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Andere Ansichten, andere Haltung - die Wirtschaftskolumne der Frankfurter Rundschau

13. Januar 2016

Kassenbeitrag: Zurück zur Parität

 Von 

Gesundheit darf nicht am Geldbeutel scheitern

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Vor Weihnachten haben Millionen von gesetzlich Krankenversicherten Post von ihren Kassen bekommen. Anlass waren jedoch nicht Grüße zu den Festtagen, sondern Erläuterungen, was die jeweilige Kasse für den Versicherten alles Gutes leistet und dass das auch 2016 so bleiben wird. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber in Zeiten von Beitragserhöhungen scheint der Rechtfertigungsdruck hoch zu sein. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass manche Kassen kräftig zulangen. Teilweise bis zu 0,6 Prozentpunkte mehr schlagen die Steigerungen für Beitragszahler zu Buche.

Auch 2016 liegt der Krankenkassenbeitrag für gesetzlich Versicherte bei 14,6 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils die Hälfte, allerdings bleibt für letztere der Anteil bei 7,3 Prozent eingefroren. Seit Jahren leisten einseitig die Versicherten einen Zusatzbeitrag, der im Durchschnitt bei 0,9 Prozent lag – Tendenz weiter steigend.

Hochleistungsmedizin kostet natürlich Geld, aber ihre Finanzierung darf nicht einseitig zu Lasten der Angestellten und Rentner gehen. Die Kassen dürfen ihre Defizite nicht durch immer höhere Zusatzbeiträge auf den Schultern ihrer Kunden abladen. Es gibt den Königsweg und der heißt: Rückkehr zur vollen Parität. An der Finanzierung der Krankenversicherung müssen sich die Arbeitgeber wieder gleichverpflichtet beteiligen. Zumindest brauchen wir für die kostenlose Mitversicherung für Kinder und Ehefrauen, die sich über Jahre bewährt hatte, eine entsprechende Steuerfinanzierung.

Da sich die Unternehmen hier der Verantwortung entziehen, bedeutet das für die Versicherten ständig höhere Kosten. Bereits heute zahlen sie erhebliche Kosten bei Krankheit aus eigener Tasche, beispielsweise durch Zuzahlungen, Aufzahlungen und Aufwendungen für Leistungen, die von den Kassen nicht mehr übernommen werden. Zahnersatz oder neue Brillen sind für Ältere, chronisch Kranke oder Menschen mit Behinderung oft zu teuer. Besonders hart trifft es dann einkommensschwache Rentnerinnen und Rentner. Wer von Grundsicherung im Alter lebt, muss sich zwei Mal überlegen, ob er sich seine Salbe oder Tropfen noch leisten kann. Wir sind bereits in der Zwei-Klassen-Medizin angekommen. Das darf nicht so weitergehen: Gesundheit muss für alle bezahlbar bleiben.

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