Deutsche Frauenärzte wollen an der Verschreibungspflicht der „Pille danach“ in Deutschland festhalten und warnen vor einer Freigabe, wie es sie in Großbritannien gibt. „Ihre Verabreichung erfordert unbedingt eine ärztliche Einschätzung und Begleitung“, erklärte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), Christian Albring. Die in dem Mittel enthaltenen Steroidhormone seien keine beliebigen Pharmaka. Die Dosis des Hormons Levonorgestrel sei bei der Notfall-Pille 15 Mal höher als bei der Antibabypille. Das kann zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit führen.
In Großbritannien wird zurzeit heftig über die kostenlose Zusendung der „Pille danach“ debattiert. Zur Sicherheit sollten sich Frauen für die Weihnachtszeit mit der Pille eindecken, rät die staatliche Schwangerschaftsberatung BPAS auf ihrer Internetseite, wo das Medikament bestellt werden kann.
BPAS, die für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS Abtreibungen vornimmt, hatte vor kurzem in Großbritannien eine Werbekampagne gestartet. Auf der Webseite santacomes.org („Der Weihnachtsmann kommt“) können Frauen die Pille mittels eines Online-Formulars bestellen. Danach ruft eine Krankenschwester zurück - vor allem um Unter-16-Jährige zu identifizieren.
Spricht nichts dagegen, verschickt BPAS ein Paket mit Kondomen, einer Info-Broschüre und der Pille Levonelle. Sie soll bis zu 72 Stunden nach ungeschütztem Sex einen Eisprung oder die Einnistung verhindern. Die Notfall-Pille ist in Großbritannien nicht verschreibungspflichtig, kostet in Drogerien aber etwa 30 Euro.
Im Januar mehr ungewollte Schwangerschaften
Kritik wies der britische Gesundheitsdienst zurück. „Es ist eine Tatsache, dass wir im Januar mehr Frauen mit einer ungewollten Schwangerschaft erleben als zu jeder anderen Jahreszeit.“ Da außerdem über die Feiertage Apotheken und Drogerien geschlossen seien, sei es nützlich, die „Pille danach“ vorrätig zu haben.
Allerdings hat sich das Angebot als so beliebt herausgestellt, dass BPAS kurz nach dem Freischalten der Seite verkünden musste, mit dem Verschicken bis Weihnachten womöglich nicht mehr hinterherzukommen.
In Deutschland sprechen sich die Frauenärzte in ihrem Berufsverband dafür aus, die „Pille danach“ nicht freizugeben. Laut Verbandspräsident Christian Albring könnten Mädchen und Frauen nicht einschätzen, ob und wann sie die „Pille danach“ einnehmen müssen. Mehr als 50 Prozent der Betroffenen bräuchten das Medikament gar nicht.
(dpa)
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