Zu wenig zu tun oder einfach unterfordert: Der Begriff „Boreout“ beschreibt das Phänomen.
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Zu wenig zu tun oder einfach unterfordert: Der Begriff „Boreout“ beschreibt das Phänomen.
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Burnout, die Krankheit der Top-Manager und Stars kennt jeder. Weniger prominent ist das Kontrast-Phänomen: das Boreout-Syndrom. Boreout kommt von boredom (Langeweile). Doch zuzugeben, im Job nichts zu tun zu haben, ist fast noch ein größeres Tabu.
E-Mails sortieren, Aktenstapel von rechts nach links räumen, wahllos in Dokumenten herumtippen - Geschäftigkeit vorzutäuschen, ist harte Arbeit. So hart, dass sie auslaugen kann. Im schlimmsten Fall bis zum Boreout, dem Syndrom der Unterforderten. „Unsere Gesellschaft ist gewissermaßen geteilt: Burnout haben die Erfolgreichen. Die bekommen das ganze Interesse“, sagt der Psychotherapeut Wolfgang Merkle aus Frankfurt. „Menschen mit Boreout werden weniger beachtet, obwohl sie fast die gleichen Symptome haben.“
Boreout kann sich laut Merkle durch Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder die Unfähigkeit, das Leben zu genießen, bemerkbar machen. „Das ist oft zuerst so ein dumpfes Empfinden im Hintergrund, dass irgendetwas falsch läuft“, erläutert er. Auch unter körperlichen Symptomen könnten Betroffene leiden, zum Beispiel Magenbeschwerden, Schwindel, Tinnitus oder Kopfschmerzen. Der Unterschied zum Burnout sei, dass die Erschöpfung durch den Stress der Unterforderung, nicht der Überforderung verursacht wird.
Fehlende Anerkennung und Unterforderung
Unterstress entstehe durch zu wenige und falsche Aufgaben. Diese Fehlbelastung veranschaulicht Merkle so: „Das ist, als müsste ein sehr guter Schachspieler immer nur Mühle und Dame spielen.“ Die Diskrepanz zwischen dem, was man kann, und dem, was abgefragt wird, ergibt in Kombination mit fehlender Anerkennung puren Stress.
Zehn Hinweise, dass Sie an Boreout leiden
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Zehn Hinweise, dass Sie an Boreout leiden
2. Fühlen Sie sich unterfordert oder gelangweilt?
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3. Tun Sie ab und zu so, als ob Sie arbeiten würden – haben tatsächlich aber gar nichts zu tun?
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4. Sind Sie am Abend müde und erschöpft – obwohl Sie gar keinen Stress hatten?
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5. Sind Sie mit Ihrer Arbeit eher unglücklich?
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6. Vermissen Sie den Sinn in Ihrer Arbeit, die tiefere Bedeutung?
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7. Könnten Sie Ihre Arbeit eigentlich schneller erledigen, als Sie dies tun?
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8. Würden Sie gerne etwas anderes arbeiten, scheuen sich aber vor dem Wechsel, weil Sie dabei zu wenig verdienen würden?
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9. Verschicken Sie während der Arbeit private E-Mails an Kollegen?
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10. Interessiert Sie Ihre Arbeit nicht oder wenig?
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Wenn Sie vier oder mehr der zehn folgenden Fragen mit Ja beantworten, leiden Sie am Boreout-Syndrom oder sind auf dem Weg dahin.
1. Erledigen Sie private Dinge während der Arbeit?
Quelle: Philippe Rothlin, Peter Werder: Diagnose Boreout. Warum Unterforderung im Job krank macht, Redline Wirtschaftsverlag, 2007, 17,90 Euro
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Als Beispiel für einen Boreout-Fall schildert der Schweizer Unternehmensberater und Buchautor Peter Werder eine typische Erlebniskette: Ein Bewerber erwartet von seinem neuen Job aufgrund der Ausschreibung und des Bewerbungsgesprächs eine Position als Projektleiter mit internationaler Erfahrung. „Am Schreibtisch stellt sich aber heraus, dass Sie nicht die Projektleitung haben, sondern nur eine Unterabteilung leiten, und dass Sie auch nur manchmal ein bisschen Englisch sprechen müssen.“ Er ist quantitativ und qualitativ unterfordert. Am Anfang ist das nicht schlecht, die freie Zeit bei der Arbeit genießt er sogar und gewöhnt sich daran. „Aber man ist eben unterfordert. Und die eigentliche Schwierigkeit ist, zu realisieren, dass das der Grund ist, warum man am Abend müde ist.“
Auch ein Arbeitnehmer, der immer nur Teilaufgaben erledigen muss, könne an Boreout erkranken, ergänzt Jörg Feldmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Denn aus psychologischer Sicht sei es langfristig wichtig, auch mal Erfolgserlebnisse zu haben und Dinge abzuschließen.
