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Affäre Christian Wulff
Ex-Bundespräsident Christian Wulff arbeitet seine Vergangenheit auf - und bestreitet alle Vorwürfe

09. März 2012

Abschied von Wulff: Migranten vermissen Wulff

 Von Markus Decker
Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschland e.V. , zollt Christian Wulff noch einen letzten Tribut.Foto: dapd

Während Demonstranten vor dem Schloss Bellevue mit Vuvuzelas und Plakaten noch einmal ihren Zorn über den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff kundtun, trägt die türkisch-islamische Community Trauer. Die muslimischen Zuwanderer hätten Wulff gerne als Bundespräsident behalten.

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Kenan Kolat ließ es sich am Donnerstag nicht nehmen, dem zurückgetretenen Präsidenten noch einen letzten Tribut zu zollen. Christian Wulff habe zur kulturellen Vielfalt mehr beigetragen als viele Politiker vor ihm, sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland und fügte hinzu: „Ich denke, es ist wichtig, dass ich ihm noch einmal für seine Arbeit danke.“

Dabei ist Kolat nicht allein. Erst vor zwei Wochen, bei der Gedenkstunde für die Opfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt, hatte Ismail Yozgat mit Blick auf den abwesenden Wulff kundgetan: „Wir bewundern ihn.“ Yozgats Sohn Halit war 21-jährig erschossen worden.

Wulff hat den Zuwanderern viel bedeutet

Während einzelne Deutsche ohne Migrationshintergrund mit Vuvuzelas gegen den Zapfenstreich für Wulff demonstrieren wollten, ist es bei der türkisch-islamischen Community genau umgekehrt. Sie trägt Trauer. Der Niedersachse hat ihnen viel bedeutet. Im April 2010 ernannte Wulff, damals noch Ministerpräsident in Hannover, die Deutsch-Türkin Aygül Özkan zur Integrationsministerin. Sie war die erste Landesministerin mit Migrationshintergrund und muslimischem Glauben.

Am 3. Oktober 2010 sagte der 52-Jährige, inzwischen Staatsoberhaupt geworden, den entscheidenden Satz: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Mitte Oktober 2010 folgte eine fünftägige Visite in der Türkei. Im September 2011 schließlich erschien der türkische Präsident Abdullah Gül zum Gegenbesuch in Wulffs Heimat Osnabrück. Nicht zu vergessen dessen Engagement für die Hinterbliebenen des rechten Terrors.

„Wulff hat wichtige Signale gesetzt“, bilanziert Bülent Arslan, Vorsitzender des deutsch-türkischen Forums in der nordrhein-westfälischen CDU. „Das wird quer durch die politischen Lager der Migranten so gesehen. Deswegen freut man sich nicht darüber, dass er zurückgetreten ist.“ Teilweise gebe es Verschwörungstheorien, so Arslan. „Nicht wenige Menschen denken, man habe ihn wegen seiner Haltung gegenüber Migranten aus dem Amt gedrängt.“

Hoffnung, dass Gauck "da weitermacht"

Der CDU-Politiker würde sich jedenfalls „sehr wünschen, dass Joachim Gauck weitermacht, wo Christian Wulff Symbole gesetzt hat“. Der 72-jährige Präsident in spe hat die Dringlichkeit auch schon erkannt. Bei seinem jüngsten Treffen mit der Linksfraktion ließ er Teilnehmern zufolge wissen, nicht hinter Wulff zurückfallen zu wollen.

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