Wenn Kinder über Bauchschmerzen klagen, und das immer wieder, stellen sich Eltern oft viele Fragen: Steckt dahinter eine ernsthafte Erkrankung? Verträgt das Kind das Essen nicht? Und ist es wirklich der Bauch, der weh tut? Nach Angaben von Burkhard Rodeck von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin findet sich bei bis zu 90 Prozent der Kinder mit Bauchschmerzen keine ernste körperliche Ursache. „Die Kunst ist es, die 10 Prozent heraus zu fischen, die wirklich etwas haben und dringend behandelt werden müssen“, sagt Rodeck, der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Marienhospitals in Osnabrück ist.
Die Mediziner unterscheiden bei Bauchschmerzen zwischen akuten und chronischen Beschwerden. Akute Schmerzen etwa durch eine Blinddarmentzündung seien oft so stark, dass die Eltern meist schnell einen Arzt aufsuchen. Von chronischen Schmerzen spricht man laut Rodeck, wenn sie mindestens einmal die Woche über einen Zeitraum von zwei Monaten auftreten.
1. Fett macht Fett
Das stimmt so nicht. Der Körper braucht sogar einen gewissen Anteil an Fett. Rund 30 Prozent aller Kalorien sollen aus fetthaltigen Lebensmitteln kommen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Im Schnitt etwa 70 bis 80 Gramm Fett am Tag. Isst man mehr Fette, werden diese im Körper abgelagert. Außerdem kommt es darauf an, welche Fette wir zu uns nehmen. Gesund sind ungesättigte Fettsäuren. Sie stecken zum Beispiel in Oliven oder Walnüssen. Auch Fette aus Fischen sind gesund. Tückisch, weil besonders ungesund, sind dagegen die versteckten Fette in Wurst oder Kuchen.
Foto: dpaDie Ärzte suchen und fragen dann nach weiteren Symptomen, die in Zusammenhang mit dem Bauchweh stehen könnten. „Hellhörig macht uns beispielsweise, wenn ein Kind immer wieder exakt den gleichen Punkt nennt, von dem die Schmerzen ausgehen, oder wenn es in den vergangenen Wochen und Monaten nicht an Gewicht zugenommen hat“, sagt Prof. Michael Melter, Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung. „Wenn ein Kind nachts deswegen aufwacht, ist das ein Alarmzeichen für ein organisches Problem, und auch, wenn es das Spielen unterbricht durch die Schmerzen.“
Kommen weitere Symptome wie Fieber, Durchfälle oder Erbrechen hinzu, so liegen laut Melter Hinweise auf eine Entzündung vor. Ist Blut im Stuhl oder Urin aufgefallen, so müsse abgeklärt werden, wo dieses herstammt. „Wir fragen oft auch nach der familiären Geschichte, ob beispielsweise funktionelle Beschwerden wie ein Reizdarm oder -magen, Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln, chronische Darmerkrankungen oder Ähnliches vorkommen.“
Auslöser von akuten Schmerzen können laut Rodeck unter anderem eine Blinddarmentzündung sein, eine Magen-Darm-Infektion, und - vor allem bei kleinen Kindern - eine Einstülpung des Darms, Invagination genannt. Aber auch Infektionen an Nieren und Harnwegen oder eine Lungenentzündung können sich durch Schmerzen im Bauch äußern. Bei chronischen Beschwerden könne durch Tests geklärt werden, ob etwa Laktose, Fruchtzucker oder Gluten nicht vertragen werden.
„Gar nicht so selten sind Kinder auch einfach nur verstopft, wenn sie mit akuten Bauchschmerzen in die Praxis kommen“, sagt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln. Können die Kleinen im Gespräch zum Beispiel gar nicht sagen, wann sie zum letzten Mal Stuhlgang hatten, so gebe er ihnen vor der weiteren Diagnostik etwas zum Abführen.
Sind alle organischen Ursachen ausgeschlossen und klagt das Kind trotzdem noch über Beschwerden, sollten auch diese ernst genommen werden. Möglicherweise steckten dahinter psychische Probleme wie Angst vor der Schule, sagt Melter. Dann sei die wichtigste Maßnahme, zu lernen, mit diesem Schmerz und den Ängsten umzugehen. (dpa/tmn)
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