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Anlagetrends: Rekordflut bei Anleihen

Mit Anleihen borgen sich Unternehmen in diesem Jahr so viel Geld bei Investoren und Privatanlegern wie noch nie. Die Warnglocken sollten klingeln - hier erinnert viel an die Lehmann-Pleite.

Am ersten. Jahrestag der Lehman-Pleite demonstrieren die Opfer in der Innenstadt von Frankfurt (Symbolbild).
Am ersten. Jahrestag der Lehman-Pleite demonstrieren die Opfer in der Innenstadt von Frankfurt (Symbolbild).
Foto: Foto: dpa

Düsseldorf. Mit Anleihen borgen sich Unternehmen in diesem Jahr so viel Geld bei Investoren und Privatanlegern wie noch nie. "Wir erleben eine Flut von Anleihen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, in einem Gespräch mit dpa.

In diesem Jahr seien bis Anfang Oktober im Euro-Raum neue Unternehmensanleihen in einem Gesamtwert von 372 Milliarden Euro herausgegeben worden. Damit hätten Unternehmen auf diesem Weg bereits in neun Monaten fast doppelt so viel Geld aufgenommen wie im gesamten Vorjahr. 2008 belief sich die Summe der Anleihen im Euro-Raum laut DSW auf 198 Milliarden Euro.

Kleinanleger sollten aber bei solchen Angeboten vorsichtig sein. Wie die Pleite der US-Großbank Lehman Brothers für tausenden Anleger schmerzlich verdeutlicht habe, seien Inhaberschuldverschreibungen, zu denen auch die Anleihen zählen, nicht ohne Risiko. Im Falle einer Insolvenz des Unternehmens, das die Anleihe begeben hat, müsse mit einem Totalverlust gerechnet werden. Wer dennoch Anleihen zur Kapitalanlage in Betracht ziehe, sollte sehr sorgfältig auswählen und in erster Linie auf Papiere von Großunternehmen wie Dax-Konzerne mit einem etablierten Geschäftsmodell setzen. "Die Auswahl an Papieren mit attraktivem Risiko-Rendite-Profil ist derzeit groß", sagte Hocker.

Die Flut an Anleihen sei Indiz für eine Kreditklemme, wenn es um große Summen gehe. Selbst Unternehmen mit einer guten Bonität hätten Probleme, Banken für große Kredite zu finden. Der Kapitalmarkt sei da eine willkommene Alternative. Die Konditionen wie Verzinsung seien für die Unternehmen vernünftig, zudem könne man die Rückzahlung der Anleihen sehr gut planen. "Beide Seiten profitieren. Unternehmen steht ein sehr berechenbarer Refinanzierungsweg offen, ohne dass ihr Kapital verwässert wird. Für Anleger, die nach beständigen Ausschüttungen suchen, ist dies eine gute Alternative", erläuterte Hocker.

Die Anleihen dienten aktuell in den meisten Fällen der Umschuldung von langfristigen Bankkrediten und für Investitionen. Übernahmen im großen Stil seien derzeit kein Thema. "Es geht darum, die Liquidität zu sichern. Wer schwarze Zahlen schreibt, kann Kapital ansammeln für die Zeit, wenn die Konjunktur wieder anzieht", verdeutlichte Hocker. Das Motto laute: "Pulver trocken halten". Viele Unternehmen hätten einen Teil ihrer Investitionen geschoben oder auf den Prüfstand gestellt. Bei einem Konjunkturaufschwung könnte die "Bremsen" gelöst werden. Das gelte auch für Übernahmen, wenn Konkurrenten billig zu haben seien.

Tausende Ansprüche von Lehman-Geschädigten drohen in den nächsten Monaten zu verjähren. Das sagte der Frankfurter Anwalt Matthias Schröder, der zahlreiche Anleger vor Gericht vertritt, dem "Tagesspiegel" (Sonntagausgabe). Die Ansprüche auf Schadensersatz verjähren drei Jahre nach Kauf der Zertifikate. Für viele Papiere läuft die Frist bald ab: Beispielsweise seien Mitte Januar 2010 Sparkassen-Kunden betroffen, Anfang Februar Kunden der Dresdner Bank, im März und April würden Ansprüche vieler Citibank-Kunden verjähren, warnte Schröder. Wer die Verjährung verhindern wolle, müsse einen Mahnbescheid erwirken oder Klage einreichen. (dpa)

Datum:  18 | 10 | 2009
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