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24. Januar 2013

Nachbarschaftsstreit: Die Friedenstifterin

 Von Gregor Haschnik
Ruhe ausstrahlen – das ist für die Schiedsfrau sehr wichtig.  Foto: Hoyer

Als Schiedsfrau schlichtet die Steinheimerin Heide Leuschner seit fast 25 Jahren Streitigkeiten. Sie entlastet die Richter - und schont den Geldbeutel der Streitenden. Der Gang zur Schiedsfrau ist viel günstiger als der Gang zum Gericht.

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Manche kochen vor Wut und würden am liebsten aufeinander losgehen, andere würdigen sich keines Blickes. Die Menschen, die in das Büro von Heide Leuschner im Steinheimer Rathaus kommen, haben ein Problem miteinander. Sei es, weil der eine den anderen beleidigt und geohrfeigt hat. Oder weil der eine seinen Komposthaufen so platziert hat, dass der Gestank meistens zur Terrasse des anderen zieht.

„Als erstes versuche ich immer, die Gemüter zu kühlen“, sagt Leuschner. Sie nimmt dann eine entspannte Haltung ein, schaut den Streithähnen fest in die Augen und erklärt ihnen mit ihrer ruhigen warmen Stimme, dass es in diesem Verfahren „keinen Schuldigen, keinen Verlierer, keinen Gewinner gibt. Wir werden gemeinsam nach einer Lösung suchen, mit der alle einverstanden sind.“ Und wenn jemand zwischendurch aggressiv wird, schickt sie ihn kurz vor die Tür.

Die Steinheimerin engagiert sich seit fast 25 Jahren als Schiedsfrau in ihrem Stadtteil. Sie schlichtet in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten und Strafsachen. Das Ziel: eine gütliche Einigung zwischen den Parteien. Die 72-Jährige ist unter anderem zuständig für Beleidigung, Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl. Und – grundsätzlich – für alle Fälle, denen ein außergerichtlicher Einigungsversuch vorausgehen muss, bevor Klage erhoben werden kann. Leuschner entlastet die Richter – und schont den Geldbeutel der Streitenden. Der Gang zur Schiedsfrau, die von der Stadtverordnetenversammlung für fünf Jahre berufen wird, ist viel günstiger als der Gang vor Gericht.

Die Strategie der früheren Personalchefin Leuschner ist durchaus erfolgreich: Gut zehn Schlichtungsverfahren übernimmt sie jährlich – und in sieben können sich die Beteiligten auf einen Vergleich einigen. In mehr als 20 Fällen versucht Leuschner, schon vor dem Verfahren zu schlichten, indem sie Gespräche mit den Parteien führt, oft am Telefon.

Dass sie eine von wenigen Frauen in diesem Amt ist, sei kein Nachteil, eher im Gegenteil: „Die Parteien verhalten sich sehr respekt- und taktvoll mir gegenüber.“ Leuschner hat das Schiedsamt übernommen, nachdem ihr Vorgänger verstorben war. Der damalige Ortsvorsteher hielt Leuschner wegen ihrer Menschenkenntnis für geeignet. „An der Art der Auseinandersetzungen hat sich in all den Jahren kaum etwas geändert“, sagt Leuschner. Sie erzählt von Klassikern des Nachbarschaftsstreits: Mal ragen Äste über den Zaun, mal ist der Zaun zu hoch. Für Außenstehende mag das lächerlich erscheinen, „die Betroffenen leiden unter den Konflikten – und tragen sie oft von Generation zu Generation weiter“.

Als Schiedsfrau habe sie viel über Menschen gelernt. Ihre wichtigste Erkenntnis: „Man kann tatsächlich über alles reden. Oft braucht es nur einen, der vermittelt.“ Wenn das Schweigen gebrochen ist, legt Leuschner größten Wert darauf, dass die Beteiligten selbst Lösungsvorschläge machen. „Dabei achte ich darauf, dass jeder ein Stück weit nachgibt, ohne sein Gesicht zu verlieren.“ Was der Schiedsfrau am meisten Auftrieb gibt? „Wenn sich einst Zerstrittene wieder grüßen.“

Heide Leuschner sucht eine Stellvertreterin oder einen Stellvertreter. E-Mail-Kontakt: heimiken@online.de

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