Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Gericht
FR-Gerichtsreporter Stefan Behr berichtet über kuriose, traurige, aufwühlende und schockierende Prozesse.

11. Januar 2016

Gericht: Anleger um Millionen Euro betrogen

 Von 
Der Lebensgefährte der Bierkönig-Witwe steht wegen Millionenbetrugs vor Gericht.  Foto: Andreas Arnold

Der Lebensgefährte der Bierkönig-Witwe steht wegen Millionenbetrugs vor Gericht. Den juristischen Anfang in der Aufarbeitung der Green-Planet-Affäre hat im vergangenen Dezember der 73 Jahre alte Manfred W. gemacht.

Drucken per Mail

Mit Holz verhält es sich manchmal wie mit Männern: je älter, desto höher die Rendite. Manchmal aber auch nicht.

Vor dem Landgericht muss sich seit Montag der 72 Jahre alte Karl-Peter H. wegen Betrugs verantworten. H. wirkt ein wenig müde und blass, was nicht Wunder nimmt, sitzt er doch seit Ende August in Untersuchungshaft. Auf eingefallenen Wangen sprießt ein Drei-Tage-Bart. Die Frankfurter Stadtgesellschaft kennt den Kaufmann satter und lebensfroher. Und als aktuellen Lebensabschnittspartner der Bierkönig-Witwe Meharit Schubert, die nun nicht gerade im Verdacht der Kostengünstigkeit steht – was letztlich ein Motiv sein könnte.

Karl-Peter H. soll laut Anklage mehr als 700 Anleger um mehr als 20 Millionen Euro betrogen haben. Die Ermittler sind überzeugt, dass er das Mastermind hinter dem Pleite-Unternehmen „Green Planet AG“ war. Von 2009 bis 2014 soll das Unternehmen Anleger zu „renditeträchtigen, ökologisch sinnvollen“ Investitionen überredet haben. Die Ermittler glauben, dass die ganze Firma höchstens ökonomisch sinnvoll war, und das auch nur für die Betreiber.

Die Geschäftsidee: Durch den Erwerb an Teakholz-Setzlingen in Costa Rica sollten Anleger nach einer Wachstumswartezeit von 20 Jahren mit einer üppigen zweistelligen Rendite belohnt werden. Jedoch: Nach costa-ricanischem Recht war der Erwerb dieser Bäume gar nicht möglich, zudem soll nur ein Bruchteil des gesammelten Geldes tatsächlich in Plantagen vor Ort geflossen sein – den Rest sollen die Initiatoren verjuxt haben. Ebenso wie das Geld, das gutgläubige Anleger später auch für Kautschukbaum-Setzlinge bei „Green Planet“ loswerden konnten. Vorteil: Kautschuk-Rendite hätte es bereits nach fünf Jahren gegeben. Nachteil: Hat es aber nicht. Zudem gab es in Costa Rica bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie eine Kautschukplantage, aber irgendjemand muss ja mal den Anfang machen.

Komplexe Briefkastenfirmen

Den juristischen Anfang in der Aufarbeitung der Green-Planet-Affäre hat im vergangenen Dezember der 73 Jahre alte Manfred W. gemacht. Der ehemalige Geschäftsführer der Green Planet AG war vom Landgericht wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Während dieses Prozesses hatten sich die Verdachtsmomente erhärtet, dass der an und für sich mittellose W. lediglich als Gehilfe für einen Strippenzieher im Hintergrund fungiert habe. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, in H. ebenjenen Strippenzieher dingfest gemacht zu haben. Der Kaufmann soll sowohl die Geschäftsidee gehabt als auch das komplexe Verschleierungssystem mit einem komplexen Briefkastenfirmengeflecht entwickelt haben. Offiziell trat H. bei Green Planet nicht in Erscheinung – soll aber finanziell der Hauptnutznießer gewesen sein. Neben W., der aber lediglich sehr gut dafür bezahlt worden sein soll, dass er für die krummen Geschäfte seinen Kopf hinhielt.

Ursprünglich war gegen H. lediglich wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt worden. Erst in dem Prozess gegen W. hatte sich gezeigt, dass vermutlich viel mehr hinter den fragwürdigen Überweisungen steckte.

Meharit Schubert, die zu ihren eigenen jüngsten Gerichtsterminen stets von H. begleitet worden war, blieb der Prozesseröffnung am Montag fern, der Beziehungsstatus mag daher als zumindest fragwürdig angesehen werden.

Der Prozess begann mit dem üblichen Befangenheitsantrag der Verteidigung. Am Donnerstag soll weiterverhandelt werden.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Dossier
Justizia ist wachsam.

FR-Gerichtsreporter Stefan Behr berichtet über kuriose, traurige, aufwühlende und schockierende Prozesse.

Anzeige

Twitter
Frankfurter Zoo
Bonobo-Dame im Frankfurter Zoo

Gorilla-Damen, Giraffe & CD. Die FR ist live im Zoo dabei - und hält Sie auf dem Neuesten.