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Kredit-Plattformen: Geld aus dem Netz

Die Stiftung Warentest hält Kreditbörsen im Internet für eine Alternative: Anleger profitieren von Transparenz. Von Rolf Obertreis

Immer mehr Bundesbürger beschaffen sich einen Kredit im Internet.
Immer mehr Bundesbürger beschaffen sich einen Kredit im Internet.
Foto: Photocase.de/Willma

Frankfurt. Allenthalben werden die Klagen lauter, die Banken vergäben kaum noch Kredite. Oder sie verlangten saftige Zinsen. Kleinunternehmen, Selbstständige und Privatleute suchen deshalb andere Wege, sich Geld zu leihen.

Dabei kommt mehr und mehr auch das Internet ins Spiel: Kreditbörsen im Netz genießen immer größeren Zulauf. Dem derzeit größten Anbieter hat die Stiftung Warentest ein durchaus positives Zeugnis ausgestellt.

Seit Anfang 2007 tummeln sich diverse Kreditbörsen im Internet, Vorbildern in den USA und England folgend. Smava oder Auxmoney nennen sich die Plattformen. Manche eher unseriöse Anbieter sind schon wieder verschwunden.

Hohe Nachfrage

Die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht die in Berlin angesiedelte Smava, ein Synonym für "Smart Money" - zu Deutsch "cleveres Geld". Ende März 2007 ist die heute größte deutsche Online-Kreditbörse an den Start gegangen. Bislang wurden Darlehen im Gesamtvolumen von 8,04 Millionen Euro vermittelt.

Da sucht etwa ein 53 Jahre alter Angestellter einen Kredit von 6750 Euro für die Reparatur seines Autos, auf das er beruflich angewiesen ist. 5250 Euro haben ihm 13 Kreditgeber mit Beträgen zwischen 250 und 1000 Euro bereits zugesagt (Zinssatz 9,5 Prozent, Rendite 8,25 Prozent).

Ein Ehepaar hat bei Smava um 11 250 Euro nachgefragt (Zinssatz 12,1 Prozent). Mit dem Geld soll ihr Sportgeschäft erweitert werden. 29 Kreditgeber haben das Geld bereitgestellt mit Beträgen zwischen 250 und 1000 Euro, Rendite 10,4 Prozent.

Andere suchen Geld für die Renovierung oder die Umschuldung, für eine Feier oder für die Einrichtung von zwei Arbeitsplätzen im Büro. Maximal können Kreditsuchende über Smava 25 000 Euro aufnehmen. In der Regel verteilt sich die Kreditsumme auf ein oder zwei Dutzend Geldgeber.

Dabei ist Smava keine Bank, sondern eine Vermittlungsagentur. Das eigentliche Kreditgeschäft läuft über die Bank für Investments und Wertpapiere (BIW AG). Das Geld der Kreditgeber sei abgesichert, heißt es bei Smava. Die BIW ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds der Banken und wird von der Finanzaufsicht Bafin überwacht. Umgekehrt erhalten die Geldgeber einen gewissen Schutz, weil Smava die Daten der Kreditsuchenden von der Schufa, der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, prüfen lässt.

Danach bekommt der Kreditsuchende abgestuft in acht Klassifizierungen eine gute Bonität (A) oder bis zur Kategorie H eine schlechtere Bonität. Wie im Bankgeschäft muss ein Kreditnehmer mit geringerer Bonität einen höheren Zins zahlen.

Der Geldgeber haftet nicht allein, vielmehr bildet Smava Anleger-Pools, die im schlimmsten Fall gemeinsam gerade stehen. Die Ausfallraten sind im Schnitt vergleichsweise gering. In der besten Bonitätsklasse wurden zuletzt knapp 97 Prozent aller Darlehen pünktlich zurückgezahlt, in der schlechtesten Kategorie waren es 95,4 Prozent.

Die meisten Geldgeber bei Smava streuen das Risiko, indem sie jeweils pro Kreditnehmer maximal 500 Euro bereitstellen. Aktuell sind bei Smava von 1300 laufenden Krediten 29 mit einem Volumen von 168.000 Euro in Verzug. Von allem knapp 1400 bislang über Smava gewährten Darlehen sind 77 mit einem Volumen von einer halben Million Euro ausgefallen.

53 Prozent sind Selbstständige

Seit Herbst habe die Nachfrage deutlich angezogen, sagt Smava-Gründer und Geschäftsführer Alexander Artopé. Monat für Monat steige das Kreditvolumen um bis zu 15 Prozent. Vor allem Selbstständige, die bei Banken und Sparkassen durchs Raster fallen, werden fündig: Ihr Anteil an den Smava-Kunden liege mittlerweile bei 53 Prozent. "Auch diese Kunden sind kreditwürdig", sagt Artopé. Mindestens zwei Jahre müssen Freiberufler und Selbstständige ihrem Geschäft nachgehen, wenn sie Smava nutzen wollen. Existenzgründer werden nicht akzeptiert.

Die Stiftung Warentest hat Smava im Herbst ein durchaus positives Urteil gegeben. Grund: Die intensive Prüfung der Kreditnehmer, hohe Transparenz und faire Gebühren. Zahlen muss allein der Kreditnehmer - maximal 2,5 Prozent der Kreditsumme. Anleger zahlen einmalig vier Euro pro Geschäft.

Andere Verbraucherschützer allerdings raten zur Vorsicht. "Ein solcher Kredit ist eher ein ethisches Investment. Das Risiko ist schwer zu kalkulieren", sagt Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Wer bei Smava landet, hat womöglich bei der Bank kein Geld bekommen. Dafür gibt es Gründe."

Die relativ geringen Ausfallraten sprechen allerdings durchaus für Smava. Wer vor Jahresfrist auf Aktien gesetzt hat, steht heute erheblich schlechter da als die meisten der knapp 1500 Geldgeber bei Smava.

Autor:  ROLF OBERTREIS
Datum:  14 | 4 | 2009
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