Sie hat Erfahrung mit hohen Staatsmännern. Und keinen unnötigen Respekt. 1968 erregte Beate Klarsfeld weltweit Aufsehen, als sie auf dem CDU-Parteitag in Berlin den damaligen Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger (CDU) ohrfeigte. Der Skandal war perfekt. Die damals 29-Jährige Klarsfeld hatte erreicht, was sie wollte: Aufmerksam machen auf Kiesingers NS-Vergangenheit.
In der Linkspartei gibt es nun die Überlegungen, die heute 73-jährige deutsch-französische Journalistin Klarsfeld am 18. März in der Bundesversammlung als Gegenkandidatin zu Joachim Gauck aufzustellen. Die Partei will sich erst heute entscheiden. Doch hat sie ein Problem. Sie ist tief gespalten. Am Mittwoch hieß es noch aus dem Karl-Liebknecht-Haus, Klarsfeld sei als Kandidatin unkontrollierbar. Eher unwahrscheinlich sei daher eine Kandidatur, erfuhr die Frankfurter Rundschau. Doch die Sache verselbstständigte sich. Spiegel Online hatte die mögliche Kandidatur am Nachmittag verbreitet. Und am Abend erklärte sich Beate Klarsfeld dann schon zur Kandidatur bereit. „Es wäre eine Ehre für mich“, sagte sie der WAZ.
Die Linke im Dilemma
Die Linke aber steckt nun in einem Dilemma. Sie hat eine respektable Persönlichkeit, die bereit wäre, gegen Gauck anzutreten. Doch ein Teil der Partei will lieber überhaupt keinen Kandidaten aufstellen. Zu bitter sind die Erfahrungen, die man 2010 mit Peter Sodann als Gegenkandidat zu Horst Köhler bei der Präsidentenwahl gemacht hatte. Sodann ist ein angesehener Schauspieler, aber sein Ausflug in die Politik war mehr als unglücklich.
Auch vor zwei Jahren bei der Wahl von Christian Wulff hatte die Linke ein Problem. Das lag weniger an der eigenen Kandidatin, der Journalistin Luc Jochimsen. Vielmehr lag es am sturen Beharren der Fraktionsspitze um Gregor Gysi, dem rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck im entscheidenden dritten Wahlgang die Zustimmung zu verweigern. Unvergessen das heftige Rededuell auf den Fluren des Reichstags, als der grüne Abgeordnete Werner Schulz Gysi entgegenschleuderte: „Ihr hättet über euren SED-Schatten springen können.“
Die Linkspartei sprang damals nicht. Und nicht wenige behaupten, dass nach der verpatzten ersten Wahlmöglichkeit für Joachim Gauck der Abstieg der Partei in den Wahlumfragen begann. Auch dieses Mal merkt man, wie stark die Linke mit sich ringt. Die Parteijugend brachte den Kabarettisten Georg Schramm („Neues aus der Anstalt“) ins Gespräch. Ein netter Versuch, aber wohl doch nicht ganz angemessen.
Klarsfeld immerhin ist eine echte Persönlichkeit. 1939 wurde sie in Berlin geboren, 1963 heiratete sie den französischen Journalisten Serge Klarsfeld, dessen Vater in Auschwitz von den Nazis ermordet worden waren.
Nach dem Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident ist Joachim Gauck der Konsenskandidat von CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne. Das Spezial.
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Politiker reagieren verhalten. Manche fordern ein Ende der Debatte, weil sie das Amt beschädige. Sie meinen tatsächlich die Debatte, nicht das Verhalten von Wulff. Die Reaktionen - das sagen Politiker.
Fragen von Journalisten, die Antworten von Wulff - Dokumentation im durchsuchbaren pdf-Format.
In den Kommentarspalten gärt es dagegen gewaltig. Unsere Presseschau.
In Niedersachen beginnt die politische Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Bundespräsident und Ex-Ministerpräsident Wulff: