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27. Juni 2012

Psychopharmaka: Der Schritt in die Sucht ist klein

Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind medikamentenabhängig.  Foto: dpa

Psychopharmaka bergen das Risiko einer Abhängigkeit. Eine Studie zeigt, gerade Frauen werden diese Medikamente mit Suchtpotenzial verschrieben, etwa gegen Depressionen und Schlafstörungen. Welche Fragen Betroffene mit ihrem Arzt klären sollten. 

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Vor allem Frauen bekommen zu häufig Medikamente gegen Depressionen und Schlafstörungen verschrieben, so die Einschätzung von Experten. Laut dem aktuellen Arzneimittelreport der Krankenkasse Barmer GEK erhalten Frauen zwei- bis dreimal mehr Psychopharmaka als Männer. Tranquilizer, Antidepressiva und Schlafmittel würden Frauen in einer Menge verordnet, die auf Dauer zu erheblichen unerwünschten Wirkungen führen könne, so Gerd Glaeske, Autor der Studie.

Der Gesundheitsforscher geht davon aus, dass rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland abhängig sind von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Zwei Drittel dieser Gruppe sind ältere Frauen. Ein Grund für die häufigeren Verschreibungen von Psychopharmaka an Frauen liegt Glaeske zufolge auch darin begründet, dass diese öfter einen Arzt aufsuchen.

Körper gewöhnt sich schnell an Psychopharmaka

Mediziner verschreiben offenbar schnell Medikamente, die auf die Psyche wirken, wenn Patientinnen über Schlafstörungen, Unruhe oder Ängste klagen. Das ist problematisch, denn der Schritt in die Sucht ist bei diesen Medikamenten oft nur klein. Rüdiger Holzbach, Experte für Medikamentenabhängigkeit, erklärt, was man über Psychopharmaka wissen muss und welche Fragen Patienten ihrem Arzt stellen sollten.

Ärzte verschreiben Frauen viel häufiger Psychopharmaka als Männern.
Ärzte verschreiben Frauen viel häufiger Psychopharmaka als Männern.
Foto: dpa

Die Wirkung von Psychopharmaka
Der Körper gewöhnt sich schnell an Psychopharmaka etwa der Gattung Benzodiazepin und Non-Benzodiazepin. Beide wirken an derselben Stelle im Gehirn und können abhängig machen. Der erhoffte Effekt - mehr Ruhe, weniger Angst - nutze sich rasch ab. Nach einigen Wochen seien die alten Symptome wieder da, erklärt Holzbach. Setzt der Patient das Medikament dann ab, steuert der Körper gegen, und die Symptome fallen noch heftiger aus. Der Patient nimmt das Medikament daraufhin wieder. „Das führt zu einer Langzeiteinnahme“, sagt Holzbach.

Sucht wird oft nicht erkannt
„Nur ein kleiner Teil der Betroffenen entwickelt eine Abhängigkeit im engeren Sinne“, erläutert er. Dabei steigt die benötigte Dosis immer weiter an. Die meisten anderen, vor allem den Patientinnen in der zweiten Lebenshälfte, seien sehr therapietreu und hielten sich lange Zeit an die verordnete Menge. „Der Arzt sieht das Problem nicht, die Betroffenen sind ja nicht süchtig, denn sie steigern die Dosis nicht.“

Veränderungen verlaufen unauffällig
Schleichende Veränderungen wie Teilnahmslosigkeit, weniger körperliche Spannkraft und nachlassende Konzentrationsfähigkeit seien unauffällig. „Sie werden nicht als typische Nebenwirkungen des Medikaments erkannt, sondern als typische Alterungsprozesse abgetan.“

Über Nebenwirkungen informieren
„Patienten sollten ihren Arzt immer fragen, welche Nebenwirkung ein Medikament macht, egal welches es ist“, sagt der Mediziner von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). „Bei Medikamenten, deren psychische Wirkung schnell eintritt, besteht immer das Risiko einer Abhängigkeit.“ Im Beipackzettel sei diese Nebenwirkung stets erwähnt. Patienten sollten ihn daher aufmerksam lesen. Zu Psychopharmaka zählen etwa Schlafmittel, Tranquilizer und Antidepressiva.

Wer für ein Schlaf- oder Beruhigungsmittel vom Arzt kein Kassenrezept bekommt, sollte nachfragen.
Wer für ein Schlaf- oder Beruhigungsmittel vom Arzt kein Kassenrezept bekommt, sollte nachfragen.
Foto: dpa

Bei Privatrezepten hellhörig werden
Der Arzneimittelreport der Barmer  GEK kritisiert, dass immer mehr der Arzneimittel mit Abhängigkeitspotenzial auf Privatrezept verordnet werden, die gesetzlich Versicherten sie also selbst zahlen müssen. Passiert ihnen das, sollten Patienten hellhörig werden, rät auch der Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt. Denn Privatrezepte sind der Kontrolle der Krankenkassen und Ärztekammern entzogen und können dadurch eine Suchtentwicklung kaschieren. Holzbach empfiehlt daher, den Arzt zu fragen: „Warum kann ich das nicht als Kassenleistung bekommen?“ Wer immer wieder Medikamente privat verordne, habe offenbar Angst, dass die Krankenkasse nicht sinnvolle Verschreibungen entdeckt.

Lebenssituation hinterfragen
Um einer Sucht vorzubeugen, empfiehlt Holzbach Arzt und Patient außerdem, sich bei Symptomen wie Schlafstörungen und Ängsten immer zu fragen: „Reichen Medikamente als Lösung allein aus?“ Das sei zwar manchmal der Fall. „Aber bei ganz vielen seelischen Nöten geht es auch darum, die Lebenssituation zu verändern, um wieder besser zurecht zukommen.“

Therapie kann helfen
Helfen kann zum Beispiel auch eine Psychotherapie. Allerdings sei die gesellschaftliche Hemmschwelle dafür immer noch recht hoch. „Es werden lieber Tabletten eingenommen, als sich mit der eigenen Lebenssituation auseinanderzusetzen“, kritisiert der Mediziner. (dpa)

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Quelle: Onmeda

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