Nichtstun wird mit Aktionismus kaschiert
Qualitative und quantitative Unterforderung gehen laut Werder miteinander einher. „Ohne eine quantitative Unterforderung müsste man ja schließlich keine Verhaltensstrategien anwenden.“ Und die gehören zum Boreout dazu. Mit Verhaltensstrategien meint er den Aktionismus der Betroffenen, der das Nichtstun kaschieren soll. Eine davon sei paradoxerweise die Burnout-Strategie, bei der Boreout-Geplagte ihr Problem gewissermaßen ins Gegenteil umkehren und von früh bis spät im Büro sind, um Überlastung zu simulieren. Es stimmt daher nicht, dass Betroffene einfach nur faul sind. „Absoluter Blödsinn“, sagt Werder
zu solchen Vorwürfen. „Wer Boreout hat, will ja arbeiten und leidet darunter, dass er es nicht kann.“ Laut Merkle trifft es daher in der Regel sogar eher die Leistungsbereiten.
Tipps: Stress erkennen und vermeiden
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Tipps: Stress erkennen und vermeiden
2. Adlerperspektive einnehmen
Es hilft, mit Adlerblick das eigene Leben zu betrachten. Das schaffe in der Regel eine gesunde Distanz. „Dann kann man sich fragen, was man denn eigentlich im Leben erreichen will“, rät die Psychologin. Allerdings sollte das nicht wieder an einen Leistungsgedanken gekoppelt sein.
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3. Quelle des Leistungsdrucks finden
„Wichtig ist, sich zu fragen, wo die Quelle für den empfundenen Leistungsdruck liegt“, sagt Karriereberaterin Svenja Hofert. Dann gelte es nach Lösungsansätzen zu suchen. „Dann muss man sich überlegen, ob man tatsächlich den Job wechselt, man muss seine eigenen Werte hinterfragen oder sich entscheiden, nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen.“
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4. Scheuklappen anlegen
Einig sind sich die Psychologen, dass der Mensch nur begrenzt belastbar ist. „Es ist ein frommer Wunsch, aber eine Entschleunigung des Lebens täte unserer angstmotivierten Gesellschaft sehr gut“, sagt Werner Gross. Der Psychologe rät Stressgeplagten, sich positive Scheuklappen anzulegen und nicht jedem Hasen nachzujagen. Doch auch der Fachmann weiß, dass das in der Praxis gar nicht so leicht ist.
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5. Indiz für Überforderung
„Ein klares Indiz für Überforderung ist, wenn man nicht einschlafen kann, nachts aufwacht oder zu früh aufwacht“, sagt der Psychologe Werner Gross. Da sei es wichtig, sich Ruhepausen zu schaffen. Bei manchen reiche es schon aus, vorübergehend das Handy auszuschalten.
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6. Sport treiben
Wer nach der Arbeit eine Runde joggt oder Walken geht, hat schon viel gewonnen. „Den körperlichen Prozessen ist oft schon mit Sport beizukommen, um erstmal die Stresshormone abzubauen“, sagt Karriereexpertin Claudia Schmeink.
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7. Hilfe vom Profi
Bekommt man seinen Stress selbst nicht in den Griff, sollte man sich nicht scheuen, Experten um Rat zu bitten. Langfristig sei es aber oft sinnvoll, mit professioneller Hilfe Einstellungsänderungen zu entwickeln, rät auch Psychologin Claudia Schmeink.
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1. Eigenes Handeln hinterfragen
Stress zu vermeiden, das ist natürlich leichter gesagt als getan. „Es sind ja oft die eigenen Glaubenssätze, die man meist schon als Kind mitbekommen hat, die einen zur Leistung anleiten“, gibt Psychologin Claudia Schmeink zu bedenken. Sie rät dazu, die „Antreiber“ des eigenen Handelns zu erkunden und zu hinterfragen. „Warum glaube ich, das eine oder andere schaffen zu müssen? Wie wichtig ist es mir wirklich und warum?“
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Bemerken Arbeitnehmer, dass ihr Büroalltag in diese Richtung driftet, sollten sie möglichst früh das Zepter in die Hand nehmen, rät Merkle. Eine Lösung könne Teilzeitarbeit sein, ergänzt Werder. Wer sich unterfordert fühlt, sollte den Chef darauf ansprechen, dass die eigene Stelle eigentlich keine volle, sondern nur eine 80-Prozent-Stelle ist. „Das kann durchaus eine Lösung sein.“ Zwar gibt es dann weniger Geld, aber im Büro ist man ausgelastet, und die freie Zeit kann man woanders sinnvoller verstreichen lassen.
