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Gericht
FR-Gerichtsreporter Stefan Behr berichtet über kuriose, traurige, aufwühlende und schockierende Prozesse.

29. April 2015

Frankfurt: Schwangere Frau in den Bauch getreten

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Das Amtsgericht Frankfurt hat eine Prostituierte frei gesprochen.  Foto: ddp

Der Ex-Freund einer 25-Jährigen und sein Bruder wollen verhindern, dass diese ein Kind austrägt. Sie bedrohen die Schwangere massiv. Einer der Brüder tritt ihr in den Bauch. Trotzdem kommen die beiden Männer bei einem Prozess mit milden Strafen davon.

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„Haben Sie Kinder?“ Diese den Angeklagten der Form halber zu Prozessbeginn gestellte Frage barg am Dienstag moralischen Sprengstoff. Denn ob Ozan E. Vater ist, weiß er gar nicht. Der 26-Jährige weiß nur, wann er das letzte Mal mit der Mutter des Kindes, dessen Erzeuger er vermutlich ist, Kontakt hatte.

Es war am 23. Januar 2014: An jenem Tag hatte Ozan E. seiner schwangeren Ex-Freundin telefonisch gedroht, ihr eine Giftspritze in den Hals zu stechen und so eine lebenslange Lähmung zuzufügen – sollte sie das Kind in ihrem Bauch nicht innerhalb von zehn Tagen abtreiben. Zudem drohte er, bei fortwährender Schwangerschaft auch den Kopf ihres Hundes „abzuschneiden“. E. hat beide Aussagen am Dienstag vor dem Frankfurter Jugendschöffengericht gestanden.

Zu dem Telefonat kam es, weil die 25-jährige Frau, die an besagtem Wintertag schon einige Wochen nicht mehr mit E. zusammen war, kurz zuvor in der Innenstadt Ozans damals 19-jährigem Bruder Eren begegnet war. Der hatte sie ins Gesicht geschlagen, sie als „Hure“ beschimpft und ihr anschließend mehrere Male in den Bauch getreten. „Ich schlage dir das Kind aus dem Bauch“, soll er dabei gerufen haben. Auch er hat gestanden.

So weit, so erschreckend. Doch sei „letzten Endes alles gutgegangen“, informierte Jugendschöffenrichter Axel Rockemer die Anwesenden im Gerichtssaal. Mutter wie Tochter seien wohlauf, bleibende Schäden keine entstanden. Und weil die Brüder sich auf richterliches Anraten hin geständig zeigten, blieb der Mutter auch der schwierige Gang in den Zeugenstand erspart. Diese Umstände erkannte die Kammer als strafmildernd an. Und so kam ein „sehr mildes Urteil“ zustande, wie Rockemer betonte.

100 Euro für Geschädigte

Eren E. wurde unter Anwendung von Jugendstrafrecht zu acht Monaten auf Bewährung und zur Zahlung von 100 Euro an die Geschädigte – das entspricht den Kosten ihres Arztbesuchs nach der Attacke – verurteilt. Zudem muss der heute 21-Jährige an acht Gesprächen zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ der Kinder- und Jugendhilfe Frankfurt teilnehmen.

Dazu kommt der wöchentliche Besuch einer Drogenberatung, die noch aus einem alten Verfahren gegen Eren E. herrührt. Auch wegen Körperverletzung war er schon einmal angeklagt. Sein Bruder Ozan muss wegen Bedrohung und Nötigung 680 Euro zahlen. „Billiger geht’s nicht“, sagte Rockemer dazu.

Denkt man an die Tritte in den Bauch der Frau – eine Tat, die der Richter selbst als „krass“ bezeichnete – stellt sich die Frage, ob das Urteil nicht zu mild ist: Schließlich wäre bei gefährlicher Körperverletzung auch ein weit höheres Strafmaß möglich gewesen. „Die niedrige Strafe ist aus erzieherischen Gründen notwendig“, erklärte Rockemer. Eren E. könne weiter zur Schule gehen, sich eine Perspektive aufbauen und so Drogen und Gewalt entkommen.

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