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21. September 2012

Alkoholsucht: Frauen sind gefährdeter als Männer

Jenny Elvers-Elbertzhagen lässt sich wegen Alkoholproblemen in einer Entzugsklink behandeln.  Foto: dpa

Der Weg in die Sucht dauert oft Jahre. Meist bleibt er lange unentdeckt, gerade bei Alkoholikerinnen, denn sie verhalten sich unauffälliger. Zur Einsicht gelangen viele erst, wenn sich das Problem nicht mehr abstreiten lässt. Jenny Elvers-Elbertzhagen etwa nach ihrem verstörenden TV-Auftritt.

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Seit wann sie ein Alkoholproblem hat, hat die Schauspielerin Jenny Elvers-Elbertzhagen nicht gesagt. Fest steht, mit ihrer Sucht ist sie kein Einzelfall. Etwa ein Drittel der Alkoholabhängigen in Deutschland sind Frauen. Und Suchtexperten vermuten eine hohe Dunkelziffer, denn Frauen trinken eher heimlich und allein. Ihre Sucht wird von Kollegen und Bekannten oft erst sehr spät bemerkt. Und auch die Wissenschaft hat sich viele Jahre eher auf alkoholkranke Männer konzentriert. Dabei werden Frauen schneller und von wesentlich geringeren Mengen abhängig.

Alkoholikerinnen wurden in den vergangenen 20 Jahren nicht beachtet und sind deshalb heute „ein sehr großes Problem“, sagt Professor Karl Mann, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung. Frauen werden schneller süchtig und tragen schwerere gesundheitliche Folgen davon. Darüber hinaus sind sie schwerer therapierbar, „weil sie aus Scham viel später als Männer Hilfe annehmen“, sagt Mann. Sie können ihre Sucht lange verstecken, weil sie trotzdem Job, Familie und Haushalt noch gut managen.

Alkohol macht Frauen schneller süchtig

Die typische Trinkerkarriere beginnt nach den Worten von Professor Mann mit 15/16 Jahren. „Regelmäßiges Trinken ab Mitte 20 verursacht zehn bis 15 Jahre später die ersten gesundheitlichen Probleme“, sagt der Suchtforscher. Die Leberwerte sind erhöht, die Haut verändert sich, und die Konzentration lässt nach. Im vierten Lebensjahrzehnt ist die Grenze zur Sucht überschritten.

Nach einer groß angelegten Studie in Deutschland macht Alkohol Frauen im Schnitt vier bis fünf Jahre schneller süchtig als Männer. Schuld daran sind nach den Worten Manns nicht wie bislang gedacht der unterschiedliche Stoffwechsel, sondern die höheren Fettanteile im weiblichen Körper. Da sich Alkohol nicht im Fettgewebe löst, haben Frauen somit bei gleicher Trinkmenge und Trinkgeschwindigkeit durch das geringere Verteilungsvolumen eine höhere Alkoholkonzentration im Blut als Männer. Auch wird der Alkohol bei Frauen langsamer wieder abgebaut.

Alkohol regt an, entspannt, tröstet

Der Weg in die Sucht führt meist über die Familie. Studien zufolge ist es zu 60 Prozent genetisch bedingt, ob jemand anfällig für Alkohol ist oder nicht, sagt Mann. Dabei beginnen Missbrauch und Abhängigkeit fast immer schleichend, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Es gehöre schließlich zum „Allgemeinwissen“, dass Alkohol entspannt, anregt und tröstet.

"Wer jedoch regelmäßig Alkohol trinkt, um zum Beispiel Stress, Ärger, Wut oder Trauer besser aushalten zu können, ist gefährdet.“

Möchte man sein Alkoholabhängigkeits-Risiko gering halten und eine zu starke Gewöhnung vermeiden, gelten folgende Richtwerte: Täglich sollten Männer nicht mehr als 0,6 Liter Bier oder 0,3 Liter Wein oder etwa 8 cl Schnaps oder Likör trinken. Für Frauen gilt jeweils die Hälfte der angegebenen Menge. Und es wird dazu geraten, zwei bis drei Tage pro Woche keinen Alkohol zu trinken. (dapd/ef)

Welche Symptome bereits auf Alkoholsucht hindeuten, lesen Sie in der Bildergalerie.

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Quelle: Onmeda

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