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Affäre Christian Wulff
Ex-Bundespräsident Christian Wulff arbeitet seine Vergangenheit auf - und bestreitet alle Vorwürfe

29. Februar 2012

Joachim Gauck: Vom Kopf auf die Füße

 Von Steven Geyer
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin verbeugt sich vor Joachim Gauck.  Foto: dpa

Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck besucht die Grünen und klärt bei der Gelegenheit ein paar Missverständnisse auf. Außerdem versichert er auch Umwelt- und Integrationspolitik ernst zu nehmen.

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Natürlich hatte Joachim Gauck von der Kritik an ihm gehört – auch von der einiger Grüner. Er habe ja Kinder und Kindeskinder, die im Internet unterwegs seien, sagte er. Spätestens mit diesem Bekenntnis wich die Anspannung, die vor dem Treffen der Grünen-Spitze mit dem von ihr unterstützten Bundespräsidentenkandidaten bestanden hatte.

Sie rührte daher, dass die Grünen als einzige Partei uneins über den Konsenskandidaten waren. Während SPD und FDP geschlossen zu Gauck stehen und die Linke geschlossen gegen ihn, grummeln in der Union nur ein paar West-Katholiken. Bei den Grünen aber regte sich sowohl an der Basis, als auch im linken Flügel Unmut.

Doch die Nervosität an der grünen Parteispitze war unnötig. Gauck besuchte am Dienstag in einem Marathon alle Bundestagsfraktionen (außer der Linken, die ihn am nächsten Dienstag empfängt) – und holte sich von allen den erwartungsgemäßen Applaus ab. Schon ganz präsidentiell hatte er viele allgemeine und für jede Partei ein paar spezielle Sätze dabei. Vor der SPD erwähnte er eine „Willkommenskultur“, die er sich für Deutschland wünsche. Vor der FDP sagte er, er habe ein Ohr für Ängste der Menschen, für die Politik aber seien Ängste schlechte Ratgeber – die vor sozialem Abstieg ebenso wie die vor neuer Technologie. Den Grünen versicherte er, auch Umwelt- und Integrationspolitik ernst zu nehmen.

Das tat denen gut, denn im Vorfeld hatte es bei der Ökopartei einige Aufregung um Gauck gegeben. Mehrere linke Bundestagsabgeordnete störten sich an seinen Aussagen, Sarrazin sei mutig und die Occupy-Bewegung albern. Sie störten sich an Gaucks Aufmerksamkeitsdefizit für soziale Fragen – und am Vorgehen bei der Nominierung. Die Basis sei nicht mal gehört worden, monierten einige Kreisverbände.

Harmonische Debatte

In der linken Grünen-Hochburg Kreuzberg-Friedrichshain erwog man, den Bundestagsabgeordneten aus dem Kreisverband, Hans-Christian Ströbele, auf eine Gegenstimme zu verpflichten. Die Grüne Jugend schrieb in einer Stellungnahme gegen Gauck, er übersehe Schwache in der Gesellschaft. Schon drohten mehrere grüne Wahlleute aus Bund und Ländern, nicht für Gauck zu stimmen. Einige Spitzen-Grüne zeigten Nerven – etwa Jürgen Trittin, der der Gauck-kritischen taz öffentlich „Schweinejournalismus“ vorwarf.

Doch in der Fraktion wurde dann zwar rege, aber harmonisch debattiert. Schon in der Begrüßung ging Gauck auf die Kritik im Vorfeld ein, distanzierte sich klar von Sarrazin und bereute, ihn mutig genannt zu haben. Integrationspolitiker Memet Kilic bleibt skeptisch, Innenpolitiker Ströbele will weiter nachdenken. „Meine Kritik ist nicht ausgeräumt, aber er hat sehr überzeugend und offen mit uns darüber gesprochen“, sagt er.

„Herr Gauck hat klar gesagt, dass er Bundespräsident aller Menschen im Land sein will“, sagt Parteichefin Claudia Roth über das Vorstandstreffen, viele missverständliche Äußerungen habe er „vom Kopf auf die Füße stellen können“. So habe Gauck sehr wohl Verständnis für die Kritik an Finanzjongleuren gezeigt. Es habe eine Diskussionsfreudigkeit geherrscht, so Roth, die sie sich auch für den Bürgerdialog mit Gauck als Bundespräsidenten wünsche.

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