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09. August 2012

Entspannung im Büro: Was Business-Yoga in der Mittagspause bringt

Mitunter sieht es lustig aus, wenn Awai Cheung mit seinen Kunden in den Großraumbüros Übungen einstudiert. Foto: dpa-tmn

Yoga, Qigong, Tai Chi - für viele Entspannungstechniken gibt es mittlerweile sogenannte Business-Abwandlungen. Sie sollen für einen schnellen Stressabbau in der Mittagspause sorgen und einem Burnout vorbeugen. Kann das tatsächlich im Großraumbüro gelingen?

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Yoga, Qigong, Tai Chi - für viele Entspannungstechniken gibt es mittlerweile sogenannte Business-Abwandlungen. Sie sollen für einen schnellen Stressabbau in der Mittagspause sorgen und einem Burnout vorbeugen. Kann das tatsächlich im Großraumbüro gelingen?

Wenn Awai Cheung sich entspannen will, umarmt er als Erstes einen Baum. Als Zweites formt er einen Ball. Und als Drittes öffnet er eine Blüte. Natürlich alles nur in seiner Vorstellung. Oder besser gesagt: in seinem Kosmos. Darin dreht sich alles um die Energie, das Qi. Die "Drei B"-Übung - für Baum, Ball, Blüte - nennt der 44-jährige Chinese aus Berlin das. Sie kommt aus dem Qigong, einer traditionellen asiatischen Technik. Seit mehr als zehn Jahren lehrt er seine Variante fürs Büro: Business-Qigong. Damit ist er nicht allein - auch für Yoga oder etwa Tai Chi gibt es schon solche "Business"-Abwandlungen.

Die Akzeptanz ist gestiegen

Im Büroalltag Stress abzubauen ist nicht immer einfach. Doch ob kurze „Business-Varianten“ von Yoga oder Qigong helfen, ist zumindest fraglich.
Im Büroalltag Stress abzubauen ist nicht immer einfach. Doch ob kurze „Business-Varianten“ von Yoga oder Qigong helfen, ist zumindest fraglich.
Foto: dpa

Inzwischen zählten große Firmen und Dax-Konzerne zu seinen Kunden, erzählt Cheung. Die asiatischen Techniken seien in der Geschäftswelt angekommen. Das sieht auch Professor Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung so. Vor zehn Jahren hätten in den deutschen Unternehmen viele über Yoga oder Qigong im Büro noch den Kopf geschüttelt. "Die Akzeptanz ist inzwischen gestiegen."

Mit Esoterik habe das nichts zu tun, versichert Cheung. Solche Übungen seien auch etwas für Berufstätige ohne "Räucherstäbchen-Mentalität".

Und sie funktionierten ohne viel Aufwand. Berufstätige könnten die Übungen am Schreibtisch machen - sogar im Anzug. "Die Krawatte sollte man vielleicht ablegen."

Ein paar Minuten reichen, sagt Cheung. Zum Beispiel für eine Runde Finger-Qigong: Die eine Hand formt ein "Victory"-Zeichen, Daumen und Zeigefinger der anderen ein "O". Dann so schnell wie möglich wechseln - das soll die Koordination verbessern. "Das können Sie jederzeit dazwischenschieben." Oder Büromitarbeiter schießen ein paar Energiepfeile gegen den Stress ab: Dazu spannen sie in Gedanken einen Bogen. Daumen und Zeigefinger der linken Hand bilden ein "L", die rechte Hand eine Faust. Jetzt die Arme auseinanderziehen und so den Bogen spannen. Solche Übungen helfen, Verspannungen zu lösen, aber auch Stress abzubauen und so einem Burnout vorzubeugen, sagt Cheung.

Energieschub durch den Bürogruß

Einen Energieschub soll auch der "Bürogruß" bringen, den Katja Sterzenbach in ihrem Buch "Business Yoga" beschreibt. Er geht ähnlich wie der Sonnengruß aus dem Yoga, nur im Sitzen. Die Hände wie zum Gebet vor die Brust heben, langsam ein- und ausatmen, beim fünften Einatmen die Arme nach oben ausstrecken. Beim Ausatmen vorbeugen, die Hände gehen zum Boden. Dann beim Einatmen einen Arm senkrecht nach oben heben, während der andere am Boden bleibt - und umgekehrt. Zum Schluss noch einmal beide Arme heben und zurück zum Anfang.

Der Sportmediziner Professor Ingo Froböse sieht das Entspannen im Turbogang aber eher skeptisch. Berufstätige dürften keinen allzu tiefen Effekt von solchen Fünf-Minuten-Übungen erwarten. "Wenn man das so reinquetscht, das ist es nicht", sagt Froböse, der am Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln tätig ist. "Solche Übungen brauchen Raum, Zeit und Muße." Er sieht in den Business-Entspannungstechniken vor allem eine Modeerscheinung. Früher machte man Büro-Gymnastik - heute eben Business-Yoga. "Bürogymnastik klingt natürlich nicht so schick", sagt Froböse. Inhaltlich sei beides aber oft nicht viel anders.

Gerade die Idee, Yoga-Übungen zu machen, ohne sich auf den Hintergrund einzulassen, sieht Froböse kritisch. "Das ist dann nur ein bisschen Gymnastik, und das war's." Zugegeben, es mag esoterisch klingen, dass Energie durch das "dritte Auge" auf der Stirn fließt. Aber ohne diese Bilder ist Yoga vielleicht kein Yoga mehr.

Probieren, was gut tut

Froböse rät daher, Yoga oder ähnliche Techniken erst richtig zu lernen, bevor man die Kurzformen fürs Büro ausprobiert. "Nur dann macht das Sinn." Es gebe außerdem keine Methode, die bei allen wirkt, ergänzt Windemuth. Der eine entspanne eher, indem er sich bewegt - der andere, indem er meditiert. Beschäftigte müssten daher ausprobieren, was ihnen guttut. Und damit es mit der "Acht-Minuten-Energiedusche" klappt, müssten sie erst lernen, auch so schnell abschalten zu können. Das dauere ein bis zwei Monate.

Sind Berufstätige dann tatsächlich so weit, bleibt immer noch eine Hemmschwelle: Im Großraumbüro Bäume zu umarmen oder einen Sonnengruß zu vollführen, sieht auf den ersten Blick einfach etwas peinlich aus. Solche Übungen am Schreibtisch zu machen, dürfte daher am ehesten funktionieren, wenn die Kollegen mitmachen.

Niemand entspannt, wenn das Telefon klingelt

Ohnehin sei es aber besser, in einen anderen Raum zu gehen, wo mehr Ruhe ist, meint Froböse. Schließlich könne niemand entspannen, wenn er ständig damit rechnen muss, dass das Telefon klingelt oder ein Kollege kommt. Außerdem helfe ein Wechsel der Umgebung beim Abschalten, erklärt Windemuth. Denn der Schreibtisch sei mit dem Gedanken ans Arbeiten verknüpft.

Bei Awai Cheung scheint das Business-Qigong jedenfalls zu wirken: Er versprüht jede Menge Energie. Dass manche seine Übungen lustig finden, stört ihn keineswegs. Im Gegenteil: Es sei sogar wichtig, das Ganze mit Humor zu nehmen, erklärt er. Schließlich lockere es die Stimmung auf. (dpa)

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Quelle: Onmeda

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