Herbst 2016 – also innerhalb von eineinhalb Jahren – zu verdoppeln. Jeden Monat um rund 61 Milliarden Euro. Und das vor allem zur Absicherung jenes selbstgesteckten Inflationsziels von „nahe aber unter zwei Prozent“, das sich bislang immer mehr jener Nullgrenze näherte, bei der die Entwicklung in eine Deflation umzukippen droht, mit entsprechenden Folgen.

Welche Rolle diese enormen Bargeldvermehrungen und die daraus resultierenden Geldhortungen nun ihrerseits spielen und welche Gefahren daraus resultieren, wird nicht thematisiert. Dabei hat die Deutsche Bundesbank schon in der Vergangenheit durch umfangreiche Untersuchungen mehrmals nachgewiesen – zuletzt im Jahr 2009 – dass die von ihr ausgegebenen Banknoten nur zu etwa zehn bis 15 Prozent am regelmäßigen Umlauf beteiligt sind.

Das heißt, das Gros des Bargeldes wird gehortet, also dem Kreislauf entzogen. Und das vor allem auch im Ausland, wo man anscheinend den von der Bundesbank ausgegebenen Euro-Scheinen – erkennbar am X vor der Geldschein-Nummer – besonders traut.

Und in den Medien kursiert oft Fragwürdiges. So zum Beispiel die Aussage, dass die Nullzinspolitik die deutschen Privathaushalte Milliarden kostet, da ihnen – wie es an anderer Stelle besonders griffig heißt – Zinseinkünfte in Höhe von 190 Milliarden Euro „durch die Lappen“ gegangen sind.

Zweifellos trifft das auf das reichste Haushalts-Zehntel zu, bei dem die Zinseinkommen die Zinslasten übersteigen. Für die Mehrheit der Haushalte jedoch, die all diese Zins-Kosten mit ihren Ausgaben tragen müssen, ist es genau umgekehrt: Sie sind – solange Zinsen gezahlt werden – immer die Verlierer, auch wenn sie sich noch so sehr über die paar Zinsen auf ihrem Sparbuch freuen.

Wie lange dieses System der zinsbedingten Umverteilung, bei dem der soziale Frieden auf der Strecke bleibt, noch weiter funktionieren kann, ist deshalb die eigentliche Frage. Und da man die steigenden Kapitalkosten nur durch Wirtschaftswachstum mindern kann, gilt das letztlich sogar auch für den Erhalt der Umwelt.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Kolumne

Die tägliche Wirtschaftskolumne – geschrieben von Autorinnen und Autoren, die vermeintlich Alternativloses hinterfragen, Mythen entlarven und andere, neue Wege aufzeigen.

Unsere Kolumnisten auf Twitter
FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Unsere Kolumnisten

Heinz-Josef Bontrup, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Westfälischen Hochschule und Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Sahra Wagenknecht, Volkswirtin und Linken-Politikerin, Dierk Hirschel, Chefökonom der Gewerkschaft Verdi, Mechthild Schrooten, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen und Carsten Brzeski, Chefökonom der Bank ING Diba.

Unsere Kolumnisten

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VDK, Franz Knieps, Vorstand des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen und ehemaliger Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium, Martin Staiger, Sozialrechtsexperte und Dozent an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Jens Holst, Gesundheitswissenschaftler, und Hartmut Reiners, ehemaliger Referatsleiter im brandenburgischen Gesundheitsministerium.

Unsere Kolumnisten

Experten des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Vertreter des Food First Informations- und Aktions-Netzwerks (Fian), Thomas Gebauer von Medico International, der Handelsexperte Roland Süß (Attac) sowie Cornelia Füllkrug-Weitzel und Claudia Warning, die dem Hilfswerk von Brot für die Welt vorstehen.

Unsere Kolumnisten

Rainer Voss, ehemaliger Investmentbanker und Protagonist des Dokumentarfilms „Master of the Universe“, Lisa Mittendrein, Mitglied des Vorstands von Attac Österreich, Christophe Nijdam, Generalsekretär der Brüsseler Organisation Finance Watch, Wolf Brandes, Experte für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Hessen, Sven Giegold, Finanzexperte und Europa-Abgeordneter der Grünen, und Helmut Creutz, Zinskritiker.

Unsere Kolumnisten

Kommunikationsberaterin Claudia Cornelsen, die Karriereberaterin Sigrid Meuselbach und als Gastautoren zahlreiche Führungskräfte aus deutschen Unternehmen. Den Anfang machen die Commerzbank-Managerin Nurten Erdogan und der Unternehmensberater Manfred Dahm, der Managern Sinn für gesellschaftliche Verantwortung nahebringt.

Unsere Kolumnisten

Christine Ax, Philosophin und Ökonomin am Sustainable Europe Research Institute, Felix Rauschmayer, ökologischer Ökonom am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, Christa Müller, Soziologin und Leiterin der Anstiftung in München, Wolfgang Kessler, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler und Chefredakteur der Zeitschrift Publik-Forum, sowie Günther Moewes, emeritierter Professor, Verteilungs- und Wachstumskritiker.

Anzeige