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Was ist gerecht?
Gerechtigkeit ist unser Thema. Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau im Herbst 2014.

19. September 2014

Margot Käßmann Mouhanad Khorchide: "Waffen liefern" ist zu einfach

Margot Käßmann  Foto: imago/epd

Gegenüber der Frankfurter Rundschau offenbart die Theologin Margot Käßmann, dass sie von Waffenlieferungen an die Kurden im Irak im Kampf gegen IS nicht überzeugt ist. "Es muss auch ein Nein zu Waffenlieferungen erlaubt sein", sagt Käßmann.

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Die Theologin Margot Käßmann sieht in den Waffenlieferungen an die Kurden im Irak keine angemessene Lösung gegen die Terroristen des „Islamischen Staates“ im Irak und Syrien. In einer von der Frankfurter Rundschau geleiteten Debatte mit dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide sagte sie auf die Frage, wie man denn den bedrohten Minderheiten im Irak und in Syrien helfen könne: „Ich habe darauf nicht die eine, klare Antwort. Aber ich finde es zu einfach, bloß zu sagen: Waffen liefern!“ Sie ergänzte: „Vielleicht müssen wir es aushalten, dass wir alle miteinander hilflos und ohnmächtig sind angesichts dieser Gewalt. Wer das zugibt, kann doch nicht länger so tun, als wären Bombardements und Waffenlieferungen die einzige Antwort auf solch schreckliche Ereignisse wie im Irak. Es muss auch ein Nein zu Waffenlieferungen erlaubt sein. Dass diese Antwort heute lächerlich gemacht wird, ist ein Problem“, sagte Käßmann der Frankfurter Rundschau. 

"Ob ich bereit wäre, Gewalt anzuwenden?"

„Das Plädoyer zur Gewaltlosigkeit wird heute – anders als zur Zeit der Friedensbewegung – leichthin als naiv, traumtänzerisch oder hirnverbrannt abgetan. Nach dem Motto: ,Mit Gebeten kann man nichts verändern.‘ Vor 25 Jahren haben Gebete und Kerzen sehr wohl etwas verändert“, erinnerte Kaßmann an die Wende-Zeit. „Jemand, der sich daran offenbar nicht erinnern will, hat übrigens den Vorschlag gemacht, mich über IS-Gebiet mit dem Hubschrauber abzuwerfen; dann würde ich schon lernen, wie weit ich mit Gewaltlosigkeit komme … So hält man sich doch nur die Zumutung vom Leib, über andere Wege nachzudenken.“

Ihr Gesprächspartner und Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide lehnte dagegen nicht eindeutig mögliche Waffenlieferungen für den Kampf gegen den IS ab. Auf die Frage, ob ihm das Gefühl eines rächenden Westernhelden wie Clint Eastwood bekannt sei, sagte er: „Ich gebe zu, ich habe dieses Eastwood-Gefühl, wenn es den IS-Kämpfern und anderen Terroristen an den Kragen geht, die andere auf bestialische Weise umbringen. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst von Fundamentalisten mehrfach mit dem Tod bedroht worden bin“, so Khorchide im Interview der FR. „Aber ich weiß auch, dass es falsch wäre, bei solchen subjektiven Empfindungen stehen zu bleiben. Wir müssen nach den politischen Ursachen eines Konflikts wie jetzt im Irak fragen und nach dem Versagen der Weltpolitik.“

Margot Käßmann antwortete auf die Frage: „Niemand von uns weiß, wie wir handeln würden, wenn wir persönlich ganz existenziell bedroht sind. Ob ich dann bereit wäre, Gewalt anzuwenden? Ich – weiß – es – nicht. Ich kann nur sagen, dass die Menschen, die mich beeindruckt haben, immer die anderen waren: ein Mahatma Gandhi, ein Martin Luther King.“

Die Debatte der prominenten geistlichen Gelehrten ist Teil einer großen FR-Serie zum Thema Gerechtigkeit, die noch bis Ende November läuft. Das vollständige Interview lesen Sie in der gedruckten und in der App-Ausgabe der Frankfurter Rundschau vom Samstag, 20. September.

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