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01. November 2012

Crowdinvesting: Die Kapitalsammler

 Von Jutta Maier
Sammeln wie die Ameisen: Von vielen kleinen Anlegern, sogenannten Mikroinvestoren, stammt beim Crowdinvesting das Kapital.  Foto: imago stock&people

Unternehmer setzen bei der Suche nach Kapital immer häufiger auf die Masse. Gerade bei Start-ups boomt das so genannte Crowdinvesting als neue Finanzierungsform. Doch das Risiko ist hoch.

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Mit Kleinvieh geben sich Dennis Bemmann und Guido Sandler nicht ab. Die beiden Berliner Unternehmer wollen lieber das große Rad drehen. Wahrscheinlich haben sie ihr Internet-Portal deshalb auf den hochtrabenden Namen Bergfürst getauft. Bergfürst ist eine Internet-Plattform für Crowdinvesting.

Wer beim Begriff Crowdinvesting an Crowdfunding denkt – eine aus den USA stammende Finanzierungsform, die in Deutschland als Alternative zu Bankkrediten immer bekannter wird – der liegt richtig. Erfolgsgeschichten wie die der Produktionsfirma Brainpool, die mittels Crowdfunding innerhalb einer Woche eine Million Euro von 3000 Fans einsammelte, um einen Kinofilm zur TV-Serie Stromberg zu produzieren, machen die „Schwarmfinanzierung“ immer populärer. Auf Crowdfunding-Plattformen sind es vor allem Künstler, die kleinere Geldmengen von durchschnittlich 3000 Euro einsammeln, um Film, Buch oder Konzert-Tournee zu finanzieren – aber auch zunehmend Unternehmensgründer, die Startkapital benötigen.

Interne Handelsplätze

Die neuen Crowdinvesting-Plattformen gehen einen Schritt weiter – allen voran Bergfürst. Anders als beim Crowdfunding erhalten die Mikroinvestoren im Gegenzug keine Gutscheine oder Fan-T-Shirts, sondern sie werden an dem Unternehmen beteiligt. Wenn der Wert steigt oder das Unternehmen verkauft wird, profitieren sie. Bergfürst ist die erste Plattform, die bei den Investments die Millionenmarke knackt: Die meisten Crowdinvesting-Plattformen stellen Unternehmen mit einem Kapitalbedarf von 10.000 und 100.000 Euro vor.

Bei Bergfürst wird das Emissionsvolumen bei zwei bis drei Millionen Euro liegen – die Anleger erwerben wie an der Börse Aktien an bereits bestehenden, jungen Unternehmen. Das unterscheidet Bergfürst ebenfalls von anderen Plattformen, bei denen die Anleger meist stille Beteiligungen oder Genussrechte erhalten. Zudem hat Bergfürst als erster Crowdinvesting-Marktplatz eine Lizenz von der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin. Das berechtigt die Macher zum Betreiben eines internen Handelsplatzes, auf dem die Investoren ihre Anteile auch wieder verkaufen können. „Bei uns gibt es keine Haltefristen von fünf bis sieben Jahren“, sagt Sandler. „Unsere Aktien sind direkt nach dem Erwerb handelbar.“

Klar ist: Beim Crowdinvesting steht die Rendite im Fokus, beim Crowdfunding eher der Spendengedanke. „Beim Crowdinvesting haben die Anleger mehr die Dollar-Zeichen in den Augen“, sagt René Klein vom Online-Portal Für-Gründer.de. Auf der anderen Seite tragen sie ein hohes Risiko: Sie investieren Risikokapital in die Start-ups. Solche Investments sind sonst Venture-Capital- und Private-Equity-Unternehmen vorbehalten. „Wir öffnen Privatanlegern die Tür zu einer neuen Anlageklasse“, sagt Sandler, der aus der Bankenbranche kommt. Er gründete die Berliner Effektenbank und die ETrade Bank, später war er Unternehmenssanierer. Geschäftspartner Bemmann hat einst das Online-Netzwerk Studi VZ gegründet.

