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18. März 2014

Therapie Krebs: Zerstören und heilen mit Hitze

 Von 
Professor Thomas Vogl entfernt einer Pstientin eine Metastase in der Leber mit dem Verfahren.  Foto: christoph boeckheler*

Eine präzise Sonde eröffnet neue Methoden zur Entfernung von Tumoren. Damit kann nicht mehr nur die Oberfläche beschädigt werden, sondern das schadhafte Gewebe kann komplett mit Hitze zerstört werden.

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Wenn alles optimal läuft, gilt die Patientin als geheilt – obwohl ihr Krebs bereits gestreut hatte. Ein Darmtumor war bei ihr entdeckt und zunächst erfolgreich operiert worden. Doch dann hatte der Krebs doch gestreut, in die Leber – ein häufiger Ort für Absiedelungen des Darmkrebses. Eine bedrohliche Entwicklung, denn Metastasen in der Leber sind bei 20 bis 30 Prozent der Tumorerkrankungen die Todesursache, erklärt Professor Thomas Vogl, Spezialist am Universitätsklinikum Frankfurt. An dem von ihm geleiteten Institut für Interventionelle und Diagnostische Radiologie ist jetzt ein neues Verfahren entwickelt worden, das Patienten mit solchen bösartigen Tochtergeschwülsten – aber auch mit Primärtumoren – Hoffnung auf ein längeres Überleben macht. Gestern bekam die Patientin auf diese Weise eine Lebermetastase entfernt.

Weitere Informationen

Im Deutschen Filmmuseum Frankfurt, Schaumainkai 41, gibt es am Mittwoch, 19. März, eine Informationsveranstaltung zum Stellenwert bildgebender Techniken. Dabei werden neue Verfahren in einem Überblick vorgestellt. Beginn ist um 18 Uhr.

Bei dieser minimalinvasiven Methode werden die Tumore mit Hitze zerstört; das ist an sich nicht neu, denn bereits Hippokrates wusste um die heilsame Wirkung hoher Temperaturen. Mit dem neuen Verfahren am Frankfurter Universitätsklinikum kann der Strahl nun aber im Computertomograph dreidimensional abgebildet und vor allem sehr präzise gesteuert werden. Das Ziel ist es, das schadhafte Gewebe komplett zu „verkochen“ und nicht nur seine Oberfläche zu zerstören; das wäre kontraproduktiv und würde den Tumor eher „reizen“, sagt Professor Vogl.

Um diesen Effekt zu erzielen, gibt es zwei Möglichkeiten: einmal die Radiofrequenzablation, die auf die örtliche Anwendung von hochfrequentem Strom setzt. Dabei werden sehr hohe Temperaturen erzeugt, die bösartige Zellen effektiv zerstören, insbesondere Tumore der Leber; primäre ebenso wie Metastasen anderer Krebsherde.

Die Eingriffe sind minimalinvasiv

Der zweite Weg ist die Mikrowellenablation. Diese funktioniert, indem die Mikrowellentechnik Wassermoleküle stimuliert. Deren kinetische Reibung wiederum erzeugt thermische Energie, die den Tumor verbrennt. Mikrowellen bieten gegenüber der Radiofrequenzablation einige Vorteile, erklärt der Experte: So könnten damit höhere Temperaturen erreicht werden, während das Risiko von Hautverbrennungen gleichzeitig geringer ist. Außerdem dauert die Behandlung kürzer. Beiden Eingriffen ist gemein, dass sie minimalinvasiv sind, da die Hitzeenergie durch kleinste Einstichsonden in den Körper gelangt.

Die Mediziner am Universitätsklinikum Frankfurt arbeiten bei ihrem neuen Verfahren seit drei Monaten mit Sonden, in die Mikroelektronik integriert wurde. Auf diese Weise, erklärt Professor Vogl, könne die Abgabe der Energie durch die Sondenantenne viel präziser gesteuert werden als früher. Das macht der Arzt an einer Konsole, die jenen ähnelt, die man auch von Computerspielen kann. Zusätzlich habe ein neuartiges Kühlsystem die Methode weiter verbessert.

Für die Patientin mit den aus dem Darm gestreuten Lebermetastasen beginnt die Behandlung damit, dass ihr Tumor zunächst im Computertomograph dargestellt wird. „So können wir die Nadel ganz gezielt setzen und sie punktgenau einfahren“, erläutert der Mediziner. Während des gesamten Eingriffs von etwa 15 Minuten wird das Geschehen online überwacht: „Es ist, als wollte man bildlich gesprochen einen Flammenwerfer mit einer Wärmebildkamera steuert“, veranschaulicht es Professor Vogel.

Durch die Hitze weitet sich das kranke Gewebe aus und ändert seine Dichte – ein Prozess, der mit dem Computertomograph messbar ist und für dem Arzt auf dreidimensionalen Bildern sichtbar gemacht wird. Ziel ist es, im Tumor eine Nekrose zu erzeugen, also seine Zellen zum Absterben zu bringen.

Die Patienten sind während der gesamten Zeit wach und ansprechbar, denn sie bekommen nur eine lokale Betäubung, die meisten können bereits nach etwa zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Weil die verwendeten Sonden sehr dünn sind, bleiben zudem keine großen Narben zurück.

Komplikationen seien bei diesem minimalinvasiven Eingriff selten, versichert Professor Vogl. Probleme könne es geben, wenn der Arzt ein Gefäß treffe und es zu Blutungen komme. Für solche Fälle befänden sich ein Chirurg und ein Anästhesist immer im „Stand by-Modus“, sagt Vogl.

Die Spezialisten beraten über die Therapiemethode – der Patient darf entscheiden

Die Patientin, die sich eine ihrer beiden Lebermetastasen auf gestern entfernen ließ (die zweite soll demnächst behandelt werden) hat sich für diese Therapie bewusst entschieden, nachdem die Tumorspezialisten der Frankfurter Uniklinik sie ihr empfohlen hatten. Grundsätzlich gibt es auch noch andere Methoden, Metastasen zu Leibe zu rücken: die konventionelle Operation, die Chemotherapie oder die Bestrahlung. Diese Wahlfreiheit, die „individualisierte Medizin“, sei ein großer Vorteil der Behandlung in Deutschland, sagt Thomas Vogl. „Dass die Patienten mitentscheiden können und nicht nur das annehmen müssen, was die Spezialisten vorschlagen“ sei in anderen – auch europäischen Ländern – keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

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