Die einen knabbern heute Abend an Marzipanschweinchen, andere verschenken vierblättrigen Klee oder silberne Hufeisen; in Spanien stopfen die Menschen um Mitternacht zwölf Trauben in sich rein und Italienerinnen schwören auf rote Unterwäsche in der Neujahrsnacht. Aber alle wollen damit nur eines: das Glück in den kommenden 365 Tagen auf ihrer Seite haben.
Falls nun aber die Marzipanschweinchen ausverkauft sein sollten, keine rote Unterwäsche im Schrank liegt oder der Klee die Blätter schon nach ein paar Stunden hängen lässt – nicht in Panik geraten. Das Glück lässt sich durchaus noch im ganzen nächsten Jahr heraufbeschwören. Man muss nur bei Jan Philip Johl vorbei schauen. In seinem „Glück ist Jetzt“-Laden am Baumweg im Nordend gibt es lauter Dinge, die ein wenig Lachen und Glück in den Alltag bringen sollen.
Es sind Sachen, die Johl selber glücklich machen – und dieses Gefühl will er an andere weitergeben. Etwa mit seinem Glücksetui mit integriertem Glückscent. Oder mit seinem Glücksstempel, der ein „Lächeln“ selbst auf jeden Behördenbrief zaubert. Und nicht zu vergessen mit seiner quietschgelben Glücksblume – die Moosgummi-Blüte, die fast jeder Frankfurter schon mal über eine Fahrradlampe gestülpt gesehen hat.
Magnetische Kronkorken
Aber das ist noch nicht alles. Im Laden will Johl nicht alleine seine eigenen Glückssachen weitergeben – andere glückssuchende Existenzgründer sollen diese Chance auch bekommen. „Jeder soll hier sein Ding machen“, sagt Johl. „Es ist ein Platz, wo man sich ausprobieren kann.“ Denn schließlich habe jeder Ideen oder Hobbys. Nur: Mit den selbstgestalteten Produkten einen eigenen Laden aufmachen, das trauten sich die wenigsten zu. Im „Glück ist Jetzt“ kann man einfach eine Verkaufsbox aus Holz ab 15 Euro im Monat mieten und mit seinen Sachen füllen. „Wäre ja schade, wenn tolle Ideen in der Schublade blieben“, sagt Johl.
Sechs Glückskinder sind nun schon im „Nestwerk“ dabei. So wie Silke. Sie verkauft magnetische Kronkorken mit Sprüchen und Bildern. Oder Heidi, die ihre Bilder anbietet. Aber im „Glück ist Jetzt“ gibt es nicht nur Produkte. „Die Leute sollen auch die Räumlichkeiten nutzen“, sagt Johl. Schließlich wage man gerade mit Dienstleistungen den Schritt nach draußen nicht.
Anders im „Glück ist Jetzt“. Da macht Cornelia Yoga, Silke eine monatliche Tanzparty und seit zwei Monaten serviert Karen samstags Apfelkuchen und Cappuccino. „Sie wollte schon seit zehn Jahren ein Café machen“, erzählt Johl. „Doch als Hauptberuf wäre das nichts gewesen – jetzt macht sie so ihr Ding.“ Und ist dabei glücklich.
"Made in happy..."
Ein Sammelsurium an Tischen steht im Laden bereit. Rund, eckig, aus Holz, Korb, Metall. In Weiß, Blau, Braun. Ein Piano ist an die Wand gerückt. „Einfach eine Art Wohnzimmer“, sagt Johl. In dem sich alle wohl fühlen sollen. Und das Glück soll auch nicht vor Ladenöffnungszeiten Halt machen: Vor dem Eingang stehen Bänke und Stühle, eine Schaukel baumelt am Hofeingang. Johl nennt das die „LachBar“. „Das soll ein Ort zum Verweilen sein“, sagt er. „Wenn jemand ein Picknick da macht und sich darüber freut und lacht, dann freut mich das auch.“
Einmal im Monat dürfen samstags nicht nur die Glückskinder ihre Werke im Laden ausstellen. Dann kann jeder für zehn Euro Teilnahmegebühr beim Designer-Frohmarkt mitmachen und seine Unikate, Kleinserien, Kunst, Bilder, Musik, und auch Dienstleistungen unkonventionell anbieten.
Den Frohmarkt gab es schon zu den Zeiten, als Johl das „Made in happy Germany“ an der Braubachstraße betrieb, in dem er nachhaltige und schräge Produktideen vermarktete. Und zuvor war er bereits sechs Jahre am Baumweg mit seinem „Blümmerling“-Geschäft gewesen – in dem es aber nur seine eigenen Glückskreationen gab. „Ich hab’ mein eigenes Ding gemacht“, sagt Johl. „Nun will ich das ganze mit mehreren tun.“
Der Laden „Glück ist Jetzt“ , im Baumweg 20, hat Montag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr geöffnet, das Saturday Café von 11 bis 18 Uhr. Weitere Infos auf www.glueckistjetzt.de

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