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Andere Ansichten, andere Haltung - die Wirtschaftskolumne der Frankfurter Rundschau

19. Januar 2015

Geld: Rettung vor dem Kollaps

 Von 
Geld ist das „Blut der Wirtschaft“.  Foto: dpa

Die Geldflut bedroht Staaten und Arbeitsplätze. Dass die Zentralbanken bei ihren Geldausgaben inzwischen fast schon die Nullzins-Grenze erreichen und bei den Einlagen der Banken sogar Minuszinsen ansetzen, ist ein fast verzweifelter Versuch einer Rettung vor dem Kollaps.

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Geld ist das „Blut der Wirtschaft“. Wenn es fehlt, bricht der Kreislauf zusammen. Damit das nicht geschieht, wurden bisher all jene belohnt, die ihr angespartes Geld den Banken zur Kreditvergabe überließen. Sie erhielten dafür Zinsen. Zeitungsanzeigen wie „Machen Sie mehr aus Ihrem Geld“ oder „Lassen Sie Ihr Spargeld wachsen“, sind uns noch in Erinnerung. Dass diese Art der Geld-Umlaufsicherung die bereits Reichen auf exponentielle Weise immer noch reicher machte und die anderen, die diese Zinsen erarbeiten mussten, relativ ärmer, nahm man dabei in Kauf.

Angesichts der Wirtschaftskrise in Europa hat die Europäische Zentralbank nun die Leitzinsen gesenkt, bei Geldeinlagen sogar schon bis unter Null! Damit wird die Lage entschärft. Denn nun können auch die Banken bei der Kreditvergabe nur noch geringe Zinsen verlangen. Und auch wenn diese Zinsen niemals auf Null fallen werden, da die Banken auch ihre Kosten refinanzieren müssen, so dämpfen solche Niedrigzinsen doch die Diskrepanz-Zunahme zwischen Arm und Reich. Zudem nimmt der Druck zum Wirtschaftswachstum ab.

Helmut Creutz ist Zinskritiker. Zuletzt erschien von ihm „Das Geld-Syndrom“.  Foto: privat

Denn in einer kreditfinanzierten Wirtschaft hängen der Zins und der Wachstumsdruck eng zusammen. Das zeigen folgende Zahlen: Von 1950 bis 2010 stieg die Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt, bei uns nominell von 53,4 auf 2499 Milliarden Euro an. Das ist das 47-Fache. Die Geldvermögen wuchsen um ein Vielfaches schneller. Sie stiegen von 30,3 auf 7923 Milliarden Euro. Das entspricht dem 261-Fachen! Das heißt, die Geldvermögen nahmen fast sechs mal schneller zu als die Wirtschaftsleistung. All dieses neu geschaffene Geldvermögen ist auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten und damit nach Kreditnehmern, die die Zinsen erwirtschaften. Die sozialen Folgen lassen sich an der Explosion der Millionärs- und Milliardärszahlen ebenso ablesen wie an der ständig steigenden Verschuldung von Staaten und Haushalten oder der Privatisierung öffentlicher Güter!

Dass angesichts dieser Tatbestände die Zentralbanken bei ihren Geldausgaben inzwischen fast schon die Nullzins-Grenze erreichen und bei den Einlagen der Banken sogar Minuszinsen ansetzen, ist darum ein fast verzweifelter Versuch einer Rettung vor dem Kollaps! Doch erst ein „Negativzins auf die Bargeldhaltung“, also eine Umlaufsicherungsgebühr auf das Geld in der Wirtschaft, kann den Kreislauf nachhaltig machen.

Helmut Creutz ist Zinskritiker. Zuletzt erschien von ihm „Das Geld-Syndrom“.

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