Hanau und Main-Kinzig
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14. Dezember 2012

Rodenbach: Gemeinsam gegen den Fluglärm

 Von Christoph Süß
Die Fluglärmgegner aus Hanau und dem Kinzigtal sind geübt in öffentlichwirksamem Protest.  Foto: Renate Hoyer

Die Interessengemeinschaft Hanau-Kinzigtal kämpft seit 15 Jahren gegen den Fluglärm über ihren Wohnorten. Dieses Engagement ehrt der Kreis nun mit dem Umweltpreis.

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Sie tragen gelbe Hemden, sind schon etwas älter und kennen sich seit Jahren. Für ihr Engagement gegen den Fluglärm über dem Kinzigtal wurden die Männer und Frauen der Hanauer Interessengemeinschaft am Mittwochabend vom Kreis mit dem 5000 Euro dotierten Umweltpreis geehrt. Während Politiker die Aktivisten auffordern, weiter Druck zu machen, sind einige enttäuscht von ihren Mitbürgern.

„Die jungen Leute denken nicht weit genug“, findet Franziska Dieß. Von ihnen gebe es kaum Resonanz. Die Seniorin wohnt in Rodenbach direkt unter der Einflugschneise. Sie erkennt die einzelnen Maschinen an ihrer Größe und Motorisierung. Zu den Demos am Flughafen kann sie aus gesundheitlichen Gründen nicht immer kommen. Den Auftritt der IG auf der Umweltmesse in Gelnhausen verpasst sie dagegen nie.

Dieß’ Nachbar Harald Becker hat sie zu der IG gebracht. „Ob der Lärm zugenommen hat, weiß ich nicht“, sagt der 75-Jährige. Zwischen fünf und acht Uhr am Morgen wache er jedoch regelmäßig durch die Fluggeräusche auf. Gemeinsam mit den anderen Vereinsmitgliedern fährt er jeden Montag mit dem Zug zum Protestieren nach Frankfurt – das sei wie ein Ritual, jedes Mal sind sie fünf Stunden gemeinsam unterwegs, wie bei einem Schulausflug.

„Wir werden am Flughafen beschimpft“, erzählt Becker. Als Gegenargument würden von den Ausbau-Befürwortern immer wieder die Arbeitsplätze ins Feld geführt. „Am Flughafen ist nicht eine zusätzliche Stelle geschaffen worden“, sagt hingegen Lothar Dallmann. Der 62-jährige Gelnhäuser arbeitet in dem Verein seit knapp einem Jahr mit, weil es bei ihm lauter geworden ist.

Barbara Metz und ihr Mann Stefan sind wie die meisten bereits im Rentenalter. Die Linsengerichter sind zu der Preisverleihung mit T-Shirts erschienen, die sie als Fluglärm-Gegner ausweisen. Auch sie kennen sich mit Flugzeugen aus. „Die Viermotorigen sind die lautesten“, sagt Barbara Metz. Der Lärm, der von ihnen ausgehe, sei aufgrund der Höhenlage ihres Wohnorts längst der gleiche wie in Offenbach – eine Tatsache, die laut Umweltdezernent André Kavai dort noch nicht wahrgenommen wird.

Kavai war am Mittwoch in der Rodenbachhalle einer der Laudatoren. Die Sturmflut der Protestmails, die den Kreis erreicht, scheint anderthalb Jahre nach der Absenkung des Landeanflugs und der geänderten Flugrouten auf Rhein-Main abzuebben. „Bleiben Sie dabei“, appellierte er deshalb an die Mitglieder der Interessengemeinschaft. Unter ihnen ist Wolfgang Hartmann aus Hasselroth. Er hat auf seinem Haus eine Messstation aufgestellt, die die IG mittlerweile offiziell betreibt.

Wann immer ein Flugzeug, das eine gewisse Dezibel-Zahl überschreitet, die Messstation überfliegt, setzt Hartmann eine Beschwerde beim Fluglärmdienst ab. Kavai hat laut eigener Aussage vergeblich um einen Termin mit der Geschäftsführung der Flugsicherung gebeten. Viel Hoffnung, über das Bundesaufsichtsamt etwas zu bewegen, habe er nicht. „Die spielen ein unseriöses Spiel“, sagt er. Umso wichtiger sei es, dass die IG-Aktivisten ihre Mitbürger im Wahljahr mobilisierten.

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