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12. Dezember 2012

Diakonische Flüchtlingshilfe: Braeunlich-Preis für Wolfgang Bauer

 Von Gregor Haschnik
Pfarrer Wolfgang Bauer (Mitte) unterrichtet an der Ludwig-Geissler-Schule.  Foto: Renate Hoyer

Für seinen Einsatz für Flüchtlinge ist Pfarrer Wolfgang Bauer mit dem Christiane-Braeunlich-Preis der Diakonischen Flüchtlingshilfe ausgezeichnet worden. Der Lehrer der Ludwig-Geißler-Schule hat Schüler im Kampf gegen die Abschiebung unterstützt.

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Fadil Redzic war ein Teenager, als er im Bosnien-Krieg angeschossen wurde. Mehr als ein Jahr lang war er auf der Flucht, auf der vergeblichen Suche nach einem sicheren Unterschlupf. Baker Kironde fürchtete in Uganda um sein Leben. Als Kindersoldat sollte er zum Töten gezwungen werden. Beide flüchteten nach Europa, Redzic Mitte der 90er, Kironde 2001. Sie landeten schließlich in Hanau – wo sie weiterkämpfen mussten. Um das Recht hierzubleiben. Immer wieder drohte ihnen die Abschiebung, ständig hatten sie Angst, zurückkehren zu müssen an die Orte des Grauens in ihrer Heimat. „Es war eine harte Zeit. Die Ungewissheit war immer da“, sagt Redzic. „Ich hatte mir mühsam die deutsche Sprache angeeignet und musste damit rechnen, von einem auf den anderen Tag das Land verlassen zu müssen“, erinnert sich Kironde.

Dass sie nach wie vor in Deutschland sind und sich eine beeindruckende Existenz aufgebaut haben, ist auch ein Verdienst des evangelischen Pfarrers Wolfgang Bauer. Für seinen Einsatz ist Bauer am Montag, am Internationalen Tag der Menschenrechte, mit dem Christiane-Braeunlich-Preis der Diakonischen Flüchtlingshilfe im Main-Kinzig-Kreis ausgezeichnet worden. Seit 2000 verleiht die Flüchtlingshilfe den Preis Bürgern, die sich für Menschenrechte einsetzen.

Bauer, Seelsorger und Religionslehrer an der Ludwig-Geißler-Schule, hat seine Schüler Fadil Redzic, Baker Kironde und andere Flüchtlinge aufgefangen und für ihr Bleiberecht gekämpft: Er sprach mit ihnen über ihre Traumata, begleitete sie zur Ausländerbehörde, demonstrierte für sie, bat Politiker um Hilfe und feilte an Schreiben, in denen er begründete, weshalb seine Schützlinge bleiben sollten. Sein Einsatz hat sich gelohnt. Obwohl sie erst im Teenager-Alter Deutsch lernten, haben Kironde und Redzic erfolgreiche Karrieren gestartet.

Kironde arbeitet heute als Mechatroniker und macht eine Weiterbildung zum Techniker. Redzic ist Diplom-Informatiker und hat eine ausgezeichnete Abschlussarbeit geschrieben. Darin hat er gezeigt, wie man besser prüfen kann, ob Ausweise echt sind.

In seiner Laudatio sagt Willi Hausmann von der Diakonischen Flüchtlingshilfe über Bauer: „Für ihn ist Einfühlungsvermögen kein Fremdwort. Er sieht die Menschen, er blickt ihnen in die Augen.“ Er interessiere sich für das Schicksal von Fremden, gehe auf sie zu und löse Freude bei ihnen aus. Trotz manchem Rückschlag im Kampf für seine Schützlinge, sei Bauer drangeblieben und habe sich oft durchgesetzt.

Preisträger Bauer sieht sein Engagement als Akt der Nächstenliebe: „Und der Nächste ist für mich in erster Linie derjenige, der Hilfe braucht – egal, woher er kommt.“ Ja, er habe eine Brücke für seine Schüler gebaut, ihnen geholfen, in Deutschland anzukommen und bleiben zu dürfen. Sie hätten aber auch eine Brücke für ihn gebaut. „Sie haben mich an ihrem Leben und ihrer Kultur teilhaben lassen. Das empfinde ich als unglaublich bereichernd“, sagt Bauer.

Er hofft, dass die Lebenswege von Redzic und Kironde anderen Flüchtlingen Mut machen. Und dass sie Vorurteile gegenüber Asylsuchenden abbauen: „Von Schülern habe ich schon gehört: ,Die Flüchtlinge haben es nur auf Sozialhilfe abgesehen.’“ Dabei sollte eines klar sein, so Bauer: „Niemand verlässt gern seine Heimat.“ Mehr Verständnis wünscht sich Bauer auch von den Behörden: „Sie sollten nicht vergessen, dass sie über die Schicksale von Menschen entscheiden.“ Oft sei es ein harter Kampf gewesen um das Recht, in Deutschland bleiben und arbeiten zu dürfen. Ein Kampf, der die jungen Flüchtlinge zusätzlich stark belastet habe: „Sie konnten weder ihre Jugend genießen noch ihre schrecklichen Erfahrungen aufarbeiten. Sie standen permanent unter Druck, mussten funktionieren.“

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