Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Gericht
FR-Gerichtsreporter Stefan Behr berichtet über kuriose, traurige, aufwühlende und schockierende Prozesse.

01. Oktober 2014

Amtsgericht Frankfurt: Geldbuße nach Schüssen aus Auto

 Von 
Das Amtsgericht Frankfurt hat eine Prostituierte frei gesprochen.  Foto: ddp

Zwei Italiener liefern sich eine Verfolgungsjagd durch Oberrad und landen beim Frankfurter Amtsgericht. Einer von ihnen wird zu einer Geldbuße verurteilt. Er hat mit einer Schreckschusspistole auf den anderen gezielt.

Drucken per Mail

In zivilisierten Ländern würde so eine Angelegenheit bei Espresso und Grappa geregelt werden. Aber wir sind hier in Deutschland, und also sehen sich Dario und Salvatore vor dem Amtsgericht wieder.

Eigentlich haben Dario und Salvatore viele Gemeinsamkeiten. Beide sind in dem Alter, wo der Testosteronspiegel langsam sinkt und das Gewicht langsam steigt. Beide sind von Beruf Pizzabäcker. Beide fahren einen Fiat. Beide halten den jeweils anderen für einen lausigen Autofahrer. So weit zum Verbindenden. Und nun zum Trennenden. Dario fährt einen Cinquecento, Salvatore einen Brava.

Am 25. November 2012 kommen sich die beiden ins Gehege, – vermutlich bereits auf der A 661, mit Sicherheit aber auf der Frankfurter Gerbermühlstraße. Dario sagt, Salvatore habe ihn so hinterrücks wie grundlos angedrängelt und belichthupt. Salvatore sagt, Dario habe ihn geschnitten und ausgebremst. Jedenfalls gehen sich die beiden am Mainufer rechtschaffen auf den Wecker, und irgendwann biegt Dario nach links in die Wehrstraße ab, Salvatore hinterher. Dario öffnet das Fenster und schießt mit einer Schreckschusspistole auf Salvatore, der jetzt erst recht die Faxen dicke hat, die Polizei informiert und eigenhändig die Verfolgung aufnimmt.

Nach einer wilden Hatz durch ganz Oberrad wird der vermeintliche Amokschütze Dario von Salvatore und einem Großaufgebot an Polizei in einem Schrebergartengelände gestellt. Die Waffe hat Dario zuvor in einem Laubhaufen verbuddelt, aber Patronen und Holster im Auto liegengelassen.

Espressi und Grappa kommen billiger

Salvatore kann es bis heute nicht fassen. Eine Waffe – „so was versteckt man doch im Wald“ und fahre sie nicht im Auto spazieren, wo sie jeder finden könne. Darios Waffe fand offenbar ein Schrebergärtner, jedenfalls war sie nicht mehr da, als Dario sie ein paar Wochen später vom Laubhaufen abholen wollte. Zeit genug zum Suchen hatte er, denn Führerschein und Job war er nach dem Vorfall los – Dario scheint eher zu den ausfahrenden als zu den backenden Pizzabäckern zu gehören.

Der Führerschein ist mittlerweile wieder da, die Waffe weg, und der Richter am Amtsgericht, ein durch und durch vernünftiger Mann, sieht wenig Sinn in endlosen Zeugenbefragungen. Nach kurzem Prozess macht er Dario ein Angebot, dass dieser nicht ablehnen kann. Die eigentlich mitangeklagte Drängelei falle weg, da nicht mehr geklärt werden könne, wer hier Täter und wer Opfer sei.

Die Sache mit der Knarre aber bleibe ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. 90 Tagessätze à zwölf Euro, und damit habe es sich dann auch. Denn eine Pistole, auch eine mit Platzpatronen, gehöre weder in den Wald noch ins Handschuhfach. „So was geht überhaupt gar nicht.“

Sonst machen Dario und Salvatore ja auch einen recht vernünftigen Eindruck, und man muss schon mal sagen, dass zwei Espressi und zwei Grappe allemal billiger gekommen wären.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Dossier
Justizia ist wachsam.

FR-Gerichtsreporter Stefan Behr berichtet über kuriose, traurige, aufwühlende und schockierende Prozesse.

Anzeige

Twitter
Frankfurter Zoo
Bonobo-Dame im Frankfurter Zoo

Gorilla-Damen, Giraffe & CD. Die FR ist live im Zoo dabei - und hält Sie auf dem Neuesten.