Aktuell: Peter Tauber | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Gastwirtschaft
Andere Ansichten, andere Haltung - die Wirtschaftskolumne der Frankfurter Rundschau

19. Januar 2016

Werkverträge: Klare Regeln für Leiharbeit

 Von 

Rechtswidrige Verträge in Zukunft verhindern

Drucken per Mail

Wo Werkvertrag draufsteht, muss auch Werkvertrag drin sein. Rechts- und sittenwidrige Gestaltungen von Werkverträgen lehnen wir ab“. Diese markigen Worte könnten von uns sein. Sind sie aber nicht: Sie stammen aus einem Positionspapier der CSU-Landesgruppe. Leider enden hier auch schon die Gemeinsamkeiten zwischen den Christsozialen und dem DGB. Wir Gewerkschaften wissen: Mit frommen Wünschen ist noch nie etwas erreicht worden – weder auf dem Arbeitsmarkt noch anderswo.

Mehr Erfolg versprechen Regeln und Gesetze – im Fall von Werkverträgen und Leiharbeit ist das Verfahren gerade in vollem Gange. Die politisch Verantwortlichen haben es in den nächsten Wochen in der Hand, eine Zusage des Koalitionsvertrages einzulösen, nämlich „rechtswidrige Vertragskonstruktionen bei Werkverträgen zulasten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern“ zu verhindern.

Grund genug gibt es: Mittlerweile sind nicht nur Rinderhälften im Schlachthof zu Werkstü-cken geworden, sondern auch Patienten in Krankenhäusern. In allen Branchen steigt die Zahl der Leiharbeiter und Werkvertragsnehmer. Sie werden deutlich schlechter bezahlt und haben weniger Rechte als ehemals Festangestellte. Selbst die CSU wittert „rechts- und sittenwidrige“ Vorgänge in der deutschen Wirtschaft, will aber untätig bleiben. Die „unternehmerische Entscheidungsfreiheit“ ist ihr wichtiger. Und die Arbeitgeber legen diese Freiheit so aus, dass sie jeden Regelungsbedarf leugnen. Sie beklagen (wieder einmal) „überbordende Bürokratie“, die flexibles Handeln unmöglich macht.

Niemand will das: Werkverträge gehören zu unserem Wirtschaftsleben. Sie sind dazu da, Wissen und Fähigkeiten einzukaufen, die im Unternehmen nicht vorhanden sind. Das ist völlig okay. Auch Leiharbeit soll weiter ihren Platz haben – bei saisonalen Spitzen oder krankheitsbedingten Abwesenheiten. Aber wenn sie missbraucht wird zum Dauerinstrument, mit Verleihdauern von zwei oder drei Jahren, in Größenordnungen von 20 oder 30 Prozent der Belegschaften und mit bis zu 30 Prozent geringerem Lohn, dann hat das mit Flexibilität nichts zu tun. Das ist Lohndrückerei. Die politisch Verantwortlichen müssen sich jetzt entscheiden: Wollen sie sich weiter in Totalverweigerung ergehen oder endlich für klare Regeln sorgen?

 

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Kolumne

Die tägliche Wirtschaftskolumne – geschrieben von Autorinnen und Autoren, die vermeintlich Alternativloses hinterfragen, Mythen entlarven und andere, neue Wege aufzeigen.

Unsere Kolumnisten auf Twitter
FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Unsere Kolumnisten

Heinz-Josef Bontrup, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Westfälischen Hochschule und Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Sahra Wagenknecht, Volkswirtin und Linken-Politikerin, Dierk Hirschel, Chefökonom der Gewerkschaft Verdi, Mechthild Schrooten, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen und Carsten Brzeski, Chefökonom der Bank ING Diba.

Unsere Kolumnisten

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VDK, Franz Knieps, Vorstand des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen und ehemaliger Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium, Martin Staiger, Sozialrechtsexperte und Dozent an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Jens Holst, Gesundheitswissenschaftler, und Hartmut Reiners, ehemaliger Referatsleiter im brandenburgischen Gesundheitsministerium.

Unsere Kolumnisten

Experten des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Vertreter des Food First Informations- und Aktions-Netzwerks (Fian), Thomas Gebauer von Medico International, der Handelsexperte Roland Süß (Attac) sowie Cornelia Füllkrug-Weitzel und Claudia Warning, die dem Hilfswerk von Brot für die Welt vorstehen.

Unsere Kolumnisten

Rainer Voss, ehemaliger Investmentbanker und Protagonist des Dokumentarfilms „Master of the Universe“, Lisa Mittendrein, Mitglied des Vorstands von Attac Österreich, Christophe Nijdam, Generalsekretär der Brüsseler Organisation Finance Watch, Wolf Brandes, Experte für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Hessen, Sven Giegold, Finanzexperte und Europa-Abgeordneter der Grünen, und Helmut Creutz, Zinskritiker.

Unsere Kolumnisten

Kommunikationsberaterin Claudia Cornelsen, die Karriereberaterin Sigrid Meuselbach und als Gastautoren zahlreiche Führungskräfte aus deutschen Unternehmen. Den Anfang machen die Commerzbank-Managerin Nurten Erdogan und der Unternehmensberater Manfred Dahm, der Managern Sinn für gesellschaftliche Verantwortung nahebringt.

Unsere Kolumnisten

Christine Ax, Philosophin und Ökonomin am Sustainable Europe Research Institute, Felix Rauschmayer, ökologischer Ökonom am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, Christa Müller, Soziologin und Leiterin der Anstiftung in München, Wolfgang Kessler, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler und Chefredakteur der Zeitschrift Publik-Forum, sowie Günther Moewes, emeritierter Professor, Verteilungs- und Wachstumskritiker.

Anzeige