Was ist ein fauler Zauber? Der Versuch einer Oppositionspartei, eine Reform durchzusetzen, die erstens mangels Mehrheit offensichtlich aussichtslos, zweitens verfassungswidrig, aber drittens beim Publikum extrem populär ist. Um einen solchen faulen Zauber handelt es sich beim angekündigten Gesetzentwurf der SPD, die Altersbezüge der Bundespräsidenten zu kürzen, wenn sie weniger als zehn Jahre im Amt waren.
Um die Popularität dieser Initiative müssen sich die Sozialdemokraten nicht sorgen. Nach dem Rücktritt Horst Köhlers, spätestens aber nach dem unwürdigen Abgang Christian Wulffs nach gerade einmal eineinhalb Jahren Amtszeit findet jede Forderung, die Altersbezüge der Bundespräsidenten zu reduzieren, den überwältigenden Zuspruch der Bürger.
Und im Prinzip ist der Vorschlag der SPD auch gar nicht schlecht: volle Ruhegelder in Höhe von 217.000 Euro p.a. bis zum Lebensende nur nach zwei kompletten Perioden, also nach zehn Jahren, 75 Prozent nach nur einer Periode, 50 Prozent für den, der nicht einmal eine Amtszeit als Bundespräsident bewältigt.
Manche dachten, man müsse Christian Wulff aus dem Amt tragen.
Foto: dapdWas ist daran falsch? Falsch ist daran, dass die SPD bereits vor wenigen Wochen mit einem anderen Reformvorschlag zur Versorgung der Ex-Präsidenten am Widerstand der Union und der FDP gescheitert ist und sich die Mehrheiten seitdem nicht verändert haben. Falsch ist daran, dass die Neuregelung rückwirkend gelten, also vor allem den in Schimpf und Schande aus Schloss Bellevue vertriebenen Christian Wulff treffen soll, obwohl die Rückwirkung juristischer Unfug ist.
Falsch ist daran, dass die Sozialdemokraten mit diesem faulen Zauber einen Reformeifer vortäuschen, den die Neuregelung der Altersbezüge der Bundespräsidenten tatsächlich verdient hätte.
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Fragen von Journalisten, die Antworten von Wulff - Dokumentation im durchsuchbaren pdf-Format.
In den Kommentarspalten gärt es dagegen gewaltig. Unsere Presseschau.
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