Dass Prominente wie der langjährige Schalke-Manager Rudi Assauer mit ihrer Krankheit an die Öffentlichkeit gehen, schärft das Bewusstsein für die Volkskrankheit Alzheimer, die häufigste Form von Demenz. Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind von dem Gedächtnisverlust betroffen und die Zahl wird stark ansteigen. Mit drei Millionen Alzheimer-Patienten rechnet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft im Jahr 2050. Denn trotz weltweiter Forschung ist die Gehirnerkrankung bisher nicht heilbar.
Die einzige Chance, der Krankheit etwas entgegenzusetzen, besteht bislang in einer möglichst frühen Diagnose. „Wir möchten den diesjährigen Welt-Alzheimer-Tag gezielt nutzen, um den Menschen die Angst vor dem Arztbesuch zu nehmen. Denn eine frühzeitige Diagnose sichert Lebensqualität“, sagt deshalb Christine Kerzel, Sprecherin der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI). Doch bei welchen Anzeichen sollten mögliche Betroffene oder Angehörige aufmerken? Beim Verlegen des Autoschlüssels oder wenn man einen Vornamen vergisst?
Zeigt das Gedächtnis im Alltag Lücken, muss dahinter nicht zwangsläufig eine Erkrankung stecken. „Beteiligen sich Angehörige nicht mehr an Gesprächen, nehmen Termine nicht mehr wahr oder haben sie Schwierigkeiten, die richtigen Wörter zu finden, können das aber erste Anzeichen für eine Demenz wie Alzheimer sein“, sagte Prof. Jörg Schulz, Direktor der Neurologischen Klinik an der Universität Aachen. Um dies abzuklären, ist zunächst der Hausarzt die richtige Adresse. Steht die Diagnose fest, müssen Angehörige lernen, mit dem Erkrankten anders umzugehen.
Nur ein Arzt könne aber die einzelnen Bausteine richtig zu einer Diagnose zusammensetzen, erläuterte Schulz. Wichtig ist auch, die Demenz gegen andere Erkrankungen abzugrenzen. Denn einige der Symptome wie Antriebslosigkeit können auch Folge einer Depression sein. Für weitere Tests überweist der Hausarzt den Patienten an einen Neurologen oder Psychiater.
Hat ein Arzt eine Alzheimererkrankung diagnostiziert, wissen davon in der Regel erst einmal nur der Betroffene und der engere Familienkreis. Ist die Krankheit noch im Anfangsstadium, lassen Angehörige den Betroffenen am besten selbst entscheiden, wem er davon erzählt. „Es wäre gut, wenn er das selbst macht. Denn das Reden hilft ihm dabei, die Krankheit selbst zu begreifen“, sagte Schulz. Allerdings müssten es Angehörige auch hinnehmen, wenn der Erkrankte Freunde und Bekannte nicht informieren möchte.
Jeder Mensch ist anders, deshalb werden auch keine zwei Menschen genau die gleichen Symptome haben. Dennoch gibt es typische Anzeichen, die auf Demenz hindeuten, oder auf Alzheimer, die häufigste Form der Demenz.
1. Vergesslichkeit
Besonders ein abnehmendes Kurzzeitgedächtnis gehört zu den häufigsten Symptomen von Alzheimer-Demenz. Betroffene vergessen Dinge und können sich auch später nicht mehr erinnern. Ist es normal, den Namen des Nachbarn vergessen zu haben, mit dem man nachmittags geplaudert hat, vergessen Alzheimer-Patienten nicht nur den Namen. Sie wissen nicht mehr, dass die Begegnung überhaupt stattgefunden hat.
Foto: dpaIn einem fortgeschrittenen Stadium der Demenz übernehmen das in der Regel die Angehörigen. „Sie sind dann in einer Vertretungsrolle“, erklärte der Neurologe. Oft sei es für die Familie entlastend, anderen von der Krankheit zu erzählen. Sie können sich so ein Netzwerk zur Unterstützung aufbauen. Verstecken lässt sich eine Demenz ohnehin nur schlecht. „Wird nichts gesagt, kommen schnell Gerüchte auf.“
Im alltäglichen Umgang mit dem Erkrankten müssen Angehörige sich umstellen. Offensichtlich falsche Äußerungen oder wirre Verhaltensweisen sollten sie nicht korrigieren. Denn das führe dazu, dass sich der Alzheimerpatient nur noch schlechter fühlt. „Nutzen Sie die Ressourcen, die es noch gibt“, rät Schulz. Das seien in erster Linie Dinge, die der Mensch in jungen Jahren gelernt habe. Sei jemand Schuster oder Bäcker gewesen, könne man ihn in der Küche oder im Haushalt werkeln lassen. Auch in Gesprächen könnten Angehörige versuchen, an diese Dinge anzuknüpfen.
Angehörige verzichten besser auf Fragen nach aktuellen Ereignissen wie „Was hast du denn gestern gegessen?“. Denn diese Dinge geraten bei einer Demenz als Erstes in Vergessenheit. (dpa/ef)
Rudi Assauer (68) machte seine Alzheimer-Erkrankung Anfang 2012 öffentlich. Das Bild zeigt den ehemaligen Fußballmanager im Jahr 2009.
Foto: dpaNachrichten zu Ernährung, Psychologie und Sexualität
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