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17. September 2013

Pille oder Therapie?: Wenn Frauen die Lust auf Sex verlieren

 Von Eva Fiedler
Frisch verliebt läuft's auch im Bett. Doch Studien zeigen: Dauert die Beziehung länger, nimmt die Häufigkeit ab, in der Partner Sex haben.  Foto: dpa-tmn

Haben Männer Probleme beim Sex, ist die Lösung meistens leicht: Vielen hilft Viagra. Bei Frauen ist es komplizierter, wenn sie nicht können. Dennoch gibt es Möglichkeiten, etwas gegen die fehlende Lust zu unternehmen. Und an einer Pille wird ebenfalls geforscht.

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Wenn im Bett nichts mehr läuft, ist das bei Männern in der Regel ein organisches Problem, sie haben eine Erektionsstörung. So simpel liegen die Dinge bei Frauen nicht. Frauen haben oft keinen oder kaum noch Sex, weil ihnen die Lust abhandengekommen ist. Rund 30 Prozent der Frauen leiden unter einer solchen Störung der sexuellen Erregung, haben Wissenschaftler ausgemacht. Zehn bis 15 Prozent der Frauen belastet diese Lustlosigkeit psychisch und setzt sie unter Druck.

Dennoch sprechen nur wenige Frauen ihr Problem an. Selbst beim Frauenarzt bringen viele das Thema nicht zur Sprache, zeigt etwa eine Studie des Magdeburger Frauenarztes Hans-Joachim Ahrendt. Bei einer gemeinsamen Untersuchung mit Kollegen, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Sexuologie, fand der Gynäkologe heraus, dass zwar sechs von zehn Frauen über Probleme in Zusammenhang mit ihrer Sexualität berichten. Von sich aus zum Thema machten Frauen diese Probleme jedoch nur, wenn es zum Beispiel um Schmerzen oder Blutungen beim Geschlechtsverkehr ging. Über fehlende Lust auf Sex sprachen die Frauen in der Regel erst, wenn der Arzt danach fragte.

Viele Gründe für fehlendes Verlangen

„In der Sexualforschung ist mangelndes Begehren, eine Störung der sexuellen Erregung, bei Frauen das größte Problem“, bestätigt auch Aglaja Valentina Stirn, Professorin für Sexualmedizin an der Universität Kiel. Die Wissenschaftlerin bemerkt jedoch, dass immer mehr Frauen sich trauen, eine Sexualtherapie aufzusuchen.

Fehlt das sexuelle Verlangen, kann das ganz verschiedene Ursachen haben: So kann die Lust in extremen Belastungssituationen zum Erliegen kommen. Oder die Gründe liegen in der Vergangenheit, in traumatischen oder Missbrauchserfahrungen. Daneben kommen körperliche Ursachen infrage. Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes können die Einnahme von Medikamenten erforderlich machen, die die Libido unterdrücken können. Auch biologisch lässt sich die geringere Lust von Frauen begründen: „Für Männer ist es wichtig, sich fortzupflanzen. Für Frauen ist es wichtig, sich zu schützen und die Kinder großzuziehen“, erklärt Stirn.

Beleiterscheinung einer längern Beziehung

Viagra ist seit 15 Jahren auf dem Markt. Ein ähnlich erfolgreiches Medikament für Frauen gibt es noch nicht.
Viagra ist seit 15 Jahren auf dem Markt. Ein ähnlich erfolgreiches Medikament für Frauen gibt es noch nicht.
 Foto: AP/dpa

In vielen Fällen ist das nachlassende Verlangen jedoch ganz simpel die Begleiterscheinung einer längeren Beziehung. „Mehrere Studien haben bewiesen, dass die Häufigkeit abnimmt, in der die Partner Sex haben, je länger die Beziehung dauert“, erklärt die Sexualwissenschaftlerin. Deshalb laute eine grundsätzliche Frage, die sich eine Frau stellen sollte, die unter sexuellen Problemen leidet: Wie empfinde ich meine Sexualität und warum macht sie mir keinen Spaß?

Je nachdem, ob es ein Problem der Frau oder ein Partnerschaftsproblem ist, gibt es unterschiedliche Therapieansätze. Ein wirksames Medikament, vergleichbar mit Viagra für den Mann, gibt es bislang nicht, auch wenn Pharmaunternehmen nur allzu gerne mit einer Lustpille für Frauen Milliarden verdienen würden. Doch ein Präparat für das weibliche Geschlecht muss mehr können als Viagra. Die blaue Pille regt die Durchblutung an und führt so zu einer Erektion. Der Lustkick für die Frau muss auch im Gehirn ausgelöst werden.

Pille soll Motivation für Sex steigern

Möglicherweise hat Adriaan Tuiten ein solches Medikament erfunden. Der Biochemiker lässt gerade die beiden Pillen Lybrido und Lybridos in den USA testen, die er mit seinem Unternehmen Emotional Brain in Amsterdam entwickelt hat. Tuiten geht davon aus, dass die Unlust bei Frauen auf zwei unterschiedliche Arten entstehen kann. Entweder das Gehirn reagiert nicht auf sexuelle Reize, oder die Frau ist durch verschiedene Ursachen zu gehemmt, um lustvollen Sex zu genießen. „Meine Pillen liefern eine Kombination. Sie erregen, und sie steigern die Motivation für Sex“, erklärte Tuiten vor kurzem im Schweizer Sonntagsblick.

Noch steht die Entscheidung aus, ob die Lustpille für die Frau eine Marktzulassung bekommt. Erfinder Tuiten rechnet 2016 damit. „Ein Medikament wie Lybrido kann Frauen helfen, Blockaden abzubauen und das Verlangen zu steigern“, sagt auch Sexualwissenschaftlerin Stirn. „Sind allerdings Konflikte in der Partnerschaft der Grund für die Flaute im Bett, hilft auch keine Pille weiter, dann ist eher eine Paartherapie angesagt.“

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