Hanau und Main-Kinzig
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12. März 2013

Eisenbahn-Regimenter: Ein Spaziergang mit Folgen

 Von Pamela Dörhöfer
Hobbyforscher Jens Arndt in seinem Arbeitszimmer.  Foto: Rolf Oeser

Jens Arndt hat ein Buch über die Historie der Eisenbahn-Regimenter geschrieben.Mehr als 20 Jahre hat sich der 57-Jährige mit dem komplexen Stoff beschäftigt.

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Jens Arndt hat ein Buch über die Historie der Eisenbahn-Regimenter geschrieben.Mehr als 20 Jahre hat sich der 57-Jährige mit dem komplexen Stoff beschäftigt.

Hanau –  

Der Ballabend sollte dazu dienen, „dass das bereits innige Verhältnis zwischen Militär und Einwohnerschaft noch mehr gefestigt wurde“, heißt es in einer Meldung vom 11. Dezember 1910. Auf dem Programm standen das Theaterstück „Der Pfarrer von Leuthen“, die Aufführung einer Hanauer Tanzschule sowie ein „fesselnder Waffenreigen“, den 16 Pioniere präsentierten. Damals waren die Eisenbahnpioniere gerade zweieinhalb Monate in der Stadt. Am 1. Oktober 1910 hatte ihr Regiment Nr.3 Einzug in Hanau gehalten; Oberbürgermeister Eugen Gebeschus, der das Ganze eingefädelt hatte, war bei dem festlichen Akt übrigens nicht dabei: Er befand sich in Kur.

Zäsur für die Stadt Hanau

Der Tag war eine Zäsur in der Geschichte der Stadt und prägt sie bis heute, erklärt Jens Arndt, Inhaber des Café Schien und Mitglied des Geschichtsvereins: Ohne die Stationierung der Eisenbahnpioniere gäbe es kein Industriegebiet im Norden, keine ehemaligen Kasernen, die jetzt Technisches Rathaus, Schule, Büros und Wohnungen beherbergen. Auch der Gleisbauhof, auf dessen Gelände sich heute das Einkaufszentrum Kinzigbogen befindet, wäre nie gebaut worden.

Das Buch

Von Feldbahnen und Kasernenbauten ist ein großformatiges Buch mit 192 Seiten und 320 Bildern. Es ist im Eigenverlag erschienen und kostet 29 Euro. Erhältlich ist es in der Buchhandlung Dausien in der Salzstraße oder im Café Schien, Nussallee 7 und Rosenstraße 3.

Bestellt werden kann es per E-Mail an hanauer-militaergeschichte@arcor.de oder telefonisch: 06181/20967. Am Mittwochabend präsentiert Arndt sein Werk in der Aula der Gebeschusschule vor geladenen Gästen, unter ihnen Berthold Schenk Graf von Stauffenberg.

Dennoch ist dieses Kapitel Stadtgeschichte vielen Hanauern nur wenig bekannt, sagt Arndt. Für ihn ist es zum großen Thema geworden. Im Geschichtsverein hat er vor Jahren die AG Militärgeschichte gegründet und nun auch ein Buch über die Historie der Hanauer Eisenbahn-Regimenter von 1907 bis 1919 geschrieben: „Von Feldbahnen und Kasernenbauten“ heißt es und ist reich illustriert mit alten Fotografien und Dokumenten, die Arndt im Laufe der Zeit gesammelt hat.

Mehr als 20 Jahre Beschäftigung mit dem komplexen Stoff, über den es kaum geordnetes Material gab, stecken hinter dem imposanten Werk; als ergiebigste Quelle dienten Arndt das Archiv des Hanauer Anzeigers und Kontakte zu ehemalige Angehörigen des Militärs. Dabei wurde sein Interesse am Thema eher zufällig geweckt: Beim Spazieren durch die Bulau stolperte er 1986 über einen alten Eisenbahndamm – und fing an zu recherchieren, was er da im Grünen entdeckt hatte.

In seinem Buch konzentriert sich der 57-Jährige vor allem auf die Baugeschichte der ehemaligen Kasernen. Und die mutet durchaus ungewöhnlich an: 1907 weilten zwei Herren vom Königlich Preußischen Kriegsministerium in Hanau und trafen bei einem geheimen Gespräch mit Oberbürgermeister Gebeschus weitreichende Entscheidungen: Hanau sollte Garnisonsstadt für Eisenbahner werden (sie wurde die größte Europas) und als Bauherrin für die Militärs Kasernen, Übungs- und Depotanlagen errichten. Diese wiederum würde die Kommune an den Staat verpachten. Der Handel kam zustande: Nach den Plänen des Architekten Hans von Priesdorff entstanden im neubarocken Stil die Gebäude der Hessen-Homburg-Kaserne, das Offizierscasino, Wohnungen für verheiratete Unteroffiziere (die spätere Yorckhof-Kaserne), mehrere Übungsplätze und ein großer Exerzierplatz. Kosten: rund fünf Millionen Mark.

Gewerbesteuer sprudelte

So gut funktionierte das Konzept, dass die Heeresverwaltung beschloss, noch ein Eisenbahn-Regiment nach Hanau zu verlegen und dafür die Stadt einen weiteren Kasernenkomplex bauen zu lassen: So entstand ab 1912 das Hutier-Areal. Eine veränderte Bedingung hatte die Stadt sich indes erbeten: Beim Bau sollten ausschließlich Hanauer Unternehmen zum Zuge kommen; das half der heimischem Wirtschaft und über die Gewerbesteuer auch der Stadtkasse. Bis heute übrigens: Etliche Bauunternehmen haben in dieser Zeit ihren Ursprung.

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