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08. Dezember 2011

Anästhesie: Neue Narkose-Methoden machen OPs sicherer

Die Risiken einer Operation sind durch neue Narkose-Methoden geringer geworden.  Foto: dpa

Insbesondere für Patienten ab 65 Jahren birgt eine Operation Risiken, weil bei älteren Menschen oft Begleiterkrankungen wie Herzprobleme oder Krebs hinzukommen. Neue Narkose-Methoden versprechen mehr Sicherheit und seltener Spätfolgen.

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 „Die Anästhesie hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht“, sagte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Uniklinikum Münster, Prof. Hugo Van Aken. „Dabei geht es vor allem um die Patienten im Alter über 65 Jahren.“ Bei dieser Gruppe müssten Ärzte häufiger Begleiterkrankungen wie Herzprobleme, Bluthochdruck und Krebs mit einkalkulieren. In Münster findet bis Samstag das 43. Münsteraner Anästhesie-Symposium unter dem Motto „Zwischen Notfall und Routine“ statt.

„Die Anästhesie hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht“, sagte Prof. Hugo Van Aken vom Uniklinikum Münster.
„Die Anästhesie hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht“, sagte Prof. Hugo Van Aken vom Uniklinikum Münster.
Foto: dpa

Eine reine Narkose habe diesen Patienten immer besonders zu schaffen gemacht, sagte Van Aken. Die für die Narkose verwendeten Opiate hemmten das Immunsystem dabei, gestreute Krebszellen zu bekämpfen. „Bei jeder OP kommen Tumorzellen in die Blutbahn.“ Abhilfe könne eine Kombination von Narkose und Regionalanästhesie schaffen, etwa in Form der sogenannten Periduralanästhesie am Rückenmark. „Wir können die Menge der Opiate um 95 Prozent senken.“

Die Narkose diene dann fast nur noch der Herstellung eines schlafähnlichen Zustands, kaum mehr der Schmerzbekämpfung während des Eingriffs, so Van Aken. „Wir schalten den Schmerz mit dem Katheter in Rückenmarksnähe besser aus.“ Der Operierte erlebe das Aufwachen nicht mehr so unangenehm und habe langfristig eine bessere Lebenserwartung.

„Der Patient kann am Tag der OP abends schon wieder essen. Wir haben eine verbesserte Lungenfunktion. Es gibt auch weniger Herzprobleme. Extrem wichtig: Das Immunsystem funktioniert postoperativ besser.“

Van Aken empfiehlt die neue Methode für OPs „im Bauchbereich, am Herzen, an der Lunge“. Von jährlich 9,5 Millionen Operationen in Deutschland wären demnach etwa 500.000 Eingriffe mit der Kombination machbar. An Universitätskliniken sei dies schon gängige Praxis.

Risiken durch Gerinnungsprobleme

„Es ist aber sehr arbeitsintensiv, viel Weiterbildung ist nötig, bei Ärzten und Pflegekräften. Unverzichtbar sind auch schriftlich fixierte Arbeitsanweisungen. Es gibt viele Kliniken, die diese Rahmenbedingungen nicht bereitstellen können.“ Auch die Risiken der neuen Methode verschweigt der Professor nicht. „Statistisch erleiden von 100.000 Patienten etwa vier einen Nervenschaden, etwa zwei davon sind danach auf einen Rollstuhl angewiesen.“ Ursache sind fast immer Gerinnungsprobleme, die zu einem Bluterguss im Wirbelkanal führen.

Um alle Vorteile der Periduralanästhesie zu nutzen, muss der Katheter noch mehrere Tage im Körper bleiben. In der Zeit sei eine engmaschige Kontrolle durch speziell dafür geschultes Pflegepersonal unerlässlich. Van Aken: „Wenn man die Regeln strikt einhält, kann man die Risiken der Methode minimieren und die Vorteile überwiegen."

Die häufigsten Fragen, die Patienten vor einer Operation stellen und die Antworten der Anästhesisten lesen Sie in der Bildergalerie oben.

(dpa)

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Quelle: Onmeda

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