Wollen Frauen mit Hilfe der Temperaturmethode verhüten, sollten sie sich dafür ein paar Wochen Zeit nehmen. Am besten beobachten sie ihre Temperatur zunächst über drei Zyklen. So lange dauere es, bis Frauen Unregelmäßigkeiten und Muster bei ihrer Körpertemperatur einordnen könnten, erklärte Jutta Pliefke, Gynäkologin bei profamilia.
Möchten Frauen nicht schwanger werden, müssen sie während dieser Probephase zusätzlich verhüten, beispielsweise mit Kondomen. Oft sähen sich Frauen mit Ende 20 nach einer natürlichen Form der Verhütung um: „Die meisten haben dann etwa zehn Jahre lang die Pille genommen und wollen sie absetzen“, erklärt Pliefke.
Körpertemperatur um 0,5 Grad erhöht
Bei der Temperaturmethode gibt die Körperwärme Auskunft über die fruchtbaren beziehungsweise unfruchtbaren Tage. Am besten messen Frauen ihre Temperatur einmal am Tag, idealerweise nach dem Aufstehen. „Es muss aber nicht immer zur gleichen Zeit gemessen werden“, erklärte Pliefke. Schwierig sei das zum Beispiel für Frauen, die im Schichtdienst arbeiteten oder viel unterwegs sind. Um den Eisprung herum ist die Körpertemperatur an drei aufeinanderfolgenden Tagen um 0,5 Grad erhöht. Diese Beobachtung hilft Frauen dabei, den Beginn der unfruchtbaren Zeit nach dem Eisprung festzulegen.
Stress, Erkrankungen oder der Wechsel zwischen Zeitzonen können zwar ebenfalls die Temperatur in die Höhe treiben: „Dann würde sie aber stärker ansteigen.“ Frauen lernten sehr schnell zu unterscheiden, ob der Eisprung die höhere Temperatur auslöse oder etwas anderes.
Apps errechnen die fruchtbaren Tage
Für ein vollständiges Bild sollten sich Frauen aber nicht nur auf ihre Körpertemperatur verlassen. Eine weitere Variable sei der sogenannte Zervixschleim, der am Gebärmutterhals gebildet wird: „Kurz vor dem Eisprung ist er klarer und flüssiger“, sagte Pliefke. Meist bemerkten Frauen diese Veränderung ganz von selbst beim Gang auf die Toilette.
Am einfachsten sei es, die Temperaturwerte und die Veränderungen beim Zervixschleim regelmäßig in eine Tabelle einzutragen. Alternativ funktioniere das auch mit Apps oder spezieller Software. Diese errechneten dann automatisch die fruchtbaren Tage. Kompliziert zu erlernen ist die Methode laut Pliefke nicht. „Der Nachteil ist: Ich muss mich mit meinem Körper beschäftigen und an den fruchtbaren Tagen diszipliniert zusätzlich verhüten“, erklärte die Frauenärztin. Ein Vorteil sei, dass kein Rezept vom Frauenarzt nötig ist. (dpa)
Einen Überblick über die unterschiedlichen Verhütungsmethoden und ihre Sicherheit bekommen Sie in der Bildergalerie.
Was besagt der Pearl-Index?
Die Sicherheit, durch Geschlechtsverkehr unter Anwendung von Verhütungsmethoden nicht schwanger zu werden, kann man nach der Formel von Raymond Pearl, dem sogenannten Pearl-Index, beurteilen. Nach dieser Formel berechnet man die Zahl der ungewollten Schwangerschaften unter Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode. Ein Pearl-Index von 1 bedeutet zum Beispiel, dass eine von 100 Frauen mit der gewählten Methode innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger geworden ist.
Es gilt also: Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer die Methode. Wir zeigen die Verhütungsmethoden im Überblick.
Foto: dpaNachrichten zu Ernährung, Psychologie und Sexualität
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