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Gastwirtschaft
Andere Ansichten, andere Haltung - die Wirtschaftskolumne der Frankfurter Rundschau

11. März 2015

Leben in der Stadt: Urbanität neu denken

 Von 
Eine grüne, fahrradfreundliche Stadt ist die Zukunft des urbanen Lebens - wir es hier im New Yorker Battery Park schon gelebt wird.  Foto: REUTERS

Wenn das Leben in den Städten in der Zukunft von Qualität sein soll, dann ist eine Entzerrung und Begrünung der einzige Weg. Um Platz zu schaffen, müssen Parkplätze Wohnhäusern weichen und das Fahrrad zum Verkehrsmittel der Wahl werden.

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Dankwart Guratzsch, früher einmal bekannt als Streiter der Springer-Presse gegen den „roten Städtebau“, nimmt sich nun – erneut in der Zeitung „Die Welt“ – den grünen Städtebau vor. Während Metropolen wie New York oder London, nicht zuletzt aus Klimaschutzgründen, längst dabei sind, ihre Infrastrukturen umzubauen, Grünflächen zu vernetzen, Wildtiere in den urbanen Räumen willkommen zu heißen (die in den ausgeräumten Industrielandschaften keine Nahrung mehr finden) und den alten Stadt-Land-Gegensatz zu verabschieden, taucht aus den Untiefen des letzten Jahrhunderts noch ein Aufschrei auf.

Guratzsch hält in einem aktuellen Beitrag die durchgrünte Stadt für „eine tragische Irrlehre des 20. Jahrhunderts“, der ein „Großteil der deutschen Planungsamtsleiter“ aufgesessen sei. Dabei sei dieses Konzept zutiefst unökologisch, denn „Auflockerung und Durchgrünung reißen die Stadt auseinander, führen zu längeren Wegen, Fahrzeiten, höherem Benzinverbrauch, mehr Abgasen und in der Folge zu erhöhten Feinstaubbelastungen und Krankenzahlen“.

Der Journalist, dessen Denken tief im Dualismus der Industriegesellschaft verankert ist, geht offenbar davon aus, dass es die autogerechte Stadt ist, die begrünt werden soll. Jedoch kann es heute nicht um die Reformierung alter Konzepte, sondern nur um eine komplett neue Dimension von Urbanität gehen, in der Kultur und Natur sich nicht mehr wie Feinde gegenüberstehen. Verdichtung ist in der Stadt des 21. Jahrhunderts nicht die Alternative zu grün, sondern ihr Komplement. Sie muss primär auf den bereits versiegelten Flächen stattfinden, auf den Flächen nämlich, die jetzt noch den (zumeist parkenden) Autos vorbehalten sind. Lebensqualität in städtischen Agglomerationen lässt sich nur realisieren durch mehr Platz – für Menschen und für Grünräume.

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Wenn Urbanität wirklich neu gedacht wird, müssen keineswegs die letzten innerstädtischen Freiräume geopfert werden (wie das Tempelhofer Feld, auf das Guratzsch offenbar anspielt). Vielmehr muss die gesamte städtische Nutzung neu ausgehandelt und öffentlich debattiert werden. Ja, die wachsenden Großstädte benötigen Platz – aber der kann nur auf Kosten des viel zu hohen Flächenverbrauchs des motorisierten Individualverkehrs realisiert werden. Die Zukunft der Stadt ist verdichtet – und grün zugleich.

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