Ein bedeutendes Artenschutzprojekt kommt schneller voran als gedacht statt 2010 sollen die ersten von etwa 30 Przewalski-Wildpferden noch in diesem Jahr in Hanau galoppieren. Ihr neues Zuhause verdanken die im Münchner Tierpark Hellabrunn nachgezüchteten Nachkommen der in freier Wildbahn längst ausgestorbenen Tiere der Konversion ehemaliger US-Armeeflächen. Rund 130 Quadratmeter groß ist ihr Domizil, das ehemalige Truppenübungsgelände "Campo Pond" in Wolfgang.
Der Hanauer Diplom-Biologe Martin Schroth von der Unteren Naturschutzbehörde ist glücklich über das Projekt und das demnächst mit Professor Henning Wiesner ein weltweit anerkannter Nachzucht-Experte anreist, um darüber zu informieren. Wiesner leitet seit 25 Jahren den Tierpark Hellabrunn, ist Wissenschaftler, Universitäts-Dozent, Buchautor, Erfinder, Zoodirektor, Veterinärmediziner und Abenteurer. Seine Leidenschaft gilt dem Tier- und Artenschutz. "Die Bedingungen in Hanau sind für unsere Pferde ideal", lobt er, "weil das Areal eingezäunt ist und eine Wasserstelle bietet".
Seit 1970 sind Przewalski-Pferde in freier Wildbahn ausgestorben. Sie gelten als mögliche Urahnen der Hauspferde.
Nur etwa ein Dutzend überlebte in Zoos und wurde durch Zucht zu "Urvätern und -müttern" von weltweit etwa 2000 Nachkommen.
Den Namen verdanken die 1,40 Meter großen Tiere dem russischen Oberst Przewalski, der sie 1879 auf einer Forschungsreise in Zentralasien entdeckte.
Der Münchner Zoo wildert seit 1988 Exemplare nach Zentralasien aus. Hanau erhält dieses Jahr bis zu 30 Tiere, um sie später ebenfalls auszuwildern.
Schnell überwundene Hürden
Als der Artenschützer von der FFH (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU) naturgeschützten Konversionsfläche in Hanau hörte, kontaktierte er die Hanauer Naturschutzbehörde. "Alle waren Feuer und Flamme. Ich war überrascht, wie schnell man die bürokratischen Hürden überwunden hat, um das Projekt zu realisieren", kommentiert Wiesner die Tatsache, dass die erste Zuchtgruppe noch in diesem Sommer in Hanau eintreffen soll.
Begonnen hatte alles, als Wiesner 1972 im Tierpark Hellabrunn seinen Job als Zootierarzt antrat und dort eine unfruchtbare Herde von Przewalski-Pferden vorfand. "Ich untersuchte die Tiere und stellte fest, dass sie an einer bakteriellen Infektion litten, die ich mit Antibiotika behandeln konnte. Seit damals sind mehr als 100 Fohlen in Hellabrunn zur Welt gekommen." Er startete das längst internationale Zuchtprogramm zum Fortbestand der robusten Wildpferde. Das Internationale Zuchtbuch mit den Daten aller nachgezüchteten Przewalski-Pferde wird heute in Prag geführt.
Schroth ist vom Projekt aus vielen Gründen begeistert: "Die Wildpferde sind natürliche Landschaftspfleger und eine Attraktion für Besucher und Naturwissenschaftler, zudem werden ihre Nachkommen nach Zentralasien ausgewildert". Das Areal sei bereits eingezäunt und verfüge über einen Teich als Wasserstelle (ein zweiter wird noch angelegt). Tierpfleger können auf dem Gelände in einer einstigen US-Baracke wohnen, die Tiere schützen und beobachten sowie die Besucher bei Führungen auf festgelegten Wegen begleiten. Diverse Zoos sollen das Artenschutz-Projekt wissenschaftlich begleiten.

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