24.580 Menschen gefällt am Dienstagvormittag die offizielle Facebook-Seite von Bundespräsident Christian Wulff. Die Zahl der Unterstützer für das Affären-gebeutelte Staatsoberhaupt ist damit seit Dezember leicht gestiegen, doch seine Gegner holen in großen Schritten auf. Knapp 12.000 Wulff-Kritiker haben auf der Seite "Christian Wulff: Rücktritt jetzt" zusammengefunden. Tausende tummeln sich auf den zahlreichen weiteren Contra-Seiten. Die Wulff-Kritiker nutzen das soziale Netzwerk nicht nur, um die neuesten Nachrichten über Vorwürfe gegen Wulff zu verlinken. Sie nutzen die Plattform, um Spott und Häme über den Präsidenten zu verbreiten.
Zum Beispiel das Lied "Schnorri, der Bundeskreditent" des Komikerduos Baumann & Clausen: Zur eingängigen Melodie vom "Schnappi"-Kinderlied wird da der Präsident als Superschnorrer verballhornt, der auch gerne mal Angela Merkel und Gerhard Schröder anpumpt. Im Refrain heißt es: "Meine Freunde, die haben ganz viel Geld, und mit dem Geld sieht Schnorri jetzt die Welt. Mehr als 37.000 Menschen haben sich den Songschnipsel in den letzten Tagen auf der Plattform Youtube angesehen.
400.000 schauen Kalkofe als Wulff
Auf ebenso großes Interesse stoßen die Werke der NDR-Satiresendung "Extra3". Ansonsten findet die Satire-Sendung im Spätprogramm meist nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, doch die einzelnen Filme werden nun im Netz verbreitet. Den Film "Wulff bricht sein Schweigen", indem die Macher den alten Loriot-Sketch vom Lottogewinner Erwin Lindemann mit neuem Text unterlegt haben, haben auf Youtube bereits mehr als 300.000 Menschen aufgerufen. Mehr als 420.000 schauten Komiker Oliver Kalkofe dabei zu, wie er die wahre Presseerklärung des Bundespräsidenten verliest.
Solche Videos sind nicht nur zum Lachen. Ebenso wie satirische Texte à la "Amt des Bundespräsidenten tritt von Christian Wulff zurück" (veröffentlicht in "Der Postillon") regen sie auch eine Debatte über die Grenzen politischer Satire im Allgemeinen und die Ansprüche an Politik an. Ein Blick in die Kommentarspalten der Netzwerke und Online-Medien offenbart: Noch nie wurde ein Präsident mit so viel Häme überschüttet. Und selten zuvor - Ausnahme ist vielleicht der Fall Guttenberg - gab das Anlass zu einer so kontroversen Internet-Diskussion über das Verhältnis von Politik und Gesellschaft, über Moral und Medien.
Jeder hat, so scheint es, eine Meinung zu Wulff - und will sie kundtun. Davon profitieren auch Seiten wie bundespraesident-gesucht.de oder pollvote.info, wo bereits mehrere Tausend über die einzelnen Zitate Christian Wulffs abgestimmt haben.
Soll Wulff nun zurücktreten oder nicht? Während die Netzgemeinde darüber noch eifrig streitet, hat Nadine Hamaleser aus Stuttgart schon eine Entscheidung gefällt: In einer Petition an den Bundestag fordert sie den Rücktritt Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten. Der Erfolg ihrer Initiative ist - gemessen an den Klickquoten mancher Wulff-Kritiker - noch eher gering: knapp 600 Unterzeichner hat Hamaleser gut zwei Wochen vor Auslaufen der Frist gewonnen.
Nach dem Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident ist Joachim Gauck der Konsenskandidat von CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne. Das Spezial.
Privatkredit von einem Unternehmer, überraschend günstige Konditionen bei der BW-Bank, Gratis-Urlaub bei Unternehmern, Drohungen auf der Mailbox von Bild-Chef Diekmann - die Vorwürfe gegen Bundespräsident Wulff im Einzelnen.
Politiker reagieren verhalten. Manche fordern ein Ende der Debatte, weil sie das Amt beschädige. Sie meinen tatsächlich die Debatte, nicht das Verhalten von Wulff. Die Reaktionen - das sagen Politiker.
Fragen von Journalisten, die Antworten von Wulff - Dokumentation im durchsuchbaren pdf-Format.
In den Kommentarspalten gärt es dagegen gewaltig. Unsere Presseschau.
In Niedersachen beginnt die politische Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Bundespräsident und Ex-Ministerpräsident Wulff: