Hanau und Main-Kinzig
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11. Dezember 2012

Ausstellung: Mittelalterliche Müllsünder

 Von Nikolas Sohn
Sogar den Bauzaun gibt es in der Ausstellung. Foto: ROLF OESER

Archäologen zeigen in der Schau "Schätze hinterm Bauzaun", was ihnen in ihrem Grabungsalltag alles so unter die Schippe kommt. Eine spannende und witzige Ausstellung im Steinheimer Schloss.

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Archäologen zeigen in der Schau "Schätze hinterm Bauzaun", was ihnen in ihrem Grabungsalltag alles so unter die Schippe kommt. Eine spannende und witzige Ausstellung im Steinheimer Schloss.

Echte Freiheitsplatz-Erde liegt im ersten Stock des Steinheimer Schlosses. Aus ihr ragt deutlich sichtbar eine Schaufel. Es ist ein kleiner Haufen Abraum, der bei den archäologischen Ausgrabungen der Festungsfundamente aus dem 16. Jahrhundert vor den Toren der Hanauer Altstadt entnommen wurde. „Banal bis spektakulär“, so bezeichnet Archäologin und Ausstellungsleiterin Sabine Hengster die exemplarischen Funde aus fünf Grabungsstellen, die über das Hanauer Stadtgebiet bis nach Mittelbuchen verteilt sind. Zu sehen sind all diese Stücke in der Ausstellung „Schätze hinterm Bauzaun“, die seit Sonntag im Museum für Vor- und Frühgeschichte im Schloss Steinheim gezeigt wird.

Spuren von Leichenbrand

Vielfach gibt es von den Funden weder schriftliche noch bildliche Überlieferungen. „Spektakulär“, sagt Hengster, „das ist die kleine Goldperle und der Bronzeschmuck aus einem spätbronzezeitlichen Urnengrab des 8. Jahrhunderts vor Christus.“ Spuren von Leichenbrand waren in unmittelbarer Nachbarschaft auszumachen. Ein ebenfalls herausragender Fund ist das Skelett einer verkrüppelten Frau von etwa 40 Jahren. Sie starb vermutlich während der Belagerung des Dreißigjährigen Kriegs, um 1635 oder 1636, und wurde ordentlich beerdigt. „Sie hat wohl Hausarbeit verrichtet, darunter Näharbeiten, was man an den Riefen im Gebiss erkennt. Dabei hat sie anstelle des verkümmerten linken Armes ihre Zähne benutzt“, erzählt Hengster.

Banal, so die Museumsleiterin, sei hingegen der Müll aus Gebrauchsgeschirr und Eisenschlacke, der im Graben einer mittelalterlichen Handelsstraße gefunden wurde. „Wie der Müll, der nach dem Besuch eines Fastfood-Restaurants manchmal achtlos beiseite geworfen wird. Der Umstand, dass die Straße gepflastert war, weist auf die Bedeutung Hanaus als einen wichtigen Warenumschlagplatz hin.“ Im Mittelalter lag die Stadt an der vielbefahrenen Handelsroute zwischen Nürnberg und Frankfurt.

Mehr als 300 Fundstellen

In der Regel verschwinden die archäologischen Funde direkt nach ihrer Bergung in den Museumsdepots und sind danach oft nur für Forschungsarbeiten von Interesse. Allein die herausragenden Funde werden in Museen ausgestellt. „Wir wollen der Öffentlichkeit einen Ausschnitt, einen Zwischenstand unseres bisherigen Schaffens präsentieren“, erklärt Sabine Hengster.

Für das Hanauer Stadtgebiet sind mehr als 300 Fundstellen belegt. Sie haben menschliche Zeugnisse von steinzeitlichen Besiedlungsfunden bis hin zu Kellern abgerissener Häusern aus dem 19. Jahrhundert hervorgebracht. In den vergangenen zehn Jahren wurde etwa im Zuge von Bauarbeiten an rund 30 Stellen gegraben, zuletzt großflächig am Hanauer Freiheitsplatz. Die Ausstellung zeigt überdies, mit welchen Arbeitsmitteln und Methoden die Archäologen gearbeitet haben.

Zu sehen ist die Schau bis zum Mai 2013, jeweils donnerstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Es werden regelmäßig Führungen, Kinderaktionen und Vorträge angeboten. Die erste Führung startet am Sonntag, 20. Januar, um 15 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 Euro, ermäßigt die Hälfte. Weitere Informationen: www.museen-hanau.de

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