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Was ist gerecht?
Gerechtigkeit ist unser Thema. Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau im Herbst 2014.

14. September 2014

Gerechtigkeit: Bewegt euch!

 Von 
Die Untätigkeit von Politik und Gesellschaft ist fatal.  Foto: picture alliance / dpa

In seinem Buch „Deutschland im Tiefschlaf“ schreibt FR-Autor Stephan Hebel über die fatale Untätigkeit von Politik und Gesellschaft, die sich über die Gefahren des „Weiter so“ ganz gern belügen lässt. Ein Auszug.

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Wie geht es Ihnen? Statistisch betrachtet, ganz gut. Sie leben wahrscheinlich in Deutschland, einem der politisch stabilsten und wirtschaftlich stärksten Staaten der Welt, Europas sowieso. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie über ein auskömmliches Einkommen verfügen, ist höher als in den meisten anderen Ländern. Einen Krieg im eigenen Land müssen Sie so wenig fürchten wie böse Folgen einer heilbaren Krankheit, denn Krieg und Terror sind ziemlich weit weg und das Krankenhaus ist nah. Wie sagt doch unsere Bundeskanzlerin so gern? „Deutschland geht es gut.“

Autor und Buch

Stephan Hebel war viele Jahre Redakteur der Frankfurter Rundschau, für die er weiterhin regelmäßig Leitartikel und Kommentare schreibt. Nach "Mutter Blamage - Warum die Nation Angela Merkel und ihre Politik nicht braucht" (2013) erscheint am Montag, den 15. September, ebenfalls im Westend Verlag "Deutschland im Tiefschlaf", dessen Vorwort Sie hier lesen können.

Das Buch beschäftigt sich nicht nur mit der Politik der großen Koalition seit deren Start vor knapp einem Jahr. Es untersucht auch die Frage, was die Bürgerinnen und Bürger tun könnten, um die Poltik zu entschlossenen Reformen zu veranlassen.

Zur Vorstellung und Diskussion des Buches am Montag lädt die FR alle Interessierten ein. Auf dem Podium sitzen gemeinsam mit dem Autor Bascha Mika, FR-Chefredakteurin, sowie Walter Sittler, Schauspieler ("Der Kommissar und das Meer", "Nikola") und aktiver Teilnehmer am Protest gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21.

Montag, 15. September, 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) im Haus am Dom, Domplatz 3, Frankfurt. Dort wird auch das Buch erhältlich sein. fr

Sicher, es gibt hier und da Grund zum Ärgern, und manchmal auch zum Fürchten: Die Steuerlast drückt, und trotzdem hat die Gemeinde kein Geld, um die Schultoiletten zu reparieren. Was Sie sparen, bringt so niedrige Zinsen, dass es in Wahrheit immer weniger wird. Wie viel irgendwann von der Lebensversicherung bleibt, malen Sie sich lieber erst gar nicht aus.

Der Strompreis steigt, aber selbst wenn das nicht so wäre, könnten Sie sich von dem Geld, das Sie jeden Monat nach Hause bringen, gerade so viel kaufen wie vor zwanzig Jahren, denn der Reallohn ist in dieser Zeit eher gesunken – es sei denn, Sie sind Spitzenverdiener, dann ist er gestiegen. Wenn Sie normal oder wenig verdienen und heute trotzdem mehr Geld im Portemonnaie haben als vor zwei Jahrzehnten, dann liegt das nur daran, dass Sie sich die Karriereleiter hochgearbeitet haben und dadurch den Reallohnverlust wieder wettmachen konnten.

Sie machen sich außerdem Sorgen über den Klimawandel und die Folgen. Und wenn Sie aus Europa und dem Rest der Welt von all den Krisen und Beinah-Kriegen und Kriegen hören, dann fragen Sie sich vielleicht manchmal doch, wie lange das noch gutgehen kann mit der Wohlstandsinsel Deutschland.

Dieses Buch habe ich geschrieben, weil ich glaube, dass es sich hier nicht nur um kleine Ärgernisse handelt. Ich fürchte, dass es tatsächlich nicht gutgehen kann, wenn Deutschland weiter die Augen verschließt. Ich bin überzeugt, dass dieses Land seine Stärken verlieren wird, wenn es die Aufgaben, vor denen wir stehen, verschläft.

Ich widerspreche nicht denen, die sagen, dass wir, verglichen mit dem Rest der Welt, einen ziemlich hohen Wohlstand genießen. Ich widerspreche aber denen, die behaupten, das würde so bleiben, wenn wir weitermachen wie bisher. Ich kann das nicht glauben, weil ich sehe, dass das deutsche Haus zwar hinter seiner hübschen Fassade noch ganz wohnlich eingerichtet ist – für viele, keineswegs für alle! –, dass aber die Fundamente längst Risse haben.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

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Das Buch zum Schwerpunkt

Nach dem großen Erfolg unseres Schwerpunkts hat die FR-Chefredaktion die wichtigsten Beiträge gesammelt und als Buch herausgegeben.

 

Bascha Mika, Arnd Festerling (Hg.): Was ist gerecht? Argumente für eine bessere Gesellschaft, Societäts-Verlag Frankfurt, 248 Seiten, 14,80 Euro.

Diskussion: Was ist gerecht?

FR-Podiumsdiskussion

Was ist gerecht? Darüber diskutieren Linken-Politiker Oskar Lafontaine, Ex-Investmentbanker Rainer Voss und Ökonom Michael Hüther.

Im Dossier: Zusammenfassung der Diskussion.

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