Prokrastination lautet der Fachbegriff für krankhaftes Aufschieben. Er bezeichnet eine tiefgreifende Arbeitsstörung, die Studenten, Schüler oder Berufstätige gleichermaßen treffen kann. Nicht wenige Studenten zum Beispiel haben mit dem krankhaften Aufschieben Probleme. Für Seminararbeiten, Prüfungen und Abschlussarbeiten müssen sie oft über längere Zeit ein gewaltiges Lernpensum absolvieren. Da fällt es manch einem schwer, überhaupt damit anzufangen.
„Kaum jemand sagt von sich, dass er rechtzeitig mit einer Aufgabe anfängt. Die meisten beginnen mit dem Lernen etwas später als geplant. Zu den wirklich chronischen Aufschiebern zählen wir etwa sieben bis 15 Prozent der Studenten“, sagt Margarita Engberding, die Psychologin leitet an der Uni Münster eine Prokrastianations-Ambulanz und forscht zu dem Thema.
Die Folge des Prokrastinierens: Die relativ unangenehme, schwierige Lerntätigkeit wird immer wieder vertagt. Einfachere, nicht unbedingt angenehme Ersatztätigkeiten werden vorgezogen, etwa saubermachen, Kleinigkeiten besorgen, oder im Netz surfen. Betroffenen bekommen ihre Seminararbeiten oder Aufträge nur knapp oder gar nicht in der vorgegebenen Zeit fertig.
Eine Ursache kann sein, dass sich der Aufschieber aus Angst vor einem Versagen so sehr unter Druck setzt, dass er erst gar nicht anfängt. In schlimmen Fällen wirkt sich das Aufschieben fatal auf den weiteren Lebensweg aus, wenn etwa das Studium nicht abgeschlossen wird und wichtige persönliche Ziele auf der Strecke bleiben. Unter dem Stress und der Unzufriedenheit der Betroffenen leiden häufig auch deren Beziehungen. „Studenten mit Prokrastination haben darüberhinaus ein deutlich höheres Risiko für Depressionen“, sagt Engberding.
In anderen Fällen ist eine psychische Störung, wie eine Depression, eine Angststörung oder eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aber gerade Ursache für Prokrastination. Um zu testen, welche Problematik bei einer Person vorherrscht, bietet die Prokrationations-Ambulanz der Universität Münster online und anonym einen Selbsttest an.
Allgemein helfen gegen das Aufschieben feste Rituale. Denn Routine erleichtert den Einstieg in die Arbeit. Um Rituale zu etablieren, können Betroffene für ein bislang aufgeschobenes Projekt eine tägliche Arbeitseinheit bestimmen, an der sie pünktliches Beginnen und realistisches Planen regelrecht einüben. (ef)
Wie das gelingen kann, lesen Sie in den acht Tipps gegen das Aufschieben.
Cool bleiben in Prüfungssituationen
Einiges aus dem Sportbereich lässt sich gut auf andere stressige Situationen übertragen. Wie ein Sportler sich mit mentalem Training auf einen Wettkampf vorbereitet, kann man sich fit machen für eine Prüfung oder ein Vorstellungsgespräch. „Malen Sie sich den optimalen Verlauf der Situation aus und notieren Sie ihn, wie eine Art Drehbuch. In diesem Drehbuch markieren Sie wichtige Knotenpunkte, die Sie sich gut merken können. Diesen Ablauf laufen Sie mehrfach in Gedanken ab. Hangeln Sie sich dabei von Knotenpunkt zu Knotenpunkt, bis sich der Ablauf automatisiert hat“, erklärt Korinna Ruthemann.
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