Aktuell: Museumsuferfest Frankfurt | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Gesundheit
Welche Gesundheitstipps helfen wirklich? Infos zu Krankheiten und Symptomen sowie zu den Themen gesunde Ernährung, Psychologie und Sexualität

10. April 2014

Parkinson: Wenn das Hirn den Müll nicht mehr trennt

 Von 
Viele Parkinsonpatienten nehmen durch ihre Krankheit eine starre, verkrampfte Haltung ein.  Foto: Getty Images/Science Photo Libra

Die Forschung macht viele Fortschritte – doch die Ursachen von Morbus Parkinson sind immer noch nicht vollständig geklärt.

Drucken per Mail

Salvador Dali litt darunter, Theodor Roosevelt, Mao Tse-tung und Leonid Breschnew. Stars wie der Schauspieler Michael J. Fox und der Boxer Muhammad Ali nutzen ihre Prominenz, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken: Morbus Parkinson ist keine unbekannte Erkrankung – und schon gar keine seltene. 250.000 bis 400.000 Menschen sind Schätzungen zufolge in Deutschland betroffen, von den 80-Jährigen leiden etwa ein Prozent darunter, sagt Professor Rüdiger Hilker-Roggendorf, leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie am Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie des Universitätsklinikums Frankfurt.

Trotzdem dauert es häufig lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird, denn im Anfangsstadium sind die Symptome dieser langsam fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankung oft unspezifisch. Erste Anzeichen können zum Beispiel Verstimmungen oder eine mangelnde Lust auf Neues sein. Da viele Patienten im Alter zwischen 50 und 60 erkranken, könne würden die Beschwerden das leicht nicht selten auf Veränderungen in diesem Lebensabschnitt geschoben werden, erklärt der Mediziner: „Das ist für viele eine Umbruchphase, wo der Eintritt in die Rente naht.“

Andere leiden unter Muskelverspannungen oder Schulterbeschwerden, ein sehr frühes Zeichen kann auch sein, dass ein Arm beim Gehen weniger mitschwingt als der andere. „Solche Patienten gehen dann oft erst zum Orthopäden“, sagt Hilker-Roggendorf. Selbst das so typische Zittern wird zuweilen nicht gleich richtig zugeordnet.

Parkinson ist gekennzeichnet von einer Vielzahl von Symptomen, die allerdings nicht alle gemeinsam bei einem Patienten auftreten: Die wichtigsten sind verlangsamte, auch oft unkoordinierte Bewegungen bis hin zur Starre, das Zittern in Ruhe (daher der frühere Name Schüttellähmung), eine Steifheit der Muskeln sowie Gang- und Gleichgewichtsstörungen. Oft verkleinere sich zudem die Schrift, die Stimme werde leiser und ausdrucksloser, erläutert Rüdiger Hilker-Roggendorf. Manche Menschen können die Blase nicht mehr richtig kontrollieren, manche haben Probleme mit der Verdauung, andere schwitzen leicht, wieder andere schlafen schlecht. Als psychische Probleme kommen bei etwa der Hälfte der Parkinsonkranken Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit hinzu, die schließlich auch in eine Depression münden können.

Viele dieser Symptome sind auf den für Parkinson kennzeichnenden Mangel an Dopamin zurückzuführen – jenem Botenstoff, der dafür sorgt, dass wir uns flexibel bewegen und schnell reagieren können, der aber auch unsere Motivation anstößt und, Freude sowie positive Gefühle vermittelt. Bereits beim normalen Altern geht die Produktion an Dopamin zurück, allerdings bei weitem nicht in dem Maße wie bei Parkinson: Dort hat der Mangel mit dem Absterben der Dopamin produzierenden Nervenzellen in der (aufgrund von Melanineinlagerungen) schwarzen Substanz, der Substantia nigra, im Mittelhirn zu tun, wie Professor Jochen Roeper, Leiter des Instituts für Neurophysiologie an der Uniklinik Frankfurt, erklärt. Außerdem kommt es bei Parkinson – ähnlich wie bei Alzheimer – zu Ablagerungen von verklumptem Eiweiß im Gehirn.

Der Wissenschaftler veranschaulicht: „Das muss man sich wie beim Mülltrennen vorstellen. Normalerweise gibt es da eine Maschine, die Proteine abbaut. Alle Proteine bekommen ein Etikett und werden anschließend zerlegt. Aus diesen Bausteinen fertigen die Zellen dann wieder neue Proteine. Dieser Prozess ist bei Parkinson gestört.“ Daher finden sich in den Nervenzellen im Gehirn häufig sogenannte Lewy-Körperchen, Proteinklumpen, die unter anderem das Eiweiß alpha-Synuclein bestehenenthalten; die Protein-Einschlusskörperchen treten auch bei einer Variante der Alzheimer-Demenz auf.

Nicht nur wegen solcher Parallelen haben viele Parkinsonkranke große Angst vor Demenz; leider nicht ganz unbegründet, wie Rüdiger Hilker-Roggendorf einräumt. Allerdings treten solche kognitive Störungen oft erst nach Jahrzehnten, im Spätstadium der Krankheit, auf. „Es ist wichtig darüber offen zu sprechen. Man sollte da kein Tabu aufbauen“, sagt Jochen Roeper.

MRT vom Gehirn eines Parkinsonpatienten.  Foto: Getty Images/Science Photo Libra

Die Forschung mache große Fortschritte, gleichwohl sei vieles im Zusammenhang mit der Ursache des Morbus Parkinson immer noch nicht geklärt, erklärt der Neurophysiologe. So treten die allermeisten Krankheitsfälle denn ohne genau erkennbare Ursache auf. Genetische Veranlagungen könnten eine Rolle spielen, allerdings sind bestimmte, auf eins einzelnes verändertes Gen (zum Beispiel alpha-synuclein) zurückzuführende Parkinson-Varianten sehr selten, aber für das Verständnis der Krankheitsentstehung um so wichtiger, so Professor Roeper.

1 von 2
Nächste Seite »

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten zu Ernährung, Psychologie und Sexualität


Selbsttest
BMI-Rechner

Errechnen Sie Ihren Body-Mass-Index!

Ihr Gewicht (in kg)
Ihre Körpergröße (in cm)
Alter (in Jahren)

Anzeige