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10. Januar 2013

Heilbronner Skandalarzt : Schutz vor zwielichtigen Ärzten

Ein besserer Informationsaustausch soll Fälle wie den des niederländischen Skandalarztes vermeiden.  Foto: dpa

Der Fall des Skandalarztes von Heilbronn schreckt Patienten auf. Bereits vorher gab es vergleichbare Skandale. Das Rezept dagegen: Ein besserer Info-Austausch in ganz Europa. Es sieht allerdings nicht so aus, als ob dies schnell gelingt. Und gegen betrügerisch falsche Ärzte dürfte der Austausch auch wenig helfen.

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Im Bauch eines Patienten vergaßen die Mediziner im niedersächsischen Leer ein 35 mal 40 Zentimeter großes Tuch. Elf Monate später starb der 67-Jährige qualvoll an den Folgen. Der verantwortliche Arzt, ein Niederländer, wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Dann wechselte der Mediziner zurück in seine Heimat. Bei Magenoperationen sterben mehrere Menschen. Später praktizierte er im Sauerland weiter. Der Fall flog im vergangenen Februar auf - zehn Monate vor dem niederländischen Skandalarzt in Heilbronn. Warum scheinen die Behörden gegenüber solchen gefährlichen Ärzten blind?

In beiden Fällen hatten sich die Mediziner wohl aus dem niederländischen Ärzteregister streichen lassen. Gegen den in Heilbronn geschassten Doktor läuft einer der größten Medizinprozesse der Geschichte der Niederlande. 21 Straftaten legen die Ermittler dem 67-Jährigen zur Last - darunter Körperverletzung mit Todesfolge.

Der Mann durfte hierzulande weitermachen, nachdem er sich 2006 aus dem Register in seiner Heimat streichen ließ. Noch am 13. Dezember 2005 ging sein Diplom bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe ein. Nach einigen weiteren Schriftwechseln mit einer Sozietät bekam er auch die Anerkennung als Neurologe.

Schwarze Schafe besser erkennen

Ein Mann, der beide Fällen kennt, ist der Europaabgeordnete, Gesundheitspolitiker und Arzt Peter Liese. Denn beide Skandal-Mediziner arbeiteten in seinem Wahlkreis. Im Abstand von zehn Monaten forderte er mehr grenzüberschreitende Informationen über Ärzte zum Schutz von Patienten.

Die SLK-Kliniken Heilbronn haben Anfang Januar 2013 einen in den Niederlanden wegen Körperverletzung angeklagten Arzt entlassen.
Die SLK-Kliniken Heilbronn haben Anfang Januar 2013 einen in den Niederlanden wegen Körperverletzung angeklagten Arzt entlassen.
Foto: dpa

Ohne ausländische Ärzte kommen vor allem die ländlichen Kliniken in Deutschland längst nicht mehr aus. Die Zahl der gemeldeten ausländischen Mediziner ist laut Bundesärztekammer vergangenes Jahr um 3039 auf 28.355 gestiegen. Bislang sorgten sie vor allem wegen als zu gering kritisierter Sprachkenntnisse für Schlagzeilen. An der Qualifikation der ausländischen Ärzte hat etwa der Verband der Krankenhausdirektoren generell nichts auszusetzen - doch wie kann man schwarze Schafe besser erkennen?

Nun hoffen alle auf Europa

Immer mehr Ärzte arbeiten nicht mehr jahrelang in einer Klinik oder an einer Praxis und haben dort entsprechend einen Ruf zu verlieren - sondern sie ziehen fast wie die mittelalterlichen Wanderärzte von Einsatzort zu Einsatzort. Doch die Honorarärzte wollen sich nicht an den Pranger stellen lassen. Gerade ihr Bundesverband mahnt immer wieder an, dass die ärztlichen Approbationen und Zeugnisse überprüfbar sein müssten. Die 17 zuständigen Landesärztekammern in Deutschland seien aber nicht in der Lage zu ausreichender Kommunikation, so der Verband.

Nun hoffen alle auf Europa - nicht nur der Europaparlamentarier Liese. Der CDU-Politiker betont, das Europaparlament habe bereits Ende des Jahres einem Kommissionsvorschlag über einen neuen Vorwarnmechanismus zugestimmt. Auch Rudolf Henke, der Chef der Ärzteorganisation Marburger Bund, sagt: „Bisher ist der Informationsaustausch zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten und auch zwischen den Behörden im Inland noch sehr unterentwickelt.“ Er forderte die rasche Umsetzung des entsprechenden Vorschlags der EU-Kommission: Die EU-Staaten sollen andere Staaten vorwarnen, wenn ein auffällig gewordener Arzt die Zulassung in einem Land verliert.

Möchtegern-Ärzte mit krimineller Energie

Hierzulande können die Kassenärztlichen Vereinigungen einem Arzt die Zulassung entziehen. Im Bundeszentralregister wird der Entzug einer Approbation zentral erfasst.
Doch dann gibt es auch immer wieder Fälle, in denen es Möchtegern-Ärzte mit krimineller Energie in die Patientenversorgung schaffen: So wurde im Herbst bekannt, dass ein falscher Arzt ohne gültiges Diplom jahrelang auch in Marburg und in Magdeburg gearbeitet haben soll. Schlagzeilen aus den Vorjahren: „Arzt nach fünf Jahren Arbeit ohne Approbation vor Landgericht Coburg“, „Falscher Arzt arbeitete jahrelang in Drogentherapie in Kelkheim“, „Friseur praktiziert fast 20 Jahre als Arzt in Bayern“. Gegen solche Gefahren für Patienten hilft auch ein Informationssystem über entzogene Zulassungen wohl wenig. (dpa)

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Quelle: Onmeda

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