Bis zur Erschöpfungsdepression
Ist die Erschöpfungsdepression schon eingetreten, sollten Betroffene die Symptome ihrem Hausarzt schildern, rät Merkle. Der schicke ihn wahrscheinlich zu einem Facharzt für psychosomatische Medizin. „Das kann mit ein bis zwei Gesprächen pro Woche schon geklärt werden.“ In einigen Fällen könne aber auch der beste Therapeut nichts mehr retten: „Manchmal hilft nur die Kündigung.“
Langweilt der Job nur hin und wieder oder sind Sie bereits vom Boreout-Syndrom betroffen? Zehn Hinweise darauf finden Sie in unserer Bildergalerie oben.
Depression: Zehn Fragen und Antworten
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Depression: Zehn Fragen und Antworten
2. Was sind die Symptome?
Zu den Kernanzeichen zählen eine gedrückte, depressive Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit sowie mangelnder Antrieb und erhöhte Müdigkeit. Dazu kommen mindestens zwei weitere Krankheitszeichen wie Schuldgefühle, Suizidgedanken, Appetitlosigkeit und Konzentrations- oder Schlafstörungen.
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3. Wie wird eine Depression diagnostiziert?
Den medizinischen Leitlinien für unipolare Depressionen zufolge müssen mindestens zwei Wochen lang zwei, bei einer schweren Episode drei dieser Hauptsymptome auftreten, damit die Diagnose gestellt werden kann.
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4. Was sind häufige Ursachen?
Als Ursachen für Depressionen macht die Wissenschaft ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren aus, das bei jedem Betroffenen anders ist. So könnten zum Beispiel Schicksalsschläge wie der Verlust einer wichtigen Bezugsperson oder Vereinsamung eine Rolle spielen, erläutert Prof. Frank Schneider von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde.
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5. Kann auch Stress eine Depression verursachen?
Ja. Erfolglose Strategien, Stress zu bewältigen, oder eine emotionale Instabilität sind mögliche Faktoren für eine Depression.
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6. Muss eine Depression immer behandelt werden?
„Eine Depression hat verschiedene Phasen", sagt Psychiatrie-Professor Frank Schneider. Sie kann einmalig oder mehrfach auftreten, mal stärker, mal weniger stark. Danach richtet sich auch die Behandlung. Bei leichten depressiven Episoden steht „aktives beobachtendes Abwarten“, eventuell mit unterstützenden Gesprächen, an erster Stelle.
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7. Wann ist eine Therapie nötig?
Eine Psychotherapie komme infrage bei einer leichten bis mittelschweren Depression ohne Selbstgefährdung - und wenn der Betroffene Medikamente ablehnt oder sonst etwas dagegen spricht.
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8. Wann geht es nicht ohne Medikamente?
Reicht eine Psychotherapie allein nicht aus oder ist die Depression mittelschwer, schwer oder chronisch, sind Antidepressiva angezeigt - eventuell in Kombination mit einer Psychotherapie.
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9. Wie häufig treten Depressionen auf?
Die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, liegt durchschnittlich bei acht Prozent. Wer einen Depressiven in der Familie hat, ist mehr gefährdet als andere. Und doch gibt es einige Faktoren, die davor schützen können.
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10. Was schützt vor einer Depression?
Eine dauerhafte, gute Beziehung zu mindestens einer Bezugsperson und ein intaktes familiäres Umfeld können ein Schutz sein. Kontaktfreudigkeit und weniger Überlastung senken ebenfalls das Risiko, an einer Depression zu erkranken.
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1. Was genau ist eine Depression?
Jedenfalls nicht „das Traurigsein, das Bedrücktsein, das wir aus dem Alltag kennen“, sagt Prof. Ulrich Hegerl. Und auch nicht die Melancholie oder Herbstdepression. Der Mediziner von der Universität Leipzig beschreibt die Krankheit vielmehr als „hässlichen, kalten Zustand“, verbunden mit dem Gefühl, dass „die Luft raus“ ist. Dazu zeigt er das Bild eines aufblasbaren Plastikkrokodils, das schlaff am Boden liegt.
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