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18. Januar 2013

Schöneck: Kein Hausarzt mehr im Ort

 Von Christoph Süß
Viele Ärzte im Kreis hängen bald ihren Kittel an die Wand. Foto: DPA

Praxis in Oberdorfelden aufgegeben

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Praxis in Oberdorfelden aufgegeben

Sybille Mohadjer hätte ihre Arztpraxis gerne verkauft und ihre Patienten einem neuen, jüngeren Kollegen anvertraut. Doch weil die in Niederdorfelden wohnende und in Oberdorfelden praktizierende Hausärztin keinen Nachfolger fand, musste sie den Patienten zum Jahresende ihre Unterlagen in die Hand drücken und sie auffordern, sich einen anderen Mediziner zu suchen – in Schönecks kleinstem Ortsteil gibt es jetzt keinen einzigen mehr.

Das Nachfolgeproblem

Besonders problematisch ist die Ärzte-Situation laut der KV in Schöneck, weil es auch in Friedberg, Niddatal und Rosbach viele ältere Hausärzte gibt. Im Schnitt geben diese mit 63 ihre Zulassung zurück. Selbst wenn die Ärzte im Kreis bis 2015 im Schnitt mit 65 Jahren aufhörten, müsste bis dahin jeder fünfte Hausarzt ersetzt werden.

Bis 2025 würde diese Zahl unter den gleichen Annahmen auf über 65 Prozent – das entspricht 165 Ärzten – steigen, womit der Kreis knapp unter dem Landesschnitt läge. Allerdings bleibt dabei unberücksichtigt, dass die Bevölkerung laut den Prognosen des Kreises vor allem im Osten erheblich zurückgehen wird.

„Die Versorgung ist immer noch sehr gut“, findet die 69-Jährige. So gibt es in Niederdorfelden derzeit zwei Allgemeinärzte, in den beiden anderen Schönecker Ortsteilen sind es sieben. Von Notstand könne daher keine Rede sein. Als sie 1979 die Zulassung von einem Kollegen übernahm, habe das noch ganz anders ausgesehen. Damals herrschte noch Ärztemangel im Raum Schöneck, weshalb sie sich dort niederließ.

Natürlich kennt Mohadjer alte Menschen rund um Oberdorfelden, die ihre alte Hausärztin nun vermissen, schließlich hat sie diese bis zuletzt in ihren Wohnungen besucht. „Als ich hier angefangen habe, waren wir eine richtige Landarzt-Praxis“, erinnert sie sich. Heute machten die wenigsten Ärzte noch regelmäßig Hausbesuche, geschweige denn in anderen Orten. Außerdem könnten ihre Ex-Kollegen nicht beliebig viele Patienten aufnehmen.

Die Patienten aus Oberdorfelden müssen jetzt weitere Wege für einen Arztbesuch zurücklegen. Dennoch ist Schöneck aus Sicht von Mohadjer überversorgt. Ihr Einzugsgebiet sei über die Jahre immer kleiner geworden – abgesehen von Standortnachteilen sei dies der Hauptgrund für ihre erfolglose Nachfolger-Suche. Ein halbes Jahr bleibt der 69-Jährigen noch, einen Arzt für Oberdorfelden zu finden, dann geht ihr Kassensitz – ohne Ablöse – zurück an die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV); die entscheidet dann, ob sich im Kreis ein weiterer Allgemeinarzt niederlassen darf.

Die KV arbeitet zur Zeit an einer Neuberechnung der Ärzteverteilung. Diese soll genauer werden, um der unterschiedlichen Infrastruktur und Bevölkerungsentwicklung Rechnung zu tragen. Laut ihren aktuellen Zahlen gibt es im Kreis ein deutliches Ost-West-Gefälle bei der Versorgung mit Hausärzten: In Hanau und Maintal gibt es vergleichsweise viele Praxen. Je weiter östlich die Menschen wohnen, desto weniger Ärzte finden sie – Ausnahmen bilden Städte wie Gelnhausen oder Bad Orb.

In Jossgrund und Flörsbachtal gibt es nur jeweils eine Hausarztpraxis, die von Medizinern über 55 Jahren betrieben wird. Die Büdesheimer Allgemeinärztin Angelika Klußmann ist bereits 64. Im Altkreis Hanau gibt es abgesehen von Schöneck in Langenselbold, Hammersbach und Ronneburg besonders viele Mediziner über 55 Jahren. Auffallend ist im gesamten Kreis auch die im hessenweiten Vergleich hohe Zahl an Hausärzten zwischen 46 und 50.

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