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"Auf Tschechisch kann man heftiger streiten"

Tag der Muttersprache: Die Lehrerin Daniela Symanczyk über die Lebenskultur ihrer Heimat

Die Hälfte der rund 6000 Sprachen weltweit ist vom Aussterben bedroht. Daran erinnert heute der Welttag der Muttersprache, den die Unesco vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hat. Die Frankfurter Rundschau hat sich zu diesem Anlass mit der Tschechisch-Lehrerin Daniela Symanczyk unterhalten.Was kann man im Tschechischen besser ausdrücken als im Deutschen?

Im Arbeitsalltag und in Liebesdingen sind Deutsch und Tschechisch – glaube ich – ziemlich vergleichbar. Vielleicht kann man im Tschechischen heftiger streiten. Wenn ich mich mit meinen Verwandten unterhalte, sagt mir mein Freund oft, dass es so klingt, als wenn wir die ganze Zeit über streiten würden. Das liegt daran, dass wir Tschechen gerne sehr laut und sehr schnell sprechen.

ZUR PERSON

Daniela Symanczyk (44) ist kaufmännische Angestellte und arbeitet seit 2008 nebenbei als Tschechisch-
Lehrerin an der Volkshochschule Hanau. Sie kommt aus Tschechien und lebt seit 1989 in Deutschland.

Damals hatte sie einen Deutschen
geheiratet und ihre Ausreise beantragt. Heute wohnt sie mit ihrem Sohn in
Hanau, besucht aber regelmäßig ihre Familie in Tschechien.

Welche Sprache liegt Ihnen näher, Tschechisch oder Deutsch?

Mittlerweile rede ich in 95 Prozent der Zeit Deutsch. Im Moment ist es sogar so, dass ich auf Deutsch denke und träume und mir Einkaufszettel schreibe. Wenn ich meine Eltern in Tschechien besuche, passiert es mir oft, dass meine Mutter plötzlich zu mir sagt: „Kannst du bitte Tschechisch mit uns reden?“

Was fasziniert Sie daran, Tschechisch zu unterrichten?

Im Tschechisch-Unterricht kann ich nicht nur meine Muttersprache vermitteln. Genauso wichtig ist es mir, meinen Kursteilnehmern die tschechische Mentalität zu zeigen, wie die Menschen dort leben und feiern.

Um welches tschechische Wort sollte die deutsche Sprache bereichert werden, wenn es nach Ihnen ginge?

Die Deutschen haben schon eins: Ahoj. Im Tschechischen sagen wir das anstelle von „Hallo“ oder „Tschüss“.

Spanisch gilt als sehr feurig, Französisch als eher zart. Wie würden Sie Tschechisch charakterisieren?

Ich finde, Tschechisch ist eine sehr melodische Sprache. Zum Beispiel kann man im Tschechischen Fragen allein mit der Stimme stellen. Tschechisch kann aber auch sehr dominant sein.

Warum sollte man Ihrer Meinung nach heutzutage Tschechisch lernen?

Ich denke, heutzutage muss man das fast nur noch, wenn man in Tschechien leben möchte. Viele Tschechen können Englisch und Deutsch sprechen. Die meisten meiner Schüler haben Verwandte oder Partner aus Tschechien und möchten sich bei Familienrunden endlich aktiv am Gespräch beteiligen können.

Das Interview führte Christian Engel.

Datum:  21 | 2 | 2012
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