Wie beim Crowdfunding auch stellen die Unternehmen bei Bergfürst ihre Idee per Video auf der Plattform vor. Die Investoren können dann per Mausklick für Beträge ab 250 Euro sogenannte vinkulierte Namensaktien an den Start-ups erwerben. Die Aktien haben laut Sandler den Vorteil, dass die Firma jederzeit weiß, in wessen Besitz ihre Anteilsscheine sind. Der Vorteil beim Crowdinvesting gegenüber einer Bankenfinanzierung sei, dass die Firmen das soziale Marketing gratis dazu bekommen – durch die Aufmerksamkeit der Internet-Gemeinschaft, so Sandler.

Mit welchem Unternehmen Bergfürst starten wird, will er noch nicht verraten. Man suche nach Firmen, bei denen sich eine Finanzierungsrunde zügig in der Bilanz niederschlage. „Das ist bei Dienstleistern und E-Commerce-Unternehmen eher der Fall als bei Biotech- oder Pharmaunternehmen“, sagt Sandler. Das 17-köpfige Team mit Sitz in Berlin-Mitte wird dann Hauptversammlungen, Video-Konferenzen und den Emissionsprospekt organisieren, der ab einem Volumen von 100 000 Euro vorgeschrieben ist. „Unsere Zielgruppe sind die Jungen Wilden, die bisher keinen Zugang oder keine Berührungspunkte zum Kapitalmarkt hatten, ebenso wie Menschen mitte, Ende 40 mit Anlage-Erfahrung“, sagt Sandler. Die kann bestimmt nicht schaden. Denn wenn das Unternehmen pleitegeht, bedeutet das den Totalverlust. „Investoren sollten nicht mehr als zehn Prozent ihres Kapitals im Hochrisikobereich anlegen“, räumt Sandler ein. Die Gefahr, dass Investoren ihr Geld in den Wind schießen, weil die Unternehmen sich bloß persönlich bereichern wollen, wertet Bemmann als gering, denn: „Die Leute werben auf Plattformen wie unserer mit ihrem Gesicht.“

Nicht alle Träume reifen

René Klein hält die Geschäftsidee von Bergfürst dennoch für ein kühnes Vorhaben – auch für die Plattform selbst. „Ein Emissionsvolumen von mehr als zwei Millionen Euro – so viel Geld muss man erstmal aufsaugen.“ Bislang haben deutsche Crowdinvesting-Plattformen gut drei Millionen Euro eingesammelt. Es habe sich jedoch gezeigt, dass die Anbieter eine gewisse Anlaufphase brauchen, sagt Klein. Hinzu kommt, dass die Zeichnungsfrist bei Bergfürst – inklusive der Festsetzung des Ausgabepreises (Bookbuilding) – wie bei Börsenemissionen etwa eine Woche dauern dürfte. „Da kann man keine zwei Monate warten, bis genug Investoren da sind“, sagt Klein. Ein Indiz dafür, dass auch Bergfürst kein Selbstläufer ist, könnte die Verzögerung der ersten Emission sein. Die war mal für diesen Herbst geplant, noch immer gibt es keinen Termin.

Das Gros der Crowdinvesting-Plattformen startete erst 2011. Momentan konzentriert sich das Geschäft noch stark auf Seedmatch, eine Plattform mit rund 9000 Nutzern, von denen etwa zehn Prozent investiert sind. Gut zwei Millionen Euro wurden dort seit Ende 2011 eingesammelt. Zu den Plattformen, die bereits erfolgreiche Finanzierungen aufweisen können, zählen neben Seedmatch noch Innovestment, Mashup Finance, Gründerplus und Companisto. Doch immer mehr drängen in den Markt: Derzeit sitzen neben Bergfürst sechs weitere Crowdinvesting-Plattformen in den Startlöchern, fünf davon in Berlin.

Immerhin sei bis jetzt keine Plattform pleitegegangen, sagt Klein, auch bei den kapitalsuchenden Firmen habe es noch keinen Ausfall gegeben. Allerdings funktionierten nicht alle präsentierten Investments: Von 42 Firmen erreichten nur 35 den angestrebten Mindestbetrag, bei den übrigen scheiterte die Finanzierung.

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