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29. November 2012

Welt-Aids-Tag 2012: „Wie sagst du, dass du HIV hast?“

Vor 25 Jahren wurde bei Hans Aids diagnostiziert. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Aids-Hilfe Frankfurt ist er in einem Projekt für Jungpositive tätig. Foto: dapd

Der medizinische Fortschritt hat Aids in den letzten Jahren den Schrecken genommen. Viele Menschen in Deutschland werden mit der Krankheit alt. Doch wie akzeptiert sind HIV-Positive? Ein Betroffener erzählt von seinem Leben und der ständigen Angst vor Zurückweisung.

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Mit einer Lüge zu leben oder zu verheimlichen, „dass ich HIV positiv bin, das ist das Schlimmste“, sagt Hans aus Frankfurt. „Stell dir vor, du hast ein Vorstellungsgespräch. Sagst du es?“, fragt der Mann mit den markanten Gesichtszügen. „Und wenn du vier, fünf Jahre keinen Sex hattest und dann kannst du mit jemanden in die Kiste - sagst du, dass du positiv bist?“ Die Angst vor Zurückweisung begleitet den 52-Jährigen seit 25 Jahren, jeden Tag. Damals wurde er im Betrieb bei einem regulären Gesundheitscheck HIV positiv getestet. Heute will er aufklären und sich immer mehr von der Last des Schweigens befreien.

Hans ist einer von sechs Menschen, die seit dem 26. November von ihrem Leben mit HIV auf Frankfurts Straßen berichten. Im Audio-Projekt „Stimmen der Stadt“ von der Aids-Hilfe wurden sie dafür interviewt. Diese Interviews werden zehn Tage lang, rund um den Welt-Aids-Tag 1.Dezember, über Lautsprecher in Frankfurt abgespielt. Sie können auch im Internet heruntergeladen werden.

„Menschen mit HIV eine Stimme geben“

Bei dem Projekt sprechen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen. Eine heterosexuelle Frau und ein schwuler Rechtsanwalt genauso wie ein Rentner oder ein Mann, der lange Zeit Drogen nahm. „Wir wollten den Menschen mit HIV eine Stimme geben“, erklärt Thorsten Berschuk, Leiter des Projektes. Denn durch den medizinischen Fortschritt und die Aufklärung über Verhütung sei es in den letzten Jahren „leiser um Aids geworden“.

Im Gegensatz zur medizinischen Behandlung hätten sich die Ängste der Betroffenen seit der Entdeckung von HIV in den 1980er Jahren nur wenig geändert, sagt Hans, der heute junge Infizierte unter 30 Jahren berät. Die Stigmatisierungen zögen sich in alle Lebensbereiche.

Bis vor einem Jahr hätten HIV-Positive nicht einmal in die USA reisen dürfen, gibt er als Beispiel an. „Manche haben ihre tausend Pillen in Vitaminkapseln umgefüllt und auf Formularen alles verheimlicht“, berichtet Hans. Er jedoch konnte das nicht. Mittlerweile hätten sich aber die Einreisebestimmungen geändert.

Nebenwirkungen der täglichen Medikamente

Zudem spricht Hans mit Schulklassen über sein Leben mit dem HI-Virus. „Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich“, betont er. Wenn er jedoch in einer Schulklasse diejenigen auffordere, aufzustehen, die vor dem Sex mit ihrem Partner über Aids sprechen, seien das meist nur zwei bis drei Schüler.

„Auch jeder Erwachsene kennt das, wenn einem vor dem Sex die Pferde durchgehen“, sagt Hans. Trotzdem müsse man sich der Gefahr bewusst sein. Von wem er sich damals angesteckt hat, wisse er nicht. „Ich hatte Pech“, fügt er hinzu.

Vier oder fünf Jahre nach der Infektion sei bei ihm Aids ausgebrochen. Davon habe sich sein Körper nie wieder vollkommen erholt. Heute lebt er von einer kleinen Rente und arbeitet ehrenamtlich bei der Aids-Hilfe. „Nach drei Stunden Arbeit muss ich mich oft hinlegen“, sagt er. Auch die Nebenwirkungen der täglichen Medikamente, wie Durchfall und Schwächeanfälle, machten ihm zu schaffen.

Allein diese Beschwerden seien schon „enorm“, sagt er eindringlich. Daher hofft Hans durch seine Offenheit oder in Gesprächen mit Schülern gesellschaftlich etwas bewegen zu können. „Wenn jeder Positive einfach sagen könnte, dass er positiv ist, dann wäre uns eine große Last genommen.“ (dapd/dpa/ef)

HIV und Aids

Das Humane Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für die unheilbare Krankheit Aids. Es wird heute vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen. Das Virus ist sehr wandlungsfähig. Viele Tests für einen Impfstoff sind bisher gescheitert.

Der Erreger legt bestimmte Immunzellen lahm. Deshalb kann das Abwehrsystem des Körpers Krankheitserreger nicht mehr wirkungsvoll bekämpfen. An sich harmlose Infektionen können zur tödlichen Bedrohung werden.

Nach einer erkannten HIV-Infektion lassen sich Ausbruch und Symptome von Aids in Industrieländern heute mit verschiedenen Medikamenten bekämpfen. Sie verhindern die Vermehrung des Erregers im Blut, können ihn aber nicht aus dem Körper entfernen. Lebensqualität und Lebenserwartung von Patienten sind durch diese Therapien deutlich gestiegen. Da es die Medikamente aber erst seit rund 15 Jahren gibt, können Forscher Langzeiterfolgen noch nicht einschätzen.

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Quelle: Onmeda

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